Mozart setzte die Posaune aber auch noch anders ein. An einigen Orten in seinen Sakralwerken treten die Posaunen als Solisten in einer Gruppe auf. Ein solches Beispiel ist die Einleitung zum Agnus Dei in der c-moll-Messe KV 139:
Andere Beispiele dieser Art sind an verschiedenen Orten zu finden. Die Verwendung der Posaune als Soloinstrument ist eine Ausnahme in Mozarts Sakralwerk. Das Tenorposaunensolo im Tuba Mirum des «Requiems» wird erklärt durch die Übersetzung des Lateinischen Tuba = Posaune.
Ich möchte abschliessen mit dem Zitat eines Posaunensolos aus einem weniger bekannten Werk: Die Schuldigkeit des ersten Gebotes KV 35. Zum Verständnis des Hintergrundes dieses Werkes braucht man etwas mehr Information über Mozart in Salzburg. Während der Herrschaft des Fürstbischofs Markus Sittikus war Salzburg ein Zentrum von Musik und Kunst. Sänger und Instrumentalisten von hohem Rang lebten dort, und viele Werke wurden uraufgeführt. Im März 1766 wurde das Oratorium eines elfjährigen Knaben uraufgeführt. Die Umstände, unter denen Mozart das Werk schrieb, sind nicht klar. Gewisse Erzähler berichten, dass Mozart das Werk unter strenger Aufsicht komponierte, da der Erzbischof von seinem Talent als Komponist nicht überzeugt war.
Die neue Forschung hat ergeben, dass es in der Tat ein anderes Werk (Trauermusik KV 42) war, das Mozart unter diesen Umständen in einer Woche schrieb. Das Oratorium hat sicherlich mehr Zeit zur Komposition erfordert. Das Werk bestand aus drei Teilen, von denen nur der erste, ein Jugendwerk, überliefert ist. Die beiden andern Teile (von Michael Haydn und dem Organisten Adlgasser) sind verschollen. Der Text ist abstrakt, und die Stimmen verkörpern folgende Personen: Weltgeist, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Christgeist und einen Christen.
Mozart stand unter dem Einfluss der langen musikalischen Tradition am erzbischöflich Salzburgischen Hof. Seine Arien folgen dem formalen Modell seines Vaters Leopold, und das Altposaunensolo ist vermutlich aus dem Studium der Werke Johann Ernst Eberlins entstanden, weil jener die Altposaune in verschiedenen seiner Oratorien als Soloinstrument einsetzte.
Die Arie (Nr. 5) mit dem Posaunensolo ist gesetzt für Tenor (ein Christ) und Streicher (2 Violinen, 2 Bratschen) mit Continuo (Cello und Bass). Die hohe Lage des Posaunenparts und der Altschlüsseln lassen annehmen, dass die Stimme auf der Altposaune geblasen wurde, wahrscheinlich von Thomas Gschlatt. Die Posaune spielt in einem langsam bewegten Stil mit vielen Trillern. Dies gibt uns eine Vorstellung von der technischen Leichtigkeit des Posaunisten jener Zeit. Verschiedene Kadenzen für die Posaune allein oder mit dem Tenor sind geschrieben — eine für ein Konzert übliche, aber für ein Sakralwerk ausnahmsweise Erscheinung.
Triller müssen folgendermassen ausgeführt werden:
und
werden
und
werden 
Vorschläge für die Kadenzen finden sich in Bärenreiters Mozartausgabe.
Bibliographie
W. A. Mozart, Neue Ausgabe sämtlicher Werke, Serie I: Geistliche Gesangwerke (Bärenreiter, Kassel)