Machen Sie Brass Bulletin an Ihrer Hochschule, Ihrem Konservatorium oder Ihrer Bibliothek verfügbar Institutionellen Zugang entdecken

7 Min. Lesezeit

Der vorzeitige Tod der Ophikleïde

Einst in französischen Orchestern etabliert, wich die Ophikleïde der Tuba – ein Verlust, den Institutionen und Repertoire ebenso prägten wie ihr Klang.
Der vorzeitige Tod der Ophikleïde

Das letzte und schönste Glied der Instrumentenfamilie, die man als «Klappenhörner» bezeichnet, war die Ophikleïde. Während des grössten Teils des letzten Jahrhunderts war sie als Bass sehr beliebt.

Das Bassinstrument in C ist ungefähr 105 Zentimeter hoch und besteht aus zwei parallelen Rohren, das eine breit, das andere schmal, die am unteren Ende ineinander übergehen. Der obere Teil des grossen Rohrs mündet in eine Stürze, während das schmale mit einem Stimmbogen versehen ist, der die Form eines Rings oder einer Ellipse haben kann. Daran schliesst sich ein Mundstück, das demjenigen eines Euphoniums ähnelt. Gleichmässig über die Rohre verteilt befinden sich neun bis zwölf Klappen.

Die meisten Modelle sind aus gelbem Blech, aber auch rotes Blech und versilberte Instrumente sind bekannt. Gelegentlich trifft man Instrumente aus Holz, die dann gewöhnlich Serpentkleide genannt werden.

Die Ophikleïde wurde 1817 vom Franzosen Halary erfunden und dann in England und Frankreich ständig verbessert. 1860 liessen MacFarlane, Newton und Carte ihr Modell mit offenen Klappen patentieren. Um 1880 kam es in Frankreich bereits aus der Mode, überlebte jedoch für eine Weile noch in England.

Es ist interessant, Vermutungen darüber anzustellen, weshalb das Instrument nicht integrierter Bestandteil der Militär- und Orchestermusik blieb.

Dabei muss zuerst die zeitgenössische Kritik der Ophikleïde berücksichtigt werden und die Frage, ob diese Probleme wirklich nicht zu bewältigen waren.

I. Intonation

In der Vergangenheit nahm man immer an, die Intonation sei der grösste Mangel der Ophikleïde, eine Annahme, welche die Sensibilität der viktorianischen Musiker und ihres Publikums lächerlich macht. Ein gutes Instrument, gespielt von einem guten Musiker, klang auch gut. Alan Lumsden und andere haben dies kürzlich wieder bewiesen. Der Beifall, der Ponder, Prospère, Caussinus und Hughes gezollt worden ist, kann kaum durch Bedenken betreffs Intonation abgeschwächt werden. Das gilt allerdings nicht für die Solisten auf den ersten Instrumenten ohne Kompensationsvorrichtungen.

II. Klangfarbe

Es ist bemerkenswert, dass die meisten abschätzigen Bemerkungen über diesen Aspekt der Ophikleïde nach ihrem Verschwinden geschrieben wurden und zwar von Leuten, die sie vermutlich gar nie hörten.

Dieses Instrument war früher sehr beliebt, ist aber langsam und zu Recht aus der Mode gekommen, da seine krächzenden und falschen Töne gelinde gesagt sehr unangenehm sind. Im Orchester mag es als Ersatz für die Bass-Posaune dienen, aber als Solo-Instrument wäre es abscheulich.

Dies schrieb Professor Kling 1902 in der amerikanischen Ausgabe seines Buches «Modern Orchestration and Instrumentation». Die Bass-Tuba jedoch schätzte er sehr:

Dieses riesige Instrument hat die Ophikleïde vortrefflich ersetzt.

Berlioz’ Bemerkung über den Bullen, der aus seinem Stall entwichen sei (in der Bennet Ausgabe der Abhandlung) nimmt mehr die zeitgenössischen Opernkomponisten aufs Korn, die auf schnellen Solo-Passagen für die Ophikleïde beharrten, als die Klangfarbe dieses Instrumentes.

