Brass Bulletin 43, III / 1983 Seite 10–17 · 7 Min. Lesezeit

Der vorzeitige Tod der Ophikleïde

Einst in französischen Orchestern etabliert, wich die Ophikleïde der Tuba – ein Verlust, den Institutionen und Repertoire ebenso prägten wie ihr Klang.
Der vorzeitige Tod der Ophikleïde

Das letzte und schönste Glied der Instrumentenfamilie, die man als «Klappenhörner» bezeichnet, war die Ophikleïde. Während des grössten Teils des letzten Jahrhunderts war sie als Bass sehr beliebt.

Das Bassinstrument in C ist ungefähr 105 Zentimeter hoch und besteht aus zwei parallelen Rohren, das eine breit, das andere schmal, die am unteren Ende ineinander übergehen. Der obere Teil des grossen Rohrs mündet in eine Stürze, während das schmale mit einem Stimmbogen versehen ist, der die Form eines Rings oder einer Ellipse haben kann. Daran schliesst sich ein Mundstück, das demjenigen eines Euphoniums ähnelt. Gleichmässig über die Rohre verteilt befinden sich neun bis zwölf Klappen.

Die meisten Modelle sind aus gelbem Blech, aber auch rotes Blech und versilberte Instrumente sind bekannt. Gelegentlich trifft man Instrumente aus Holz, die dann gewöhnlich Serpentkleide genannt werden.

Die Ophikleïde wurde 1817 vom Franzosen Halary erfunden und dann in England und Frankreich ständig verbessert. 1860 liessen MacFarlane, Newton und Carte ihr Modell mit offenen Klappen patentieren. Um 1880 kam es in Frankreich bereits aus der Mode, überlebte jedoch für eine Weile noch in England.

Es ist interessant, Vermutungen darüber anzustellen, weshalb das Instrument nicht integrierter Bestandteil der Militär- und Orchestermusik blieb.

Dabei muss zuerst die zeitgenössische Kritik der Ophikleïde berücksichtigt werden und die Frage, ob diese Probleme wirklich nicht zu bewältigen waren.

I. Intonation

In der Vergangenheit nahm man immer an, die Intonation sei der grösste Mangel der Ophikleïde, eine Annahme, welche die Sensibilität der viktorianischen Musiker und ihres Publikums lächerlich macht. Ein gutes Instrument, gespielt von einem guten Musiker, klang auch gut. Alan Lumsden und andere haben dies kürzlich wieder bewiesen. Der Beifall, der Ponder, Prospère, Caussinus und Hughes gezollt worden ist, kann kaum durch Bedenken betreffs Intonation abgeschwächt werden. Das gilt allerdings nicht für die Solisten auf den ersten Instrumenten ohne Kompensationsvorrichtungen.

II. Klangfarbe

Es ist bemerkenswert, dass die meisten abschätzigen Bemerkungen über diesen Aspekt der Ophikleïde nach ihrem Verschwinden geschrieben wurden und zwar von Leuten, die sie vermutlich gar nie hörten.

Dieses Instrument war früher sehr beliebt, ist aber langsam und zu Recht aus der Mode gekommen, da seine krächzenden und falschen Töne gelinde gesagt sehr unangenehm sind. Im Orchester mag es als Ersatz für die Bass-Posaune dienen, aber als Solo-Instrument wäre es abscheulich.

Dies schrieb Professor Kling 1902 in der amerikanischen Ausgabe seines Buches «Modern Orchestration and Instrumentation». Die Bass-Tuba jedoch schätzte er sehr:

Dieses riesige Instrument hat die Ophikleïde vortrefflich ersetzt.

Berlioz’ Bemerkung über den Bullen, der aus seinem Stall entwichen sei (in der Bennet Ausgabe der Abhandlung) nimmt mehr die zeitgenössischen Opernkomponisten aufs Korn, die auf schnellen Solo-Passagen für die Ophikleïde beharrten, als die Klangfarbe dieses Instrumentes.

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