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Die Intonationsreinheit auf der Posaune
Von Raymond Fonseque
In BB 32 erinnert Julian Christopher Leuba daran, dass eines der grössten Probleme im Leben eines Musikers die Intonationsreinheit ist. In BB 46 hat Herr Jack Holland eine Einrichtung vorgestellt, die die Höhe der gespielten Töne verändern kann, um den Trompetern damit bei der Lösung dieses Problems zu helfen. Man wird leicht beipflichten, dass die Lösung des Intonationsproblems den Blechblasinstrumenten vielerlei bringt:
- mehr Umfang
- mehr Geschmeidigkeit
- bessere Treffsicherheit
- grössere Ausdauer
Die Herren Leuba und Holland sind Spezialisten des Horns bzw. der Trompete. Ich selbst bin Zugposaunist, und die selben Schwierigkeiten haben mich dazu gebracht, das zu entwickeln, was ich als Lösung dieses unvermeidlichen Problems betrachte: die Intonationsreinheit.
Figur 1 stellt die Serie der Obertöne dar, die z.B. beim Anblasen eines Blechblasinstrumentes entstehen. Diese Gegebenheit geht auf physikalische Gesetze zurück. Dem Musikgehör bringt diese Serie volle Befriedigung, mit Ausnahme der Töne 7 und 11.
Figur 1
| 12 | G | 6 | G |
| 11 | ? | 5 | E |
| 10 | E | 4 | C |
| 9 | D | 3 | G |
| 8 | C | 2 | C |
| 7 | ? | 1 | C |
Unser Gehör empfindet Abneigung gegen diese Ziffern (ausser man gewöhne es daran), die nicht vereinbar mit den Grundziffern 2, 3, 5 sind, welche das Gerüst der ganzen musikalischen Konstruktion ausmachen — was uns sogar zur überraschenden Entwicklung von 24 Tönen pro Oktave führt.
Die musikalischen Grundintervalle folgen der Formel n + 1/n bezogen auf Zweier-, Dreier- und Fünferkombinationen. Fig. 1 stellt eine Häufung solcher Verhältnisse dar. Wir begegnen dann folgenderweise 2/1 (Oktave), 3/2 (Quinte), 4/3 (Quarte), 5/4 (grosse Terz), 6/5 (kleine Terz), 9/8 (Durtonart), 10/9 (Molltonart). Durch Verschieben auf der Naturtonreihe kann man noch 16/15 (Diatonischer Halbton) und 25/24 (chromatischer Halbton) und schliesslich 81/80 (syntonisches Komma) herausfinden.
Es ist nota bene interessant festzustellen, dass eine aufmerksame Betrachtung von Fig. 1 uns auch die häufig gebrauchten Verhältnisse der 5/3 (grosse Sext), 8/5 (kleine Sext) enthüllen, die ebenfalls in 2er, 3er und 5er-Kombination funktionieren. Diese Entdeckung ist zweifellos der Grund für die Erklärung des grossen Theoretikers Jean-Philippe Rameau: «Die Ordnung des Ursprunges und der Perfektion dieser Zusammenklänge wird durch jene der Zahlen bestimmt»: zuerst die Oktave 1-2, dann die Quinte 2-3, die Quarte 3-4, «während die Sexten erst am Schluss zugelassen werden».
Bei der Wiederaufnahme der Arbeiten des berühmten Musikers findet man endlich die Lösung und entsetzt sich auf dem Wege über die geistige Trägheit seiner Nachfolger. Hatte er übrigens welche?
Figur 2
Jean-Philippe Rameau lässt in Fig. 2 eine melodische Reihe (antiken griechischen Ursprungs) mit den Grundtönen des Dur-Geschlechtes zusammenfallen.
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Brass Bulletin 52, IV / 1985 Seiten 47–52
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