BrassBulletin

Internationales Magazin für Blechbläser

Brass Bulletin 31, III / 1980 (Seite 19–33) · 16 Min. Lesezeit
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300 Jahre Waldhorn

1680-1980, Versuch einer Betrachtung

Teil 1

Von Peter Damm

Von den Jagdsignalen von Versailles zum böhmischen Waldhorn entwickelt sich das Horn durch Instrumentenbauer und Virtuosen zur Orchesterstimme.
300 Jahre Waldhorn

Vor 300 Jahren begann in Böhmen eine folgenreiche Entwicklung, die das ursprüngliche Jagdhorn zu einem der schönsten und ausdrucksvollsten Musikinstrumente werden ließ, von dem Robert Schumann sagen konnte, es sei «die Seele des Orchesters». Es ist ein stolzes Jubiläum, welches ich zum Anlass meiner Betrachtung zu Datum und Geschichte des Hornes nehmen möchte, ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit meiner Ausführungen erheben zu wollen.

Exakt lassen sich weder Jahr noch Tag der Einbürgerung des französischen Jagdhorns in Böhmen belegen. In der einschlägigen Literatur schwanken die Angaben zwischen 1680 und 1681. Fakt ist, daß 1680/81 zwei Jäger des Grafen Sporck aus Versailles nach Böhmen zurückkehrten. Sie lernten in Versailles die neuen Jagdhörner kennen und erlernten die Kunst, sie zu blasen.

Böhmen wurde zum Mutterland des eigentlichen Waldhorns. Hier vollzog sich die Entwicklung vom Gebrauchsinstrument zum Musikinstrument. Böhmische Hornisten verbreiteten die Kunst des Hornblasens in viele europäische Länder, wurden zu Lehrmeistern der benachbarten Nationen.

Graf von Sporck (1662–1738)(With kind permission of Oxford University Press, England)

Graf von Sporck (1662–1738)
(With kind permission of Oxford University Press, England)

Ein Name steht mit dem Jubiläum in direkter Verbindung: Franz Anton Graf von Sporck (1662–1738). Seinem Interesse an der Musik, seiner Begeisterung für die Jagd verdanken wir, daß die Jagdhörner aus Frankreich in Böhmen eingeführt wurden. Als Sohn eines kaiserlichen Generals der Kavallerie, der in den Adelsstand erhoben wurde, konnte Graf Sporck nach dem Tode seines Vaters von 1680 bis 1681 eine ausgedehnte Bildungsreise unternehmen, auf der er einige europäische Fürstenhöfe aufsuchte.

Höhepunkt war ein Besuch Frankreichs. In Versailles erlebte Sporck die prunkvolle Hofhaltung Ludwig XIV. Er war von den Theateraufführungen, von der höfischen Musik und den Jagdvergnügungen begeistert. Besonders tief wurde Sporck beeindruckt durch eine neue Art, das Jagdhorn zu blasen, so daß er beschloß, neue, große Jagdhörner nach Böhmen zu bringen.

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