Die Altposaune und die zeitgenössischen Vorstellungen vom Posaunenklang
In den letzten Jahren ist die Altposaune in beschränktem Umfang wieder zu Ehren gekommen, doch Hoffnungen auf ihre allgemeine Rehabilitation müssen vage bleiben, solange ihr noch Vorurteile und Missverständnisse im Wege stehen. Dabei hat der einzigartige Klang dieses Instrumentes viel zu bieten und verdient die Aufmerksamkeit eines jeden Dirigenten, Lehrers und fortgeschrittenen Posaunisten.
Seit der Renaissance hat sich die Altposaune einer langen und glanzvollen Laufbahn als effektives Diskantinstrument der Posaunenfamilie erfreut (die eigentliche Sopranposaune, eine Oktave höher als das Tenorinstrument gestimmt, hat nie weitere Verbreitung gefunden und ist von zeitgenössischen Autoren mehr theoretisch als praktisch beschrieben worden)¹.
Durch ihre ganze Geschichte hindurch ist die Altposaune primär mit den deutschsprachigen und den von deutscher Musikkultur unmittelbar beeinflussten Völkern² assoziiert worden.
Noch lange nachdem die Italiener im 17. Jahrhundert die Posaune als «gemeines» Instrument aus der ernsthaften Musik verbannt hatten, blieb das Trio von Alt-, Tenor- und Bassposaune das Standardfundament für die Zinken in den deutschen Turmsonaten.
Im 17. und 18. Jahrhundert setzten Wiener Komponisten wie Fux, Reutter, Ziani und Caldara in ihren Messen und Motetten die Posaunen — samt dem Altinstrument — in einfallsreicher und anspruchsvoller Weise ein. Die Posaunen wurden hier eher mit der Ausführung obligater Melodiestimmen betraut als mit der Bildung eines harmonischen Gerüstes von Akkordblöcken, wie im späteren 17. und frühen 18. Jahrhundert.
Im späteren 18. Jahrhundert setzten Haydn, Mozart und andere in ihren geistlichen Werken das «Standardtrio» Alt-, Tenor- und Bassposaune ein. Im weltlichen Bereich machten sich Gluck und Mozart in ihren Opern das dramatische Potential dieser Instrumentengruppe zunutze.
Diese traditionelle «germanische» Auffassung des Posaunentrios lässt sich bis weit ins 19. Jahrhundert weiterverfolgen — von Beethovens Einführung der Posaune in die Symphoniebesetzung bis zu den Symphonien Brahms’ und Bruckners.
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