Brass Bulletin 37, I / 1982 Seite 20–28 · 7 Min. Lesezeit

Gleichzeitiges Spielen und Singen auf Blechblasinstrumenten

Teil 3 – Ende

Von Benny Sluchin

Von Webers Concertino bis zu Berlioz' Akkorden erklären akustische Zusammenhänge die Kombinationstöne beim gleichzeitigen Spielen und Singen auf Blechblasinstrumenten.
Gleichzeitiges Spielen und Singen auf Blechblasinstrumenten

5. Akustische Grundlagen

In diesem Abschnitt möchten wir — ohne Anspruch auf Wissenschaftlichkeit — eine kurze Erklärung des Phänomens der Akkorderzeugung auf Blechblasinstrumenten geben. Ein Blechbläser sollte über die allgemeine Funktion seines Instrumentes und über dessen Verhalten in besonderen Spielsituationen, wie eben bei gleichzeitigem Blasen und Singen, mehr wissen.

Nach Lektüre unseres 1. Kapitels sollte es kein Rätsel mehr sein, weshalb bei gleichzeitiger Erzeugung zweier Töne ein vollständiger Akkord hörbar wird. In der Tat erzeugen zwei beliebige, nicht zu weit voneinander entfernte Töne von ungefähr gleicher Intensität und Klangfarbe (d. h. ähnlichem Obertonspektrum) Kombinationstöne. Diese physikalische Erscheinung wurde im letzten Jahrhundert von dem hervorragenden Forscher Helmholtz beobachtet²⁷ und in Hindemiths Abhandlung²⁸ aufgegriffen, um die Wurzeln der Intervalle anzuzeigen.

Zur Akkorderzeugung auf Blechblasinstrumenten gibt es einige ältere Abhandlungen. Eine praktische Erklärung des Phänomens der Horn-Akkorde gab (wohl aus Anlass des Weber-Concertinos) H. Kling²⁹ ³⁰. Doch wertvollere Beiträge von P. R. Kirby³¹ und W. F. H. Blandford³² erschienen schon vor über 50 Jahren, und B. Coar³³ lieferte eine theoretische Erklärung für gewisse Intervalle mit Bezug auf die Weber-Kadenz.

Jüngere Publikationen zu diesem Thema finden sich in den Lehrbüchern von R. Gregory³⁴ ³⁵ sowie in einigen Abhandlungen (s. Literaturverzeichnis).

Wie gesagt, erzeugen zwei gleichzeitig erklingende Töne Kombinationstöne, nämlich einen Summationston «s», dessen Frequenz gleich der Summe der Erzeugerfrequenzen ist, und einen Differenzton «d», dessen Frequenz der Differenz der Erzeugerfrequenzen entspricht. Sowohl «s» wie auch «d» werden als Kombinationstöne 1. Grades bezeichnet.

Kombinationstöne 2. Grades entstehen in gleicher Weise aus den Erzeugertönen und ihren Obertönen. Demnach können wir die Kombinationstöne zweier Erzeugertöne «a» und «b» wie folgt zusammenfassen:

Weiterlesen

Zugang zum vollständigen digitalisierten Brass Bulletin Archiv • CHF 5.– / Monat · jederzeit kündbar

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1982–2026

Artikel teilen

Facebook LinkedIn
Loading…

Im Brass-Bulletin-Archiv suchen.