Brass Bulletin 34, II / 1981 (Seite 5–12) · 6 Min. Lesezeit
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Eine Studie über Intonation in der Musik

Teil 3 – Ende

Von Christopher Leuba

Von Bläserquintett bis Blechbläsersatz prägen Klangbalance, Obertöne und Wahrnehmung eine Intonation, die oft von messbaren Frequenzen abweicht.
Eine Studie über Intonation in der Musik

Klangliche Ausgewogenheit

Beim Einstimmen von Akkorden ist es äusserst wichtig, diese auszubalancieren, d. h. dafür zu sorgen, dass die Lautstärke eines jeden Instrumentes derjenigen der benachbarten Stimmen angemessen ist. Diese Proportionen sind in gewissem Grade Geschmackssache, je nach dem gewünschten Klangmuster.

George Szell soll darauf bestanden haben, dass von zwei in Oktavabständen spielenden Instrumenten das tiefere um eine dynamische Stufe lauter spielen müsse, also vermutlich entsprechend einem Lautstärkeverhältnis von 2:1. Nach dieser Theorie muss sich also die obere Stimme so in die untere «einpassen» wie die Obertöne in ihren Grundton.

Doch liesse sich Szells Idee auch ad absurdum führen: ein piano in den höchsten Instrumenten würde dann ein forte possibile in den tiefen bedingen. Man kann sich nun fragen, an welches spezifische Lautstärkeverhältnis man sich halten sollte, und ob die Intensität gegen die unteren Stimmen hin allmählich zunehmen sollte oder nicht. Ich halte dies für eine Frage von Klangfarbe und -dichte. Auf jeden Fall wird man feststellen, dass bei Stimmführung in weiten Intervallabständen, mit wenig Füllstimmen, die grössten Schwierigkeiten entstehen und die dynamische Ausgewogenheit besonders wichtig ist.

Eine Erscheinung, die Musiker unbedingt verstehen sollten, ist von Psychologen bereits eingehend erforscht worden. Ich will sie als «Verschiebung der wahrgenommenen Tonhöhe» oder kurz als «Tonhöhenverschiebung» («pitch drift») bezeichnen. Bevor wir uns damit befassen, zwei Definitionen:

a) «Frequenz» ist die objektive Erscheinung messbarer, vom Instrument erzeugter Wellenberge. Sie sind mit einem Zählgerät oder Stroboskop darstellbar.

b) «Tonhöhe» ist unsere subjektive Interpretation der wahrgenommenen Frequenz.

Es ist nun beobachtet worden¹, dass wir mit zunehmender Lautstärke (Amplitude) eines gegebenen Tones einen Abfall der Tonhöhe wahrnehmen. So entsprach die subjektive Empfindung des Verfassers bei einer Lautstärkezunahme von 50 db auf 100 db auf A = 440 Hz einer Erniedrigung um 2/3 eines Halbtons (gemessen in kontrollierter Umgebung, mit einem generatorerzeugten Sinuston-A und einem Stroboskop als Kontrolle).

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