Brass Bulletin 23, III / 1978 (Seite 55–64) · 6 Min. Lesezeit
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Die Kontrabassposaune

Bild — Abriß unter besonderer Berücksichtigung der bautechnischen Aspekte (1973)

Teil 2 – Ende

Von Heinrich Thein

Einblick in die Werkstatt: Heinrich Thein zeigt, wie durchdachte Konstruktion jedes Details den Kontrabassposaunenbau grundlegend erneuert.
Die Kontrabassposaune

II. Bautechnische Aspekte

2.1. Modell-Konstruktion

Am Anfang einer Instrumentenanfertigung steht immer die Zeichnung. Sei es die Ideenskizze als Vorstufe einer eigenen Konstruktion, oder die Hand- oder Werkstattzeichnung eines bewährten Modells. Bei der vorliegenden Kontrabaßposaune handelt es sich um eine Neukonstruktion des Verfassers, Heinrich Thein, auf der Grundlage eines bewährten Modells. Dieses bestehende Modell ist die Kontrabaßposaune des Heinrich Kull, Witzenhausen. Seine Instrumente sind in den europäischen Kulturorchestern verbreitet und werden vor allem wegen ihrer guten Stimmung gerühmt (Ill. 1).

 

1. 

Bei Prüfung des Instrumentes und der Zeichnung und in Diskussion mit Kontrabaßposaunisten stellten sich Mängel an der Konstruktion heraus: Ungünstige Lage der übereinander und nach oben stehenden Ventile. Sehr lange Wege in der Daumenhebelmechanik. Schlechte Ansprache des Instrumentes bei betätigten Ventilen und verschiedene Bogen, aus denen sich das Kondenswasser nur mit Mühe entfernen läßt. Diese Mängel an der Kull'schen Konstruktion sind bei der Neukonstruktion sämtlich abgestellt (Ill. 2).

Die Ventile wurden nebeneinandergelegt und nach unten gedreht. Sie werden über eine stabile Daumenhebelmechanik mit sehr kurzem Weg bedient.

Der Stimmzug wurde so gelegt, daß er bequem in Spielhaltung gezogen werden kann, außerdem fängt sich in ihm das Kondenswasser der Hauptrohrlänge.

Die Teillängen sind in möglichst geraden Strecken und Rundbögen untergebracht, damit die schwingende Luftsäule durch keine engen Bogenstellen behindert wird. Die Rundbogenform verbessert erwiesenermaßen die Ansprache. Konsequenterweise sind alle in diesem Modell vorkommenden Bogen als strenge Rundbogen gebaut worden.

Das «Eingeweide» ist so gelegt, daß sich alles Kondenswasser in zwei handlichen Bogen fängt, die gleichzeitig als Feinstimmer für die Teillängen dienen. Auf einen Quersteg wurde nicht nur aus Gewichtsgründen ganz verzichtet. Das Schallstück liegt sehr frei, was nach den neuesten instrumentenbautechnischen Erkenntnissen wesentlich zu einer verbesserten Ansprache beiträgt.

2.2. Grundstimmung

Die Diskussion um die Grundstimmung des Instrumentes endet mit der Festlegung der Hauptrohrlänge und der Teillängen für das Eingeweide. Die Hauptrohrlänge beträgt 364 cm, davon 198 cm Zug. Das Tief-B-Ventil ist 191 cm lang, das Es-Ventil 45 cm. Das vorliegende Instrument ist auf hohe Orchesterstimmung a' = 445 Hz eingestimmt.

2.3. Das Schallstück (komplett)

2.3.1. Der eigentliche Bau der Posaune beginnt mit der Zurichtung des Rohschallstückes. Der Rohling wurde bei der Fa. Meinl & Lauber, Geretsried, nach dem Baumuster H. Kull, Witzenhausen, bestellt. Das Material ist Goldmessing mit französischem Rand. Der Rohling wird in der Mensur geprüft, ausgerieben, von Länge geschnitten, geschlichtet, geschliffen und vorpoliert (Ill. 3).

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