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Die Posaune in den Sakralwerken W.A. Mozarts

Die Posaune in den Sakralwerken W.A. Mozarts

Von allen Blechblasinstrumenten scheint Mozart am fruchtbarsten für das Horn geschrieben zu haben. Die vier Hornkonzerte, das Konzertrondo und das Hornquintett werden auch heute noch als Eckpfeiler des Hornrepertoires betrachtet. Trotzdem sind die Hornstimmen in Mozarts symphonischen Werken ohne besonderes Interesse. Während die Hornkonzerte für eine virtuose Handstopftechnik konzipiert sind, enthalten die symphonischen Stimmen fast nur Naturtöne.

Zu jener Zeit war die Posaune das einzige chromatische Blechblasinstrument und wurde häufiger für Kirchenmusik herangezogen. Deshalb ist eine ausführlichere Betrachtung von Mozarts Posaunenstimmen interessant. Das Tenorposaunensolo im Tuba Mirum aus dem «Requiem» ist sehr bekannt und tatsächlich einzigartig im Repertoire, doch Mozart hat die Posaune auch in anderen Werken in dieser Weise eingesetzt, wie später gezeigt werden soll. Mozart benützte die Posaune meistens in einer Gruppe, um die Singstimmen zu unterstützen. Die Chöre des 18. Jahrhunderts waren nicht sehr gross, derjenige in der Salzburger Kirche mit etwa 28 Sängern schon einer der grössten. Die Posaunen waren dort wirklich notwendig, um den Chor zu verstärken und ein besseres Gleichgewicht zum Orchester herzustellen. In vielen seiner Sakralwerke ist es normal, Alt, Tenor und Bassstimmen des Chores mit Posaunen zu verdoppeln, die keine eigenen Stimmen hatten. «Die Musik der Salzburger Kirche bewahrte bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts barocke Traditionen. Diesen Traditionen entspricht es, dass drei Posaunen mit dem Chor in den Tuttistellen colla parte mitspielen.» (Vorwort der neuen Mozartausgabe, Bärenreiter, Kassel).

In den meisten seiner Manuskripte schreibt Mozart keine Posaunen vor. Er gibt lediglich an, wenn die Posaune eine vom Chor verschiedene Figur oder einen anderen Rhythmus ausführen soll. Die Existenz originaler Posaunenstimmen macht die authentische Verwendung von Posaunen in Mozarts Kirchenmusik wahrscheinlich.

Heutzutage ist die Verwendung von Posaunen zur Verdoppelung der drei unteren Chorstimmen etwas problematisch. Die Chöre sind viel grösser und können ihre eigene Klangmasse hervorbringen. Dazu wurden zu Mozarts Zeit die Posaunenstimmen auf Alt-, Tenor- und Bassposaunen ausgeführt, welche verschieden mensuriert und deshalb in der Klangfarbe verschieden waren. Die heutigen Instrumente haben meist die selbe Mensur und erzeugen deshalb eine einheitliche Klangfarbe. Sie unterscheiden sich von ihren Vorgängern im Rohrdurchmesser und der Öffnung der Stürze — zwei sehr einflussreichen Faktoren. Das folgende Beispiel ist der Anfang des Tremendum aus den Litaniae KV 243. Die Posaunen spielen eine Begleitfigur piano-staccato in den Takten 1-3 und übernehmen in den Takten 4-7 ein Chortutti colla parte.

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Mozart setzte die Posaune aber auch noch anders ein. An einigen Orten in seinen Sakralwerken treten die Posaunen als Solisten in einer Gruppe auf. Ein solches Beispiel ist die Einleitung zum Agnus Dei in der c-moll-Messe KV 139:

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Andere Beispiele dieser Art sind an verschiedenen Orten zu finden. Die Verwendung der Posaune als Soloinstrument ist eine Ausnahme in Mozarts Sakralwerk. Das Tenorposaunensolo im Tuba Mirum des «Requiems» wird erklärt durch die Übersetzung des Lateinischen Tuba = Posaune.

Ich möchte abschliessen mit dem Zitat eines Posaunensolos aus einem weniger bekannten Werk: Die Schuldigkeit des ersten Gebotes KV 35. Zum Verständnis des Hintergrundes dieses Werkes braucht man etwas mehr Information über Mozart in Salzburg. Während der Herrschaft des Fürstbischofs Markus Sittikus war Salzburg ein Zentrum von Musik und Kunst. Sänger und Instrumentalisten von hohem Rang lebten dort, und viele Werke wurden uraufgeführt. Im März 1766 wurde das Oratorium eines elfjährigen Knaben uraufgeführt. Die Umstände, unter denen Mozart das Werk schrieb, sind nicht klar. Gewisse Erzähler berichten, dass Mozart das Werk unter strenger Aufsicht komponierte, da der Erzbischof von seinem Talent als Komponist nicht überzeugt war.

Die neue Forschung hat ergeben, dass es in der Tat ein anderes Werk (Trauermusik KV 42) war, das Mozart unter diesen Umständen in einer Woche schrieb. Das Oratorium hat sicherlich mehr Zeit zur Komposition erfordert. Das Werk bestand aus drei Teilen, von denen nur der erste, ein Jugendwerk, überliefert ist. Die beiden andern Teile (von Michael Haydn und dem Organisten Adlgasser) sind verschollen. Der Text ist abstrakt, und die Stimmen verkörpern folgende Personen: Weltgeist, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Christgeist und einen Christen.

Mozart stand unter dem Einfluss der langen musikalischen Tradition am erzbischöflich Salzburgischen Hof. Seine Arien folgen dem formalen Modell seines Vaters Leopold, und das Altposaunensolo ist vermutlich aus dem Studium der Werke Johann Ernst Eberlins entstanden, weil jener die Altposaune in verschiedenen seiner Oratorien als Soloinstrument einsetzte.

Die Arie (Nr. 5) mit dem Posaunensolo ist gesetzt für Tenor (ein Christ) und Streicher (2 Violinen, 2 Bratschen) mit Continuo (Cello und Bass). Die hohe Lage des Posaunenparts und der Altschlüsseln lassen annehmen, dass die Stimme auf der Altposaune geblasen wurde, wahrscheinlich von Thomas Gschlatt. Die Posaune spielt in einem langsam bewegten Stil mit vielen Trillern. Dies gibt uns eine Vorstellung von der technischen Leichtigkeit des Posaunisten jener Zeit. Verschiedene Kadenzen für die Posaune allein oder mit dem Tenor sind geschrieben — eine für ein Konzert übliche, aber für ein Sakralwerk ausnahmsweise Erscheinung.

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Triller müssen folgendermassen ausgeführt werden: Music example 1 und Music example 2 werden Music example 3 und Music example 4 werden Music example 5

Vorschläge für die Kadenzen finden sich in Bärenreiters Mozartausgabe.

Bibliographie
W. A. Mozart, Neue Ausgabe sämtlicher Werke, Serie I: Geistliche Gesangwerke (Bärenreiter, Kassel)

Brass Bulletin 46, II / 1984 Seiten 31–35

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