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Jabbo Smith
Der verkannte Jazz-Trompeter
Von Michel Laplace
Jabbo Smith
Seine phantastische Technik übertraf sogar jene von Louis. Wie kritisierten uns oft gegenseitig, und wir warfen ihm vor, im Ensemble zu ungestüm zu sein. Wir nahmen Jabbo nach New York mit, und man erzählte, dass Roy Eldridge von seiner Technik sehr beeinflusst wurde.»*¹
Dies erzählt der Saxophonist Benny Waters über einen Musiker, den 1968 von Gunther Schuller entdeckt wurde² und der gegenwärtig Gegenstand von Untersuchungen ist³.
Dieses plötzliche Interesse kommt zu spät, als dass Cladys «Jabbo» Smith nich davon profitieren könnte — vor allem, weil er im Sommer 1983 aufgehört hat, zu spielen.
Wie wir früher schon angaben⁴ gehört Jabbo zur zweiten Welle von Jazzmusikern der «klassischen Periode». Er wurde in Pembroke, Georgia, am 24. Dezember 1908 geboren. Als Waise wurde er mit 6 Jahren ins Waisenhaus Jenkins in Südcarolina gegeben. Dort begann er, Cornett, Trompete und Posaune zu spielen. (Manchmal blies er auch Mellophon und Basstrompete.) Ersten Unterricht erhielt er offenbar von Gus «Rice» Aiken, einem bekannten Schüler von Johnny Dunn.
Jabbo verdiente also seine ersten Sporen im Orchester jener Institution ab, welche er 1924 verliess. Er wurde dann bemerkt vom Pianisten und Orchesterleiter Charlie Johnson, für den er von Herbst 1925 bis Anfang 1928 arbeitete. Diese Formation wurde berühmt in New York, im Small Paradise — dort hörte Bill Coleman Jabbos Spiel und war sehr beeindruckt⁵. Nach der Aussage von Benny Waters¹ scheint es, dass Jabbo als Nichtmitglied der Gewerkschaft Schwierigkeiten hatte, unterzukommen. Das erklärt, warum er in New York ausser den Platten mit Charlie Johnson weit unter seinem Niveau beschäftigt war. Jabbo, sehr erfinderisch, konnte sich schon damals von einer Aufnahme zur anderen eines Stückes völlig erneuern (Bsp. 1).
Beispiel 1
“You ain’t the one” — Charlie Johnson’s Paradise Orchestra — January 24, 1928
Jabbo’s chorus (entry)
take - 1
Beispiel 1
“You ain’t the one” — Charlie Johnson’s Paradise Orchestra — January 24, 1928
Jabbo’s chorus (entry)
take - 2
Eine der seltenen Aufnahmen, die er ausserhalb seines Arbeitgebers machte, verrät aufs Beste sein Talent: Duke Ellington engagierte ihn, um eine zweite Fassung der «Black & Tan Fantasy» aufzunehmen (November 1927).
Der Kritiker J.P. Daubresse berichtet, dass Duke Jabbo eine Stelle in seinem Orchester anbot, die jener aber ablehnte, da er bei Johnson besser verdiente. Eine von der Revue «Keep Shufflin’» organisierte Tournee führte ihn 1928 nach Chicago. Sofort folgte er auf Louis Armstrong bei Carroll Dickerson — eine gute Referenz, aber auch der Beginn eines Missverständnisses. Tatsächlich war er, dank seiner guten Technik eben fähig, alles zu spielen, durch seinen Vertrag gezwungen, möglichst wie Armstrong zu spielen. Das war der Fall bei seiner Verpflichtung für die Firma Brunswick 1929, und die übliche Kritik damals tat ihn als Nachahmer ab, ohne sich weiter um ihn zu kümmern. Trotzdem sind diese Platten für Brunswick historisch wichtig.
Wohl erfüllt er seinen Vertrag, der ihn in den Vokalpassagen und einigen Trompetenphrasen zwingt, Louis zu imitieren — aber wer zuhört, wird trotzdem seine Eigenart wiedererkennen. Sein Stil basiert auf der Schnelligkeit der Ausführung und der Ausnützung des ganzen Registers des Instruments.
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Brass Bulletin 49, I / 1985 Seiten 47–50
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