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Kennen Sie George Swift?
Von Michel Laplace
George Swift
Vor 10 Jahren erzählte mir Marcel Damant von einem ausserordentlichen Techniker der Trompete: George Swift. Anfang 1986 verstarb dieser Künstler und hinterliess viele Legenden, die aus einem Mangel an Information gesponnen worden sind. Glücklicherweise hatte ich Kontakt mit ihm aufgenommen als er in Marbella (Spanien) wohnte, und er vertraute mir eine Kassette mit seiner Lebensgeschichte an.
In Frankreich kennt man George Swift dank einer 78 Touren-Platte Odeon 279.083, die um 1936 erschien und im Radio gesendet wurde. Der Trompeter, nur am Klavier begleitet von Alec Templeton, interpretiert die «Airs Bohémiens» von Pablo de Sarasate und seine eigene Komposition «Sonia» (zwar Templeton zugeschrieben) die seiner Tochter gewidmet ist. Die unglaubliche Technik von Swift beeindruckte einige Kenner. Bis dorthin existierte die «konzertierende Trompete» eigentlich nicht. Überall spielte man entweder das Kornettrepertoire, im übrigen gut vertreten zu Swifts Zeit durch Jack Mackintosh und Harry Mortimer in seinem Lande, oder den Jazz, der damals zweifelsohne von Louis Armstrong dominiert wurde. Immerhin tauchte noch ein anderer Britte zu jener Zeit am Horizont auf (1935) der das 2. Brandenburgische Konzert von Bach (mit Adolf Busch) und zwei Sätze des Haydn-Konzertes aufnahm (1938 in Frankreich herausgegeben auf 78 Touren Columbia DX 933): George Eskdale.
Eskdale und Swift sollte das historische Privileg zufallen, ein solistisches Konzept für die Trompete zu entwickeln. Beide kamen aus der Brass-Band-Szene und hatten mit dem Jazz Kontakt gehabt. Swift wurde in South Shields in Nordengland 1911 geboren. Sein Vater blies Kornett in einer Brass Band, der Bolden Colliery. Daher beschloss Swift im Alter von 10 Jahren, Kornett zu blasen, und 5 Jahre später trat er in die berühmte St. Hilda Brass Band ein. Er spielte so alle «Klassiker» des Repertoires als Solist: «Zelda», «Cleopatra» und «Pretty Jane». Er soll sogar an der nationalen Ausstellung in Kanada (in Toronto) teilgenommen haben mit diesem professionell gewordenen Ensemble. Swift wurde daraufhin in einem von Bobby Hines dirigierten Tanzorchester engagiert, mit welchem er Tourneen in Deutschland und der Schweiz unternahm. Zu jener Zeit heiratete er Elfriede, der er ein Trompetensolo widmete. Im gleichen Genre der Musik bleibend trat er anschliessend in Deutschland ins Orchester von Bernhard Ette ein (1932 bis 1934). In Berlin erhielt er dann ein Telefonanruf des berühmten Dirigenten Jack Hylton. So wurde er in dessen sehr populäres Tanzorchester als Solotrompeter engagiert, und zwar bis zum 2. Weltkrieg.
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Brass Bulletin 55, III / 1986 Seiten 69–73
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