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Emory Brace Remington

Ein Porträt

Emory Brace Remington wurde am 22. Dezember 1891 geboren. Mit 14 Jahren begann er Posaune zu spielen.

Hierzu sagt er selbst: «Die Posaune hatte mich schon immer fasziniert, ich hatte Fotos von ihr gesehen; ich sprach nur noch von Posaunen, bis ein Nachbar eines Tages eine aus einem Pfandhaus heimbrachte und sie mir gab. Ich hatte aber nicht die geringste Ahnung über den Umgang damit — ich glaubte, man brauche nur den Zug hin- und herzuschieben.»

1921 wurde er Mitglied der Musikabteilung der Eastman-Schule und erster Posaunist am Eastman-Theaterorchester (das sich später Rochester Civic Orchestra und noch später Rochester Philharmonic Orchestra nannte). In den folgenden 28 Jahren verpasste er kein einziges Konzert.

Nach seinem Rücktritt aus dem Orchester im Jahre 1949 unterrichtete er noch 22 Jahre lang, bis zu seinem Tod am 10. Dezember 1971: im Ganzen 50 Jahre bei Eastman.

Nach ungefähren Schätzungen erhielten über 1000 Schüler aus drei Generationen Unterricht bei ihm. Sein Einfluss und der seiner Schülermassen ist riesig gewesen.

Eine typische Unterrichtsstunde beim «Chef» (so sein liebevoll gemeinter Spitzname) verlief wie folgt: besondere Einspielübungen, Tonleiter- und Arpeggio-Etüden in allen Tonalitäten, Vokalisen, Etüden im Orchesterstil und im Konzertstil, und vielleicht ein Stück für Soloinstrument oder einige Orchesterauszüge.

Emory Brace Remington

Emory Brace Remington

War der Schüler schon fortgeschritten, so nahm das vorgelegte Material rasch an Schwierigkeit zu, ohne ihn jedoch zu überfordern. Es wurde kein vorzubereitendes Pensum aufgezwungen; vielmehr konnte der Schüler im Rahmen des Vernünftigen selbst darüber bestimmen.

Remingtons wichtigster pädagogischer Grundsatz bestand darin, dass er jede Note jeder Unterrichtsstunde virtuell mitsang.

Auch hierzu sollte man seine eigenen Worte sprechen lassen: «Meine besondere Eigenschaft ist wohl die gewesen, dass ich versucht habe, die Posaune mit menschlichen Zügen zum Singen zu bringen. Damals stellte noch keiner Grundsatzfragen wie die Zungenlage, die Beherrschung des Atems usw. Ich spielte einfach so, wie ich es für richtig hielt.

Damals gab es auch sehr wenig über die Gesangstechnik. Man fand Märsche, bum, bum, ta, ta, vieles aus der deutschen Schule mit ungenauer Zugtechnik. Der alten Schule gemäss musste das eben «ausgespuckt» werden.

Ich drang auf Artikulation im Mundraum — wie bei Sängern. Ich blies nicht ins Instrument, ich spielte hinein, mit so wenig Widerstand wie möglich. Ich habe das Instrument immer wie eine zusätzliche Stimme gehandhabt.»

Seine Baritonstimme war uneben, er wusste aber die Phrasierung, die Artikulation und die Klangqualität auf eindrückliche Weise zu vermitteln. Er schätzte, dass er täglich sechs bis sieben Stunden sang.

Hörte der Schüler aufmerksam hin, dann konnten die verschiedenen Aspekte des Spielens aus diesem unentwegten Singen abgeleitet werden.

Er sang nur dann nicht, wenn es um ein Solospiel ging, und zwar unmittelbar vor der Ausführung, oder gelegentlich bei der Eingangsphrase einer Etüde.

Nach wenigen Takten sagte er dann gewöhnlich: «Einen Augenblick, nicht so, lieber so», und er sang es vor. Dann fingen Schüler und Lehrer gemeinsam von vorne an.

Ganz selten geschah es, dass der «Chef» mit der zweiten Phrase einsetzte — nämlich dann, wenn der Schüler die Eigenschaften der ersten Phrase präzis erfasst hatte. Das war das höchste Lob, das er erteilte, und es galt mehr als jedes ermutigende Wort.

Technische Erläuterungen fehlten ganz. Einige werden das wohl nicht verstehen können, aber gerade darin bestand das Wesen seines Unterrichtsstils: durch «Osmose».

Jeder Schüler durfte so viel oder so wenig lernen, wie er selbst wünschte. Alle seine Schüler behandelte er gleich; ein «Star-System» kannte er nicht.

Begabte Schüler konnten ihre Fähigkeiten ihrem eigenen Rhythmus gemäss entwickeln. Mittelmässige Musiker «förderte» er behutsam auf das nächsthöhere Niveau; solche, die Schwierigkeiten hatten, orientierte er — ohne dass sie es merkten — auf Gebiete, in denen ihre Berufsausübung kein öffentliches Auftreten verlangte.

Man kann sich darüber uneinig sein, ob Remingtons Widerwille gegen technische Erläuterungen eine Schwäche seiner Methode sei. Ein solcher Ansatz wäre jedoch seinem Wesen fremd gewesen.

Einige seiner Schüler fanden auf diesem Gebiet Hilfe bei anderen Lehrern, die darin versierter waren.

Remington wusste wohl (und heutige Lehrer sollten sich dessen auch bewusst sein), dass nur wenige seiner Schüler je ihr Brot als Instrumentalisten verdienen würden, und dass falsche Ermutigungen und lange, schmerzliche Anpassungsperioden oft zu Frustrationen und Enttäuschungen führen.

Remington lehrte nicht das Posaunenspiel, er lehrte Menschen,

sagte treffend Howard Hanson, ein ehemaliger Direktor der Eastman-Schule.

Brass Bulletin 21, I / 1978 Seiten 37–39

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