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ARD-Musikwettbewerb in München 1986
Wieder Trompete nach sechs Jahren
Von Edward H. Tarr
Reinhold Friedrich, Urban Agnas, George Vosburgh
Beim 34. Internationalen Musikwettbewerb der Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland fand wieder ein Trompetenwettbewerb statt. Er wurde zwischen dem 3. und 12. September 1986 in München ausgetragen.
Der ARD-Wettbewerb hat einen besonders guten Ruf unter den internationalen Wettbewerben. Nach meiner Meinung gibt es drei Gründe dafür: 1) Es gibt im ganzen vier Durchgänge, so dass die Kandidaten, die weiterkommen, reichlich Gelegenheit bekommen, ihr Können zu demonstrieren. 2) Das Bewertungssystem durch eine international zusammengesetzte Jury ist unparteiisch und nicht manipulierbar. 3) Die Kandidaten werden überwiegend auf Grund musikalischer und erst in zweiter Linie technischer Eigenschaften bewertet. Die Bewertungskriterien: Technik, musikalische Darbietung und künstlerische Persönlichkeit.
Dieses Jahr bestand die Jury aus Ludwig Güttler (DDR), Stefan Hadrys (Polen), Paul Lachenmeier (BRD), Bo Nilsson (Schweden), Joachim Pliquett (BRD), Edward H. Tarr (USA) und Guy Touvron (Frankreich). Der Vorsitzende (und Nichttrompeter) war Gerd Starke (BRD). Der ursprünglich angekündigte Timofei Dokshitser (UdSSR) sagte wegen Krankheit ab.
1986 spielten von 68 angemeldeten Kandidaten (ungefähr das Doppelte von 1980!) 47 Teilnehmer aus folgenden Ländern in der 1. Runde: USA (8 Teilnehmer), BRD (7), Frankreich (6), Japan (5), Kanada, Belgien (je 4), Schweden (3) sowie Dänemark, Grossbritannien, Italien, Luxemburg, Österreich, Polen, Spanien, Taiwan und der Tschechoslowakei (je 1 Teilnehmer). Pflichtstück war das Hummel-Konzert in der Originaltonart E-dur (I. und II. Satz), als zweites Stück hatte man die Wahl zwischen R. Hendersons «Variation Movements» und R. Emigs «Thema und Variationen». Die Stücke mussten ohne Pause hintereinander gespielt werden, die Reihenfolge war frei. Emig war viel leichter als Henderson und wurde von nur vier Kandidaten gewählt, von denen keiner übrigens in die 2. Runde kam.
Die Bedingung, das Hummel-Konzert in E statt in der leichteren (aber inkorrekten) Tonart Es zu spielen, scheint die Fantasie der Teilnehmer, aber auch der Instrumentenbauer, stimuliert zu haben. Nicht weniger als sechs verschiedene Trompetenstimmungen tauchten auf: E (26 mal, davon 14 aus Chicago und 5 aus Hamamatsu), D (9), C (9) sowie H, B und A (je 1 mal). Die E-Trompeten sind überwiegend verlängerte F-Trompeten (19 Fälle) statt verkürzte Es-Trompeten (5) gewesen. Etwa die Hälfte der E-Trompeten-Spieler hatte grosse Probleme mit der Intonation. Daher überrascht es nicht zu erfahren, dass proportionell mehr Kandidaten weiterkamen, die auf grösseren Trompeten bliesen: 6 aus 26 bei der E-Trompete, aber 6 aus 21 bei den Trompeten in D (2), C (3) und H (1). Die H-Stimmung schien am glücklichsten zu sein: nicht nur greift man F-dur, sondern man hat alle klanglichen Schattierungen, die eine grössere Trompete eben bietet. Der junge Mann, der als Einziger auf der H-Trompete (C-Trompete mit einem verkürzten B-Mundrohr und -stimmzug) spielte, ist denn auch der Gewinner des 2. Preises geworden ... aber darüber später. Die A-Trompete, die vorgeführt wurde, war eine deutsche B-Trompete mit verlängerten Zügen und klang sehr muffig.
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Brass Bulletin 56, I / 1986 Seiten 7–11
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