Brass Bulletin 36, IV / 1981 (Seite 18–25) · 2 Min. Lesezeit
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Gleichzeitiges Spielen und Singen auf Blechblasinstrumenten

Teil 2

Von Benny Sluchin

Von der Klangerzeugung bis zum zeitgenössischen Repertoire erweist sich gleichzeitiges Blasen und Singen als anspruchsvolle Erweiterung der Blechblastechnik.
Gleichzeitiges Spielen und Singen auf Blechblasinstrumenten

3. Technik

Die Methode der gleichzeitigen Erzeugung geblasener und gesungener Töne ist keine Hexerei und lässt sich in Kürze wie folgt erklären. Während des Blasens wird der dazu erforderliche Luftstrom auch dazu benutzt, die Stimmbänder in Schwingung zu versetzen. Dabei beginnt man mit dem einen Vorgang allein und lässt den anderen dazutreten. Dies ist auch ohne Instrument, nur durch «Surren» mit den Lippen möglich.

Wenn sich der Spieler das Gefühl dafür angeeignet hat, sollte er dazu übergehen, verschiedene Intervalle zu erzeugen. Er wird dann feststellen, dass die Lippenspannung nicht verändert zu werden braucht, um die gesungene Tonhöhe zu ändern: letztere hängt nur von den Stimmbändern, nicht aber vom geblasenen Ton ab. Einiges konzentrierte Üben ist erforderlich, um diese Klangerzeugung zu beherrschen und die erwähnte Unabhängigkeit zur Geltung zu bringen.

Erklingen die beiden Töne gleichzeitig, so werden zusätzliche Töne erzeugt (vgl. Kapitel 5), sodass eine Klangballung entsteht. Der Spieler sollte fähig sein, das Intervall auf Anhieb genau zu treffen. Er muss deshalb beide Tonhöhen schon im Voraus im Ohr haben.

Unstabile Intervalle erfordern viel Zwerchfellstütze, um eine gleichmässige Klangerzeugung zu gewährleisten. Diese Technik funktioniert auf dem Horn und der Posaune gut, auf der Trompete passabel und auf der Tuba sehr gut. Dies hängt mit dem Vorkommen hoher Obertöne im Klang zusammen und mit dem Verhältnis der Stimmlage des Instrumentes zu derjenigen der Singstimme. Davon hängt ab, ob die erzeugten Töne klar vernehmbar sind und sich die Stimme in den Instrumentalklang einfügt. Die Grösse des Instrumentes und seines Schallstücks ist für die Verstärkung der Singstimme wichtig.

Einige Probleme können aus der Stimmlage erwachsen. Viele Komponisten tragen den Grenzen der durchschnittlichen Singstimme (vor allem nach unten) zu wenig Rechnung, wie auch den zahlreichen Bläserinnen, die nach Notbehelfen suchen müssen, wo sie die vorgeschriebenen Töne nicht singen können.

An dieser Stelle ist zu begründen, weshalb wir den für diese Technik oft gebrauchten Begriff «Mehrklang» vermeiden. «Mehrklänge» oder «Mehrfachklänge», zuerst bei Holzblasinstrumenten bekannt geworden¹⁸, sind rein instrumentale Klänge, d.h. ihr Ursprung ist der normale Klangerzeuger des Instrumentes (was nicht ausschliesst, dass sie, nach herkömmlichen ästhetischen Kriterien, auch «unrein» sein können). Mehrklänge auf Blechblasinstrumenten sind möglich und akustisch ähnlich, doch instabil. Da sich die hier besprochene Technik davon grundsätzlich unterscheidet, sprechen wir lieber von «gleichzeitigem Blasen und Singen». Auch der den Streichern entlehnte Begriff «Doppelgriff» («double stop») kommt in der Literatur vor.

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