Machen Sie Brass Bulletin an Ihrer Hochschule, Ihrem Konservatorium oder Ihrer Bibliothek verfügbar Institutionellen Zugang entdecken

3 Min. Lesezeit

Die wissenschaftlich-technische Revolution im Posaunenunterricht

Die wissenschaftlich-technische Revolution im Posaunenunterricht

Das ausserordentlich hohe Entwicklungsniveau der heutigen Wissenschaft und Technik auf der ganzen Welt stellt an alle Bereiche des menschlichen Wissens neue Ansprüche.

Leider gibt es jedoch nur sehr wenige Arbeiten, die sich mit den objektiven Gesetzmässigkeiten befassen, die beim Spielen von Blasenstrumenten entstehen. Jeder Bläser weiss, welch zentrale Bedeutung beim Spielen einem gelösten, sauberen und gleichbleibenden Blasen im gesamten Tonbereich seines Instruments zukommt. Welch ein Glück für den Bläser, dem die Natur einen Mundapparat geschenkt hat, der es ihm ermöglicht, sich den objektiven Bedingungen, die sich beim Hervorbringen eines Tones auf einem Instrument ergeben, natürlich und rasch anzupassen. Aber wenn dies nun nicht der Fall ist? Dann gibt es nur die Möglichkeit, zunächst einmal eine genaue Vorstellung von der Art und Weise, wie ein Ton in einem Instrument entsteht, und von der Rolle, die dabei dem Mundapparat des Spielers zukommt, zu gewinnen, und sodann die individuellen Fähigkeiten jedes Spielers und seines Mundapparates mit den objektiven Bedingungen, mit denen die Entstehung eines sauberen, reinen Tons im Instrument verknüpft ist, in Einklang zu bringen.

Es gibt in der USSR und in der übrigen Welt eine ganze Reihe von Untersuchungen und Arbeiten, welche die Entstehung eines Tons in einem Blasinstrument erklären. Ganz allgemein fehlt diesen Arbeiten jedoch eine gemeinsame theoretische Grundlage. Jeder Autor untersucht die Grundlage irgendeines Detailproblems, oder dann wählt er aus dem ganzen Spielprozess einen bestimmten Ausgangspunkt aus.

In Wirklichkeit gibt es indessen bereits eine solche Theorie. Es ist die Theorie von den Selbstschwingungen des Mundstücks von Blasinstrumenten, die der sowjetische Gelehrte B. P. Konstantinov in seinem Buch «Die hydrodynamische Tonbildung und die Ausbreitung eines Tons in begrenztem Raum» aufgestellt hat. Sein Inhalt ist kurz folgender: ein Blasinstrument ist ein akustisches System mit einer instrumentbedingten Schwingungsfrequenz (so liegt z.B. die Schwingungsfrequenz der Posaune als System bei 58.270 Hz, dh. beim B der Kontraoktave, und dieser Ton bildet zusammen mit seinen Teiltönen die Obertonreihe der 1. Lage; jede weitere Lage hat eine verschiedene Frequenz und bildet weitere Grundtöne; der Gesamtumfang des Instrumentes ist von den verschiedenen Obertonreihen gebildet. Die Tonerzeugung eines bestimmten Systems auf einer gegebenen Frequenz hängt direkt von der Frequenz ab, auf welche der tonbildende Apparat abgestimmt ist. Experimente, bei denen man versucht hat, ohne Mitwirkung eines Musikers, allein mit Hilfe einer Lippen simulierenden Kunstharz-Membrane, Töne in der Posaune zu erzeugen, bestätigen diese Feststellung. Für das Hervorbringen von unterschiedlich hohen Tönen erwies es sich als unumgänglich, für jeden einzelnen Ton eine zusätzliche Membrane zu verwenden. Diese Tatsache weist darauf hin, dass der Musiker imstande sein muss, die Schwingungsfrequenz seiner Lippen zu verändern. Wenn der tonbildende Apparat auf die Frequenz des zu blasenden Tons abgestimmt ist und man hineinbläst, entsteht ein akustisches System. Ergänzend kommt noch hinzu, dass die tonbildenden Lippen, sobald sie das erste Signal abgeben die Schwingungen des Systems hervorrufen, worauf dann die Schwingungsfrequenz des Systems bestimmt wird. Die Einflussnahme der Lippen oder der Membrane auf die Schwingungsfrequenz des Systems ist nur am Anfang wichtig.

Eine entscheidende Rolle kommt der Kenntnis der Anatomie und Physiologie des Spielapparates und der psychischen Aktivität des Bläsers zu. Wenn wir z.B. wissen, dass der Kreismuskel des Mundes (musculus orbicularis) die Grundlage für den tonbildenden Ansatz ist und zu den radial an ihm befestigten Muskeln in einem antagonistischen Verhältnis steht, so hilft uns dies, die beste Variante für den Ansatz zu finden. Dabei kann ein durchsichtiges Mundstück uns eine wertvolle Hilfe sein, denn im Gegensatz zu dem bestehenden Mundstückring (visualizer) kann man bei ersterem besonders gut beobachten, wie sich der Mundapparat unter den konkreten Bedingungen der Einwirkung des akustischen Systems formt.

