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Blechbläserische Forschung an der Universität von Surrey

Akustik, Material, Bohrung und Spielerwahrnehmung verbinden sich in Surrey mit den praktischen Bedingungen des Blechblasens.
Blechbläserische Forschung an der Universität von Surrey

Der Verfasser mit Mikrophonsonden während eines Experimentes zu Lippenbewegungen

Die Gruppe für musikalische Akustik an der Universität von Surrey wurde 1974 gegründet und ist die einzige Institution dieser Art in unserem Land. In Zusammenarbeit mit Gönnerfirmen wie Boosey & Hawkes Ltd., Paxmans Ltd. und dem Science Research Council erforschen wir gegenwärtig die Akustik von Hörnern, Trompeten und Posaunen.

Die zur Zeit fünfköpfige Gruppe besteht aus Mitgliedern der Institute für Physik und Psychologie und ist keine Vereinigung von Schreibtischgelehrten, da wir alle auch begeisterte Bläser sind: Dr. John Bowsher war professioneller Baßposaunist in Kanada, koordiniert die Arbeit unserer Gruppe, lehrt an der Universität und findet daneben irgendwie noch Zeit, in halbprofessionellen und anderen Orchestern mitzuspielen. Peter Watkinson wirkt als Kornettist in lokalen Brass Bands. Ich selber betätige mich als Trompeter in professionellen Ballettorchestern und bin auch mal in einer Bigband anzutreffen.

Dr. Peter Simpson und Dr. Richard Shepherd arbeiten am psychologischen Institut über musikalische Klangwahrnehmung und die Beurteilung von Instrumenten durch ihre Spieler. Auch verschiedene frühere Mitglieder waren auf diesem oder jenem Gebiet musikalisch aktiv.

Vertrautheit mit beiden Disziplinen ist erforderlich, wenn es darum geht, die Beziehungen zwischen dem Können des Spielers und der Qualität des Instrumentes zu deuten. Um z. B. das akustische Verhalten von Blechblasinstrumenten zu verstehen, gilt es die Einflüsse von Form, Material und Luftströmung im Rohr zu erforschen. Psychologische Faktoren treten hinzu, wenn untersucht werden soll, wie ein Bläser seine eigene Leistung bewertet und verbessert und wie er ein Instrument beurteilt.

Teil der computergesteuerten Anlage für Messungen an Instrumenten

Teil der computergesteuerten Anlage für Messungen an Instrumenten

Die bereits geleistete Forschungsarbeit ist beträchtlich. Eine der ersten Maßnahmen war der Versand eines Fragebogens an sämtliche Posaunisten im Raum London. Dies ergab wertvolle Aufschlüsse darüber, welche Marken und Typen von Instrumenten in den verschiedenen Musikgattungen verwendet wurden. Viele Bläser steuerten nützliche Bemerkungen über ihre Instrumente bei.

Nach Auswertung der eingegangenen Information wurden Tests entwickelt und an Berufsmusikern erprobt. Zu diesem Zweck mußten sich die «Opfer» Augenbinden und dicke Handschuhe überziehen lassen, so daß keine vorgefaßten Meinungen ihr Urteil über die uns interessierenden Aspekte — Spielgefühl und Klang — beeinflussen konnten. Ähnliche Studien auf Grundlage unserer Ideen werden zur Zeit in der Tschechoslowakei begonnen.

Diese Tests ergaben eine Reihe von Bewertungsmaßstäben, die uns erlaubten, ein Instrument in wissenschaftlicher Weise zu charakterisieren.

Als Wissenschafter wollten wir die Instrumente auch als akustische Systeme, unabhängig vom Spieler, erforschen. Haben Instrumente Eigenschaften, die sich in reproduzierbarer Weise messen lassen? Von Conn Ltd. und anderen in den 1940er und 1950er Jahren durchgeführte Arbeiten legten nahe, daß die Messung der akustischen Eingangsimpedanz bezüglich Intonation, Klang und Spielgefühl Aufschlüsse geben konnte. Die Resultate der damaligen Arbeiten waren infolge der Beschränktheit der technischen Mittel recht ungenau.

Die Gruppe in Surrey war sich deshalb einig, daß brauchbare Resultate nur dann erhalten werden konnten, wenn eine große Zahl von Instrumenten weit genauer als je zuvor ausgemessen wurde.

Der Begriff der akustischen Eingangsimpedanz wurde 1919 von A. G. Webster eingeführt, der ihn auf die Eigenheiten von Luftsäulen innerhalb von Phonographen-Trichtern anwandte. Diese Messgröße ist nützlich, da sie exakte Auskunft über die Resonanzfrequenzen des Instrumentes gibt, welche ihrerseits zur Berechnung der Frequenzen (Tonhöhen) verwendet werden können, die das Instrument spielt.

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Brass Bulletin 36, IV / 1981 Seiten 8–17

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