Brass Bulletin 25, I / 1979 (Seite 51–55) · 4 Min. Lesezeit
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Das klassische Solokonzert für Posaune und seine Interpreten im 19. Jahrhundert

Von Queisser bis Ferdinand David: Aufstieg und Verschwinden des klassischen Posaunenkonzerts im 19. Jahrhundert zeigen ein vergessenes virtuoses Zeitalter.
Das klassische Solokonzert für Posaune und seine Interpreten im 19. Jahrhundert

Wo liegen die Anfänge der klassischen Literatur für Posaune? Geht man dieser Frage nach, so sind die ersten Posaunenkonzerte im 18. Jahrhundert speziell für Altposaune komponiert worden (Albrechtsberger, Wagenseil). Die Anfänge der Sololiteratur für Tenorposaune aber liegen im frühen 19. Jahrhundert. Das Zentrum der Kompositionen für Posaune und deren Aufführungen war damals Mitteldeutschland. Hier waren durch gute Solobläser die besten Voraussetzungen gegeben.

Die Programme des Gewandhausorchesters im 19. Jahrhundert sind eine wahre Fundgrube über die Anfänge der Posaunenliteratur. In ihnen ist ein «Concertino für Posaune und Orchester» von Carl Maria von Weber verzeichnet. Die Aufführung war am 6.3.1826, eine weitere am 15.11.1832. Der Solist dieses Concertinos war Carl Traugott Queisser. Leider handelte es sich hier um keine Originalkomposition von Weber. Da es um diese Zeit noch keine brauchbare Sololiteratur gab, hatte C. T. Queisser Webers Concertino für Horn op. 45 für Posaune arrangiert. In einer Rezension schreibt die Leipziger AMZ (34, 1832, S. 869): «Unser Queisser hatte sich ein Concertino von C. M. v. Weber für das Horn arrangiert für die Bassposaune und blies es mit gewohnter Meisterschaft, nur schien uns die Composition nicht ganz für dieses Instrument zu passen.»

Ein anderes «Concertino für Posaune» komponierte der damalige Geiger im Gewandhausorchester und spätere Stadtmusikdirektor in Altenburg C. G. Müller. Die Uraufführung dieses Werkes fand am 10.1.1828 statt. Der Solist war wiederum C. T. Queisser. Auch in den folgenden 7 Aufführungen war er der Posaunensolist. Die letzte in den Programmen der Gewandhauskonzerte vermerkte Aufführung war am 19.10.1843. Dieses Concertino von C. G. Müller ist das erste nachweisbare klassische Konzert in der Literatur für Tenorposaune. Auf den Konzertprogrammen dieser Epoche standen öfters ein oder mehrere Instrumentalkompositionen. Hinzu kam, dass diese Konzertprogramme sehr umfangreich und nicht anspruchsvoll waren. Die Historie hat nach und nach andere Massstäbe gesetzt. Angeregt durch die Reichhaltigkeit der damaligen Programme wurden Instrumentalkonzerte am laufenden Band komponiert. In alten Solobüchern für Posaune finden sich Namen wie: Paudert, Demerssemann, Wichtel, Belke, Jehmlich, Kühn, Knop, Müller, Nowakowsky, Gräfe, Rex, Sachse und David; um nur einige zu nennen. Aus dieser Vielzahl der damals entstandenen Kompositionen haben sich nur sehr wenig Werke durchgesetzt und besitzen heute noch Gültigkeitswert.

Ein Konzert welches mit Recht als das klassische Posaunenkonzert vor allem im mitteleuropäischen Musikraum gilt, ist das «Concertino für Posaune» von Ferdinand David op. 4. Mit ihm werden bei Probespielen, Abschlussprüfungen an Musikhochschulen auch heute noch bläserische und musikalische Massstäbe gesetzt. Von bleibendem Wert sind vor allem der I. und II. Satz dieses Werkes: Allegro maestoso und Andante, marcia funebre. Der III. Satz ist leider nur eine thematische Wiederholung des I. Satzes.

Im weiteren Verlauf werden die zentrale Rolle von Ferdinand David und Carl Traugott Queisser sowie die Aufführungsgeschichte des Concertinos und die Entwicklung der Posaune als Soloinstrument im 19. Jahrhundert näher untersucht.

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