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Grundlegende Regeln der Posaunentechnik
Anwendung und Unterricht
Einführung
Gewiss war die wichtigste Persönlichkeit in meinem musikalischen und beruflichen Leben der grosse französische Dirigent Pierre Monteux, den ich als meinen Lehrer bezeichnen möchte. Ich hatte das grosse Glück und Privileg, in den Sommern von 1951-1957 Direktion und Orchesterrepertoire bei ihm studieren zu dürfen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse, zu welcher ich durch ihn kam, war, dass wir alle im Dienste der musikalischen Kunst stehen. Dies wurde zum Leitbild meines musikalischen Lebens.
Die Musik verlangt nach den Diensten von mindestens drei Personen oder Gruppen: Komponisten, Interpreten und Hörer. Der Berufsausbildner hat vor allem die Aufgabe, Interpreten auszubilden. Er wird den Schüler zu jener Selbstdisziplin zu führen versuchen, deren Beherrschung erst gestattet, die Botschaft des Komponisten so frei auszudrücken, als wäre es des Interpreten eigene.
Eine typische Situation im Unterrichtszimmer
Lasst uns zu Beginn die Ausgangslage im Unterricht beschreiben.
Am einen Ende befindet sich die Posaune — ein völlig lebloser Gegenstand, unfähig, einen Ton selbst zu erzeugen, brauchbar nur, um eingegebene Töne zu verstärken und zu leiten.
Dahinter steht ein menschlicher Körper, ein wundervolles Gebilde aus Knochen, Muskeln, Nerven und Geweben, welches aktiviert werden muss, um dem leblosen Instrument einen Ton zur Verstärkung weiterzugeben.
Ausserdem ist ein Wille erforderlich, der dem Körper die neuromuskulären Signale mitteilt, welche dieser zur Aktivierung des Tones über das Instrument benötigt.
Zuletzt empfängt der Wille laufend Reize von der gedruckten Partiturseite, vom Dirigenten, vom Ensemble und von anderen Quellen. Und auch diese Reize, welche allenfalls rein mechanische, roboterhafte Reaktionen auslösen könnten, müssen über ein Kontrollsystem aus Erfahrung und spontaner Beurteilung laufen, um das entstehen zu lassen, was man als Musikalität bezeichnet. (1).
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Fünf Bereiche des Unterrichtes
Wenn sich der Lehrer dann mit dem Posaunenbewehrten Schüler bekannt gemacht hat, realisiert er seine Verantwortung für mindestens fünf verschiedene Bereiche der Ausbildung seines Schülers:
- Die akustischen Besonderheiten der Posaune
- Die Funktion des menschlichen Körpers in Beziehung zum Posaunenspiel
- Die Entwicklung der Fähigkeit, musikalische Symbole in körperliche Tätigkeit umzusetzen
- Die Entwicklung der Fähigkeit, über das reine Blattspiel hinaus die Absichten des Komponisten aus dem Notentext abzulesen und
- Die Entwicklung eines Wertsystems, das zu guter Musikerschaft führt.
Drei grundsätzliche Leitlinien
Auch wenn alle obgenannten Bereiche wichtig sind für den Unterricht des Posaunenschülers, so wollen wir hier doch vor allem auf den zweiten Bereich, die Körperfunktion in Beziehung zur Posaune, eingehen.
Betrachten wir zuerst drei kontinuierliche Leitlinien, welche die Grundlage unserer Unterrichtsarbeit sein sollten. Wir gehen davon aus, dass Lehrer und Schüler für bestmögliche Resultate effizient zusammenarbeiten und bezeichnen folgende Leitlinien:
- Beseitigung aller hinderlichen Verspannungen. (Als Verspannung bezeichnen wir alle muskuläre Tätigkeit, welche sich selbst an der Erfüllung einer gegebenen Aufgabe hindert — nicht zu verwechseln mit Intensität, welche eine koordinierte Muskelanspannung auf ein Ziel hin ist.)
- Entwicklung eines körperlichen Koordinationsmusters, welches am besten zu den angestrebten Zielen führt.
- Training der Muskulatur im richtigen Koordinationsmuster, um die Entwicklung von Kraft, Geschmeidigkeit und Ausdauer zu fördern.
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Brass Bulletin 49, I / 1985 Seiten 61–71
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