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Der Hornbauer Steve Lewis
Handwerk der alten Welt und Technologie aus der neuen Welt
Von Jeffrey Agrell
Steve Lewis
In der Regel braucht es Jahre, wenn nicht Generationen, bis ein neues Instrument von den Berufsmusikern voll akzeptiert wird. Dies war aber nie die Sorge von Steve Lewis, dem Hornbauer aus Chicago, der in den 8 Jahren seit der Eröffnung seiner Werkstatt 111 handgefertigte Hörner an Berufsschüler, wichtige Lehrer und Berufsmusiker in Orchestern in aller Welt verkauft hat. Seine ersten 5 Hörner lieferte er an das Pittsburgh-Symphonieorchester. Der Dirigent André Prévin fragte Dale Clevenger, Solohornist in Chicago, wie er einen Hornklang wie den in Chicago aus seiner Gruppe herausholen könne. Clevengers Antwort: «Ein Teil ist Konzept, ein Teil davon die Wahl des Instruments. Das Konzept ist Ihre Aufgabe, und das Instrument kriegen Sie nur an einem Ort: bei Steve Lewis.» Zu diesem Zeitpunkt hatte Lewis noch nicht einmal sein erstes Horn gebaut! Kurz darauf folgte ein Auftrag für 4 Hörner für das Syracuse-Symphonieorchester…
Anfänglich war Steve Lewis nach Chicago gekommen, um bei Dale Clevenger Horn zu studieren. Um sich einen Nebenverdienst zu verschaffen, nahm er eine Stelle als Reparateur bei Schilke an. Zufälligerweise arbeitete er dort mit Jerry Lechniuk zusammen, einem Handwerksmeister, der seinen Beruf in der Ukraine und in Polen vor dem zweiten Weltkrieg gelernt hatte. Lechniuk lehrte ihn Schritt für Schritt, jeden Bestandteil des Hornes anzufertigen, und zu reparieren. (Lewis baute sechs Hörner, bevor er Schilke verliess.) Diese Lehrzeit dauerte 4 Jahre, bis zu Lechniuks plötzlichem Hinschied im Jahre 1976. «Jerry brachte mir das Reparieren bei» sagt Lewis, «aber mehr als alles andere lehrte er mich, auf das Handwerk stolz zu sein, langsamer zu arbeiten und mir Zeit zu nehmen, jeden einzelnen Schritt sorgfältig zu machen.» Lewis verliess Schilke einige Monate nach Lechniuks Tod. Damals legten ihm Mitglieder der Chicagoer Horngruppe nahe, einen eigenen Laden für Hornbau und Reparaturen zu eröffnen, und später halfen sie ihm mit einem Darlehen von 25’000 $ bei der Realisierung. Damit und mit einem eigenen Kredit von 10’000 $ verbrachte Lewis nun fünf Monate, Maschinen, Werkzeuge, Teile und Material zu wählen und einzukaufen und sammelte so ein beeindruckendes Arsenal der allerbesten Ausrüstung an, was ihm die Eröffnung einer Spezialwerkstatt für den Bau neuer und die Restauration alter Hörner ermöglichte.
Aber welche Art Hörner baut Lewis denn?
«Während meiner ganzen Laufbahn habe ich ein Schmidt, Modell Geyer, geblasen, ein wundervolles Horn von 1919… Ich dachte mir, falls ich je ein Horn bauen sollte, müsste es dieses sein. Das Problem ist nur, dass sehr wenige Hornisten ein Horn mit einem Piston-Umschaltventil blasen möchten. So musste ich ein mechanisch konventionelleres Horn bauen, und ich benützte ein 70 Jahre altes Knopf-Horn als Vorlage. Man könnte es ein Geyer-Modell nennen. Knopf behauptete immer, Geyer kopiere ihn, und Geyer sagte dasselbe über Knopf. Knopf arbeitete in Markneukirchen, wo Carl Geyer geboren wurde, darum… Der Entwurf des Hornes ist wunderschön. Es schien mir eine ganz natürliche Entwicklung vom Piston-Umschaltventil zum Drehventil. Das Schmidt-Horn scheint mir ideal, aber das Knopf-Geyer-Modell weist das beste Design auf.
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Brass Bulletin 49, I / 1985 Seiten 36–39
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