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Das Verständnis des Mundstückes
Von John Stork
John Stork
Der erste Schritt zum Verständnis der Mundstücke ist die Klarheit über die Rolle, die diese zu spielen haben.
Das Mundstück ist jener flexible Teil, der eine Anpassung der Schwächen und physischen Eigenschaften des Spielers an sein Instrument ermöglicht. Das Mass der erfolgreich übertragenen Lippenschwingungen des Spielers entscheidet über die Qualität des Spiels. Das Instrument ist vor allem ein Verstärker der vom Mundstück empfangenen Schwingungen. Natürlich leitet das Instrument die Schwingungen weiter, aber das Mundstück bestimmt ihre Beschaffenheit. Aus diesem Blickwinkel gesehen wird das Mundstück der wichtigste Teil in der Ausrüstung eines Blechbläsers, unmittelbar nach den Fähigkeiten und dem Talent des Spielers.
Natürlich kann kein Mundstück einen völlig untalentierten Menschen zum Spielen bringen, aber ein ungeeignetes Mundstück kann sicherlich sogar den talentiertesten Spieler von einer erfolgreichen Karriere abhalten.
Ich habe viele offensichtlich talentierten Spieler kämpfen gesehen mit Aspekten ihres Spiels, da sie Mundstücke besassen, die entweder ihnen nicht passten, oder einfach ihnen oder ihrem Instrument nicht angepasst waren. Häufig erfreut sich diese Art Spieler wegen eines Naturtalentes eines gewissen Erfolges. Was immer diese Art Spieler nicht natürlich tun kann, akzeptiert er als sein persönliches Handicap.
Abwägung physischer und mechanischer Gesichtspunkte
Solche Bläser sind oft dazu erzogen, dass Blechbläserprobleme nur durch eine Korrektur des Ansatzes oder anderer, ausschliesslich physischer Gegebenheiten gelöst werden können. Unglücklicherweise wird diese Ansicht häufig begleitet von der Überzeugung, dass Mundstückversuche vor allem Spielerei und Zeitverlust sind. Man macht es sich zu einfach, wenn man nur den Glauben ans Wundermundstück belächelt. Es ist nämlich genauso lächerlich, jemandem bei der Ansatzänderung zuzusehen während er in einen Spiegel starrt und sein Gesicht zu einer unnatürlichen Grimasse verzieht, die ihm irgend ein Ansatzspezialist gerade als der Weisheit letzten Schluss aufgeschwatzt hat. So wie es keinen allein seligmachenden Ansatz gibt, gibt es auch kein Mundstück das für alle gleich gut funktionieren kann. Es ist für einen fortgeschrittenen Spieler mit gutem Ansatz in der Tat sinnvoller, verschiedene Aspekte seines Spiels auszuprobieren und zu korrigieren durch Mundstückwechsel.
Der Gebrauch eines anderen Mundstückes kann die Zahnstellung verändern, die Zungenstellung modifizieren und auch der Ansatz selbst wird je nach Wunsch des Spielers mehr oder weniger komprimiert sein. Diese Veränderungen werden vor allem unbewusst erfahren, als natürliche Folge des Mundstückwechsels. Jeder, der einmal den Ansatz geändert hat, weiss, wie unkomfortabel man sich fühlt, wenn man eine der obengenannten Gegebenheiten durch bewusste Anstrengung verändern will. Damit soll nicht behauptet werden, dass ein Mundstück alle Probleme lösen kann.
Hingegen ist es so, dass Mundstückversuche unverdientermassen nicht als seriöse Alternative zur Problemlösung anerkannt sind.
Leider werden Mundstückversuche auch weiterhin einen schlechten Namen haben, bis die Leute besser informiert sind über die tatsächliche Funktion eines Mundstückes.
Stork Mundstücke
Was nun spielt zum Verständnis des Mundstückes eine Rolle?
Genaue Informationen über Mundstücke sind wegen der Komplexität der Materie so schwierig zu erhalten. Ein Mundstück hat neun wesentliche Eigenschaften, die sein Spiel beeinflussen. Wie jede dieser Eigenschaften einzeln funktioniert und wie sie sich bei Veränderungen zueinander verhalten lernt man nur durch jahrelanges Studium. Hat man diesen Aspekt einmal im Griff, muss man eine grosse Zahl veränderlicher Daten respektieren, die die individuelle Charakteristik jedes Spielers darstellen. Diese Art Kenntnis erwirbt man sich nur durch Erfahrung.
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Brass Bulletin 55, III / 1986 Seiten 64–68
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