Eine grosse Bedeutung kommt für das erfolgreiche Erlernen einer sauberen Tonerzeugung auf einem Instrument auch einem richtigen Erfassen des Wesens der Atemzufuhr zu. Der für das Blasen unerlässliche Einbezug des Zwerchfells sowie die Kunst, mit diesem die richtigen Bewegungen auszuführen, werden erreicht durch eine Kräftigung des Muskelgefühls im Zwerchfell, was den Grad der Muskelbewegung und -beherrschung hebt.

Ein letzter wichtiger Umstand liegt in der Kunst begründet, in der Mundhöhle den Zustand des Luftstroms zu steuern. Je höher ein Ton, desto mehr nähert sich die Zunge dem Gaumen, und desto mehr verringert sich der zu bildende Durchlass für den Luftstrom, und ganz logisch entstehen so die Bedingungen für die Steigerung der Blasgeschwindigkeit.

Entsteht wie von selbst ein leichter und sauberer Ton (auch ohne Zungenschlag), so bedeutet das, dass sämtliche Voraussetzungen erfüllt worden sind.

Brass Bulletin 41, I / 1983 Seiten 37–38

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1983–2026

Artikel teilen

Facebook LinkedIn
Wird geladen…

Fragen und Antworten

So funktioniert die digitale Ausgabe

Was enthält die digitale Ausgabe?

Die digitale Ausgabe vereint die bereits digitalisierten Artikel als lesbare und durchsuchbare Online-Texte – nicht nur als Scans oder PDF-Dateien – mit ihren ursprünglichen Abbildungen, Anmerkungen, Angaben zu Autoren und Ausgaben sowie den verfügbaren Übersetzungen. Empfehlungen verwandter Artikel umfassen derzeit nur dieses digitalisierte Material.

Sind die digitalen Artikel mit den Originalen identisch?

Wir bewahren den ursprünglichen Text, die Sprache, Abbildungen, Bildlegenden, Fußnoten und den redaktionellen Kontext so originalgetreu wie möglich. Die Darstellung wird für ein angenehmes Lesen am Bildschirm angepasst; offensichtliche Übertragungs- oder Scanfehler können korrigiert werden. Inhalt und Charakter des veröffentlichten Artikels bleiben unverändert.

Welche Sprachen sind verfügbar?

Brass Bulletin erschien während seiner gesamten Geschichte auf Englisch, Französisch und Deutsch. Italienische und spanische Übersetzungen kamen ab Ausgabe Nr. 60 hinzu.

Auf der italienischen und der spanischen Website werden die Artikel aus den Ausgaben 1 bis 59 daher standardmäßig auf Englisch angezeigt.

Wie oft werden neue Artikel hinzugefügt?

Neue Artikel werden fast täglich hinzugefügt; ungefähr eine vollständige Ausgabe wird pro Woche digitalisiert. Das Tempo kann je nach erforderlicher Vorbereitung, Bildbearbeitung und redaktioneller Prüfung variieren.

Warum sind noch nicht alle Artikel digital verfügbar?

Die vollständige Sammlung von Brass Bulletin umfasst 1’246 Artikel aus den Jahren 1971 bis 2003. Das vollständige Verzeichnis ist bereits online verfügbar und ermöglicht es, jeden Artikel der Sammlung zu entdecken – auch jene, deren vollständiger Text noch nicht digitalisiert wurde.

Die Digitalisierung begann im Februar 2026. Jeder Artikel wird sorgfältig für die Online-Lektüre aufbereitet, geprüft und mit seiner Ausgabe, den Autoren, Themen und Abbildungen verknüpft. Beim derzeitigen Digitalisierungstempo wird die vollständige Sammlung voraussichtlich bis Februar 2028 online verfügbar sein.

Warum verweisen manche Quellen auf Artikel, die noch nicht verfügbar sind?

Verweise in den Originalartikeln bleiben erhalten, auch wenn das Material, auf das sie hinweisen, noch nicht digitalisiert wurde. So bleiben die historischen und redaktionellen Zusammenhänge vollständig erhalten. Mit jeder weiteren digitalisierten Ausgabe werden mehr dieser Verweise zu online lesbaren Artikeln führen.

Kann ich einen Artikel vorschlagen oder einen Übertragungsfehler melden?

Ja. Wenn Sie einen bestimmten Artikel gerne digitalisiert sehen möchten oder einen möglichen Übertragungsfehler beziehungsweise eine fehlende Information entdecken, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Rückmeldungen unserer Leser helfen uns, die digitale Ausgabe zu verbessern und sinnvolle Prioritäten im Archiv zu setzen.

Wie kann ich Brass Bulletin unterstützen?

Ihre Unterstützung hilft, die Aufbereitung, Überprüfung und Online-Veröffentlichung der vollständigen Sammlung zu finanzieren.

Digitalausgabe abonnieren

Möchten Sie uns lieber unterstützen, ohne ein Abonnement abzuschließen?

Spenden

Brass Bulletin durchsuchen.