Brass Bulletin ist jetzt auch auf Italienisch und Spanisch verfügbar.

1 Min. Lesezeit

Historische Blechblasinstrumente und Restaurierung

Historische Blechblasinstrumente und Restaurierung

Ein kurzer Einblick in die Restaurierung historischer Blechblasinstrumente zeigt, daß diese Aufgabe eine ebenso diffizile wie reizvolle ist.

Sie setzt neben künstlerischem Einfühlungsvermögen, solides handwerkliches Können, Kenntnis unterschiedlicher Technologien und Bauweisen der einzelnen Instrumente sowie deren musikalische Stellung in ihren Epochen voraus.

Unerlässlich ist auch die Bereitschaft, jedes Instrument in seiner besonderen Eigenart zu erkennen und es bei der Restaurierung ohne originalen Substanzverlust zu erhalten. Eventuell zwischenzeitlich vorgenommene, unsachgemäße oder gar verfälschende Reparaturen richtig einzuschätzen und unter Umständen vorsichtig zu beseitigen, sowie Fehlendes nach gründlichen Recherchen wenn möglich zu rekonstruieren, gewissenhafte Dokumentationen fotographisch, zeichnerisch und schriftlich anzufertigen, begleiten dieses Bestreben.

Ebenso wichtig sind Kenntnis und Nutzung wissenschaftlicher Untersuchungsmethoden (z. B. Röntgen, Endoskopie, Materialanalysen) sowie die Anwendung moderner Techniken und Materialien zur Erhaltung und Pflege.

Ein hohes Maß an Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem ausgehändigten Kunst- und Kulturgut verbindet sich mit der Arbeit eines guten Restaurators.

Eine Werkstatt für die Restaurierung historischer Blechblasinstrumente wurde jetzt in München durch Vermittlung des Stadtmuseums und Kulturreferates von Frau Ursula Menzel eröffnet.

Sie hat sich vor zehn Jahren im Deutschen Museum in München auf diese Tätigkeit spezialisiert und geht ihr mit Erfolg seit einigen Jahren als selbständige Restauratorin nach.

Trompete in CVon Hanns Hainlein, Nürnberg von 1632. Aus der Sammlung des Münchner Stadtmuseums, Musikinstrumentenmuseums...

Trompete in C

Von Hanns Hainlein, Nürnberg von 1632. Aus der Sammlung des Münchner Stadtmuseums, Musikinstrumentenmuseums.

  1. Oxidiertes Material gefährdet. Unsachgem. Reparaturen. Gebrochene Innenstürze mit Zinn verschmiert. Rohrteile falsch zus.-gesetzt.
  2. Komplette Demontage und chem. Reinigung.
  3. Reparaturschäden weitgehend beseitigt. Originale Bauweise rekonstruiert. Ergänzung des Holzkeiles und der Bewicklungen.
  4. Innenstürze nach Entfernung des diffundierten Rep.-Zinnes.
  5. Optische Korrektur und Stabilisierung mit reversiblem, eingefärbtem Kleber.

Museen aus der ganzen Bundesrepublik haben ihr bisher viele unersetzliche Instrumente zur Restaurierung anvertraut. Beigefügte Bildbeispiele stellen einen kleinen Streifzug durch ihre Arbeit dar.

Parforcehorn in Cvon Cretien in Paris 2. Hälfte 17. Jahrhundert aus der Sammlung des Bayerischen Nationalmuseums, Münche...

Parforcehorn in C

von Cretien in Paris 2. Hälfte 17. Jahrhundert aus der Sammlung des Bayerischen Nationalmuseums, München.

  1. Zustand bei Übernahme: Messing mit polymerisierter Fettschicht z. T. bedeckt, darunter dunkel messingfarben, Rest der Oberfläche dunkelbraun oxidiert. Knicke und klaffende Risse. Kreisförmiger Korpus im Profil achtförmig verbogen. Rohre streckenweise a. d. Hälfte des Durchmessers zusammengedrückt. Keine Orig.-Verlötung, unsachgem. Ausbesserungsarbeiten. Nicht spielbar.
  2. Nach der Restaurierung: Schicht entfernt, Instr. äußerlich chem. gereinigt und konserviert. Zerlegung d. Korpusses, behutsame, dem Material angemessene Rückformung nach versch. Methoden. Zusammenbau des Instr. mittels Zinnlot. Ergänzung erforderlicher Verbindungsrohre an den Bruchstellen. Risse weitgehend abgedichtet und retuschiert.

Die Meisterprüfung war nach deutscher Handwerksordnung auch für die Restauratorin, Frau Menzel, bei dem Schritt in die Selbständigkeit eine Forderung.

Sie baute eine Wagnertube, die in der Schausammlung des Deutschen Museums fehlte, legte die Prüfung als erste Frau in diesem Beruf ab und erhielt für die Jahresbestleistung Auszeichnungen von der Handwerkskammer für Oberbayern in München und der Stiftung für Begabtenförderung in Bonn.

Ophikleïde in CViertel 19. Jahrhundert aus der Sammlung des Bayer. Armeemuseums, IngolstadtZustand bei Übernahme: Messin...

