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Die Posaune in Belgien

Die Posaune in Belgien

Albert Mertens

Die folgenden Zeilen hat Albert Mertens anfangs 1973 verfasst, kurze Zeit bevor er einem tödlichen Autounfall zum Opfer fiel. Er wurde am 22. November 1940 geboren. Auf Anregung seines Vaters hin, der selber Posaunist war, widmete sich Albert seit seinem 8. Lebensjahr dem Studium der Posaune. Er absolvierte sein Musikstudium am königlichen Konservatorium von Anvers. Mit 16 Jahren spielte er als Solist in der Philharmonie Anvers, und 1958 begann er seine internationale Laufbahn, teils zusammen mit seinem Bruder, dem Trompeter Theo Mertens. Bald wurde er auch ausserhalb von Belgien bekannt, und zwar als Interpret verschiedenster Stile und Epochen. Seine reichen musikalischen Erfahrungen machten ihn zum begehrten Posaunenlehrer. Bis zu seinem Tode war er erster Solist im belgischen Radio- und Fernsehorchester. Daneben unterrichtete er am königlichen Konservatorium Brüssel und an der Musikakademie von Merksem und Halle. Er wirkte ebenfalls im Theo Mertens Bläserquintett mit.

Der belgische Instrumentenbauer Adolf Sax (1814-1894), Erfinder der « 6-Ventil-Posaune » um 1852, kannte einen grossen Erfolg in ganz Belgien und übte auf seine Zeit einen entscheidenden Einfluss aus¹ : am königlichen Konservatorium wurde die 6-Ventil-Posaune das wichtigste Instrument, das Instrument nämlich, worauf die Schüler während drei bis vier Jahren zur Vorbereitung für das Diplom des 1. Preises spielen mussten, wohingegen für die Zugposaune nur ein einziges Jahr verlangt wurde. So aber waren die Schüler nicht fähig, technische Schwierigkeiten auch auf der Zugposaune zu meistern, weil es eben an Übung fehlte.

Gegen 1930 aber nahm die Zugposaune unter Jules De Haes, dem damaligen Professor am königlichen Konservatorium, endlich den Vorrang ein. Gründe dafür waren die schlechte Tonqualität und andere Mängel des Sax-Modells (so z.B. das übermässige Gewicht).

Glücklicherweise konnte ich mein Studium nach dieser wichtigen Erneuerung beginnen und mich so mit Hilfe der Zugposaunentechnik weiterbilden.

Wenn wir hören, was Jazzmusiker mit unsern Instrumenten ausführen, dann erkennen wir deutlich, dass im klassischen Bereich noch lange kein Höhepunkt erreicht ist.

Nur wenn man alle Arten von Musik spielt, wie verschieden sie auch voneinander sein mögen, weiss man um die Notwendigkeit, die sogenannte « Entspann-Technik » der Unterhaltungs- und Jazzmusiker mit der traditionellen klassischen Bildung zu vereinbaren (das völlige Entspanntbleiben bewirkt grössere Geschmeidigkeit!). Hier nämlich bestehen noch beträchtliche Lücken!

Der Vergleich verschiedener Interpretationen und Musikarten zeigt uns klar, dass letzten Endes unser Ziel darin liegt, jenes Instrument, das wir spielen, zu vergessen und ganz einfach nur noch Musik zu machen.

¹ Siehe Bate, Philip: The Trumpet and Trombone (London, 1966), S. 171 - 173.

Brass Bulletin 5, II / 1973 Seiten 93–96

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