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Teil 1

Die Kunst des Musikinstrumentenmachers

Methodische Enzyklopädie — Paris 1795

Die Kunst des Musikinstrumentenmachers

1795 erschien in Paris die methodische Enzyklopädie der mechanischen Handwerke und Künste. 1984 retten die Editions Minkoff in Genf den Band IV, der speziell von der Kunst der Instrumentenmacher und Geigenbauer spricht, durch eine Faksimile-Neuausgabe vor dem Vergessen (ISBN 2-8266-0295-0). Der leider anonym gebliebene Autor beschreibt die Instrumente in einer unwiderstehlichen Sprache.

Die Texte, die unsere Instrumente betreffen, werden von dieser Nummer an und in den folgenden Nummern veröffentlicht und mit den Originalbildern des Werkes illustriert werden.

Ausserdem enthält das Buch 36 Seiten «Vokabularium» (S. 150-186). Gewisse Beschreibungen gewinnen in diesem zweihundert Jahre alten Französisch eine ausserordentlich klärende Bedeutung. Sei es, dass gewisse Sinnänderungen der Worte begreiflich gemacht werden, sei es, dass die alten Worte ungleich präziser und richtiger sind als die modernen abgeschliffenen Begriffe. Ein Beispiel:

Trompete: Blasmusikinstrument, bestehend aus einem Mundstück, das kesselförmig ist, zwei Kanälen oder Röhren, die die Luft transportieren und einer Stürze, die die Trompete durch eine ausgebogene Öffnung beendet.

Auszüge 1¹

Die Musikinstrumente sind Geräte, die durch die Kunstfertigkeit des Instrumentenmachers erfunden und gestaltet worden sind, um Töne zu erzeugen, wo die Stimmen ermangeln, oder um die natürliche menschliche Stimme nachzuahmen, oder auch sie zu begleiten und zu verschönern. Es gibt auch Instrumente, die eher lärmig als harmonisch sind, die man für öffentliche Bekanntmachungen verwendet, und andere, die den Truppen bei ihren Märschen und im Kampf Mut einflössen sollen.

Die Musik, die auf dieser Art Maschinen ausgeführt werden soll, heisst Instrumentalmusik.

[…]

2. Die Blasinstrumente, die man mit dem Munde zum sprechen bringt, wie Flöten, Trompeten, Oboen, Fagotte, Serpente usw. oder solche mit Blasbälgen wie Dudelsäcke, sowie die Schalmeien und Luren und die Orgel.

[…]

Wir wollen hier nur bemerken, dass jedes Instrument seinen eigenen Umfang hat, seinen Ausdruck und seinen Charakter, den der Musiker gut kennen muss. Wenn er das Instrument über seinen eigentlichen Umfang hinaus zwingt, macht er es schrill, dumpf oder schreiend.

Musikinstrumente, alte, neuzeitliche, fremde, Blas-, Mundstück-, oder Blatt-Instrumente

Musikinstrumente, alte, neuzeitliche, fremde, Blas-, Mundstück-, oder Blatt-Instrumente

Werkzeuge des Blasinstrumentenmachers

Werkzeuge des Blasinstrumentenmachers

Wenn er den Ausdruck nicht kennt, wird er es nicht in den effektvollsten Gelegenheiten einsetzen. Das Studium des Charakters der Instrumente ist ein sehr wichtiger Teil der Ausbildung eines Komponisten, da sie die Stimmen sind, mittels derer er zu unseren Ohren spricht.

Aber es genügt nicht, jedes Instrument einzeln zu kennen, man muss ausserdem auch die Mischung ihrer Klänge erfahren haben — manchmal genügt ein gut gesetzter Hornton, um tiefste Bewegung des Gemütes zu erzielen.

Es gibt keine Erscheinungen in der Natur, keine Gefühle, keine Leidenschaften im Herzen des Menschen, die man nicht mit Instrumenten wiedergeben könnte, aber nicht alle sind gleich geeignet zu derlei Nachahmungen.

Wenn der Klang der kleinen Flöte streckenweise in der Beschreibung eines Sturms auftaucht, wird diese sehr wahrheitsnahe. Die tiefen und unheilschwangeren Töne der Hörner kündigen auf furchterregende Weise das Herannahen der Gespenster und Schatten an, den Ton der Streicher dagegen muss man manchmal aushalten, manchmal bloss zupfen usw.

Anmerkungen

¹ Die Texte, die wir veröffentlichen, sind folgendermassen kodifiziert: Eingeklammert [ ] steht die Seite, die dem Auszug entspricht, z.B. [23]. Drei Punkte eingeklammert bedeuten, dass Sprünge oder Auslassungen im Text erfolgen […], und zwar Abschnitt- oder Satzweise.

Brass Bulletin 52, IV / 1985 Seiten 57–59

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