Weiterlesen

Erhalten Sie vollständigen Zugang zur digitalen Ausgabe.

Brass Bulletin 43, III / 1983 Seiten 10–17

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1983–2026

Artikel teilen

Facebook LinkedIn
Wird geladen…

Fragen und Antworten

So funktioniert die digitale Ausgabe

Was enthält die digitale Ausgabe?

Die digitale Ausgabe vereint die bereits digitalisierten Artikel als lesbare und durchsuchbare Online-Texte – nicht nur als Scans oder PDF-Dateien – mit ihren ursprünglichen Abbildungen, Anmerkungen, Angaben zu Autoren und Ausgaben sowie den verfügbaren Übersetzungen. Empfehlungen verwandter Artikel umfassen derzeit nur dieses digitalisierte Material.

Sind die digitalen Artikel mit den Originalen identisch?

Wir bewahren den ursprünglichen Text, die Sprache, Abbildungen, Bildlegenden, Fußnoten und den redaktionellen Kontext so originalgetreu wie möglich. Die Darstellung wird für ein angenehmes Lesen am Bildschirm angepasst; offensichtliche Übertragungs- oder Scanfehler können korrigiert werden. Inhalt und Charakter des veröffentlichten Artikels bleiben unverändert.

Welche Sprachen sind verfügbar?

Brass Bulletin erschien während seiner gesamten Geschichte auf Englisch, Französisch und Deutsch. Italienische und spanische Übersetzungen kamen ab Ausgabe Nr. 60 hinzu.

Auf der italienischen und der spanischen Website werden die Artikel aus den Ausgaben 1 bis 59 daher standardmäßig auf Englisch angezeigt.

Wie oft werden neue Artikel hinzugefügt?

Neue Artikel werden fast täglich hinzugefügt; ungefähr eine vollständige Ausgabe wird pro Woche digitalisiert. Das Tempo kann je nach erforderlicher Vorbereitung, Bildbearbeitung und redaktioneller Prüfung variieren.

Warum sind noch nicht alle Artikel digital verfügbar?

Die vollständige Sammlung von Brass Bulletin umfasst 1’246 Artikel aus den Jahren 1971 bis 2003. Das vollständige Verzeichnis ist bereits online verfügbar und ermöglicht es, jeden Artikel der Sammlung zu entdecken – auch jene, deren vollständiger Text noch nicht digitalisiert wurde.

Die Digitalisierung begann im Februar 2026. Jeder Artikel wird sorgfältig für die Online-Lektüre aufbereitet, geprüft und mit seiner Ausgabe, den Autoren, Themen und Abbildungen verknüpft. Beim derzeitigen Digitalisierungstempo wird die vollständige Sammlung voraussichtlich bis Februar 2028 online verfügbar sein.

Warum verweisen manche Quellen auf Artikel, die noch nicht verfügbar sind?

Verweise in den Originalartikeln bleiben erhalten, auch wenn das Material, auf das sie hinweisen, noch nicht digitalisiert wurde. So bleiben die historischen und redaktionellen Zusammenhänge vollständig erhalten. Mit jeder weiteren digitalisierten Ausgabe werden mehr dieser Verweise zu online lesbaren Artikeln führen.

Kann ich einen Artikel vorschlagen oder einen Übertragungsfehler melden?

Ja. Wenn Sie einen bestimmten Artikel gerne digitalisiert sehen möchten oder einen möglichen Übertragungsfehler beziehungsweise eine fehlende Information entdecken, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Rückmeldungen unserer Leser helfen uns, die digitale Ausgabe zu verbessern und sinnvolle Prioritäten im Archiv zu setzen.

Wie kann ich Brass Bulletin unterstützen?

Ihre Unterstützung hilft, die Aufbereitung, Überprüfung und Online-Veröffentlichung der vollständigen Sammlung zu finanzieren.

Digitalausgabe abonnieren

Möchten Sie uns lieber unterstützen, ohne ein Abonnement abzuschließen?

Spenden

Brass Bulletin durchsuchen.