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Prof. Timofey Dokshitser
Trompetenvirtuose und Künstler aus Moskau
Timofey Dokshitser
Nach Gesprächen vom 25.-30. Aug. 1983, redigiert von MARCEL HOLLENSTEIN.
Vorzustellen braucht man Prof. Timofei Dokshitser, den grossen Trompetenvirtuosen aus Moskau wohl nicht mehr. Er ist oder sollte allen Trompetern ein Begriff sein. Irgend eine seiner vielen Platteneinspielungen, wird sich sicher jeder Interessierte noch irgendwo ergattert haben. Möchte man ihn aber gerne live spielen hören, wird die Sache bereits schwieriger. Man müsste nach Japan, Amerika oder natürlich nach Russland reisen.
Umso mehr freute es mich, als ich im Sommer 1982 erstmals einen Meisterkurs bei Prof. Dokshitser in Dijon (Frankreich) besuchen konnte.
Thierry Caens, dem jungen Trompeter aus Paris war es nach langen Bemühungen gelungen, den Meister erstmals für ein Seminar im Westen zu engagieren.
Prof. Dokshiters hervorragende, ja beinahe väterliche Arbeit als Lehrer und als Solist mit dem Orchester waren sicherlich für alle Kursteilnehmer ein grosses Erlebnis.
Nach diesem Meisterkurs bleiben wir in regem Briefkontakt miteinander. Ungefähr ein Jahr nach diesem Seminar in Dijon, fanden wir dann einen passenden Termin, um uns in Moskau zu treffen. Aus dieser freundschaftlichen und intensiven Begegnung entstand mein aufschlussreicher Bericht. Unsere Gespräche sollen aber nicht nur die umfassende Arbeit von T. Dokshitser zeigen, sondern auch ein wenig Aufschluss über die Trompeter in Russland geben.
In der angenehmen Atmosphäre einer Wohnung, wo ich von seiner Frau Mona äusserst herzlich empfangen wurde, begannen unsere Gespräche.
Photo with V. Prokopov and Mona
M.H. - Was für Möglichkeiten hat in Russland ein junger Mensch, der das Trompetenspielen erlernen will?
T.D. - Es gibt bei uns Musikschulen, welche über das ganze Land verteilt sind. Man kann im Alter zwischen 7 und 10 Jahren in eine Musikschule eintreten. Die Schüler werden ausschliesslich von Berufslehrern ausgebildet. Bis zur Mittelschule können allgemein Instrumentalfächer belegt werden. Als letzte Möglichkeit bleibt der Privatlehrer und das Selbststudium.
M.H. - Wenn nun ein Schüler begabt ist, wie kommt er zu einem Berufsstudium?
T.D. - Die Bedingung für den Eintritt in die Musikhochschule ist immer ein Wettbewerb, den man gewinnen muss. Diese Prüfungen werden von den Schulen im ganzen Land ausgeschrieben. Es kann jeder, der sich als reif betrachtet melden.
M.H. - Wenn ich Sie recht verstehe, hat pro Wettbewerb nur ein Schüler die Chance für ein Studium.
T.D. - Nein, das ist nicht ganz richtig. Es gibt auch Fälle, wo es an so einem Wettbewerb mehrere «Sieger» geben kann.
M.H. - Gibt es für diese Eintrittsprüfung eine Altersgrenze?
T.D. - Nein, die gibt es nicht. Die Grenze wird vom einzelnen Schüler durch sein Können festgelegt.
M.H. - Was für Lehrmaterial wird in Russland verwendet?
T.D. - Wir haben gute Schulen für den Einzelunterricht, aber auch für das Spiel in Gruppen.
Berufsschüler werden im Prinzip nach allen üblichen westlichen Methodiken unterrichtet. Wir haben alle bekannten Schulen aus Amerika, Frankreich und Deutschland.
M.H. - Wie lange dauert das Berufsstudium?
T.D. - Ein Studium dauert 5 Jahre. Dann bekommt man das Diplom mit den Spezifikationen Lehrer, Sinfonie-Orchestertrompeter und Kammermusiker.
M.H. - Hat man noch weitere Möglichkeiten, zum Beispiel ein Diplom als Solist?
T.D. - Ja, diese Möglichkeit ist gegeben. Das ist aber eine sehr spezielle Auszeichnung, welche später bei entsprechender Begabung im Diplom vermerkt wird.
M.H. - Gibt es während der Ausbildungszeit auch Prüfungen?
T.D. - Ja, die Schüler müssen im Jahr vier verschiedene Programme an Prüfungen spielen. Diese Tests beinhalten Orchestermaterial, Etüden und Sololiteratur. Nur wer die Prüfung besteht, kommt ein Semester weiter. Es wäre vielleicht noch zu erwähnen, dass alles auswendig gespielt werden muss.
M.H. - Wir sprachen bis jetzt nur von der Ausbildung. Mich interessiert es, wie es mit der Auswahl von Instrumenten aussieht?
T.D. - Das ist bei uns ein Problem. Wir haben zu wenig Instrumente. Die Gliederung sieht ungefähr so aus, dass die guten Musiker meistens Instrumente aus Frankreich oder Amerika bekommen. Die mittelmässigen aus Ost- und Westdeutschland und der Tschechoslovakei. Die schlechten Bläser bekommen Instrumente aus Russland. Es handelt sich dabei vorwiegend um unsere Amateure.
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Brass Bulletin 49, I / 1985 Seiten 73–79
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