Ophikleïde in C

Viertel 19. Jahrhundert aus der Sammlung des Bayer. Armeemuseums, Ingolstadt

  1. Zustand bei Übernahme: Messing dunkelbraun/grün, tiefgehend oxidiert. Starke Deformierung. Korpus dreimal fast durchgebrochen (s. Detail III), Material mehrfach gerissen. Div. Bestandteile des Klappenmechanismusses fehlen. Kein Mundstück vorhanden. Nicht spielbar.
  2. Nach der Restaurierung: Messing innen und außen im Spezialverfahren chem. gereinigt und zweifach konserviert. Rückformung aller Teile durchgeführt. Korpuskonstruktion stabilisiert, Risse abgedichtet. Fehlende Teile nach vorhandenen Originalen oder Vergleichsinstrumenten — als Rekonstruktion gekennzeichnet — ergänzt. Das Instrument kann geblasen werden und spricht gut an.
  3. Detail zu Bild 1

Danach widmete sie sich, durch private Umstände nach Norddeutschland verzogen, in ihrer ersten eigenen Werkstatt wieder mit großer Neigung, Initiative und ernsthafter Überzeugung der vielseitigen Aufgabe des Restaurierens.

Posthorn in Esvon J. F. Glass in Berlin 1873–1886. Aus der Sammlung Nienburg.Übernommener Zustand: Äußerst starke Deform...

Posthorn in Es

von J. F. Glass in Berlin 1873–1886. Aus der Sammlung Nienburg.

  1. Übernommener Zustand: Äußerst starke Deformierung, größtenteils bis auf 1–2 mm Rohrdurchmesser zusammengedrückt. Oxidiert, undicht, gerissen, unsachgemäß repariert.
  2. Demontage
  3. Schallstück nach zeitaufwendiger Rückformung unter Kontrolle und Einhaltung des vorgegebenen Mensurverlaufes. Mit Rücksicht auf das gealterte Material wurde das Ausbeulen 1/10 mm-weise vorgenommen.
  4. Horn nach der Restaurierung. Chem. gereinigt, konserviert, optisch korrigiert, abgedichtet. Es spricht äußerst gut an und soll im Museum mit zeitgenöss. Kompositionen klanglich zu Gehör gebracht werden.

Da die in diesem Metier nötige Kommunikation mit Musikinstrumentensammlungen, deren wissenschaftlichen Mitarbeitern, Forschungsinstituten, Musikern, Instrumentenbauern, Fachinteressierten u. v. a. mehr in einer Kulturmetropole wie München zu finden ist, freut sich Frau Menzel nun besonders darauf, hier in ihrer erweiterten, neuen Werkstatt die Restaurierung historischer Blechblasinstrumente wieder aufnehmen und intensiv weiterführen zu können.

Restaurierte Musikinstrumentezur Eröffnung des Stadtmuseums Ingolstadt im Kavalier Hepp – 1981. Klanglich präsentiert anläßlich eines kleinen Festkonzertes.Hier der entwicklungs- und stadtgeschichtlich interessante Bestand von Blechblasinstrumenten und Leinentrommeln.Alle Instrumente sind nach der Restaurierung wieder spielbar.Gleichzeitig wurde die frühest datierte Büchsentrompete von Adam Buchswinder 1730 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Restaurierte Musikinstrumentezur Eröffnung des Stadtmuseums Ingolstadt im Kavalier Hepp – 1981. Klanglich präsentiert anläßlich eines kleinen Festkonzertes.Hier der entwicklungs- und stadtgeschichtlich interessante Bestand von Blechblasinstrumenten und Leinentrommeln.Alle Instrumente sind nach der Restaurierung wieder spielbar.Gleichzeitig wurde die frühest datierte Büchsentrompete von Adam Buchswinder 1730 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Restaurierte Musikinstrumente

zur Eröffnung des Stadtmuseums Ingolstadt im Kavalier Hepp – 1981. Klanglich präsentiert anläßlich eines kleinen Festkonzertes.

Hier der entwicklungs- und stadtgeschichtlich interessante Bestand von Blechblasinstrumenten und Leinentrommeln.

Alle Instrumente sind nach der Restaurierung wieder spielbar.

Gleichzeitig wurde die frühest datierte Büchsentrompete von Adam Buchswinder 1730 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Brass Bulletin 39, III / 1982 Seiten 6–12

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1982–2026

Artikel teilen

Facebook LinkedIn
Wird geladen…

Fragen und Antworten

So funktioniert die digitale Ausgabe

Was enthält die digitale Ausgabe?

Die digitale Ausgabe vereint die bereits digitalisierten Artikel als lesbare und durchsuchbare Online-Texte – nicht nur als Scans oder PDF-Dateien – mit ihren ursprünglichen Abbildungen, Anmerkungen, Angaben zu Autoren und Ausgaben sowie den verfügbaren Übersetzungen. Empfehlungen verwandter Artikel umfassen derzeit nur dieses digitalisierte Material.

Sind die digitalen Artikel mit den Originalen identisch?

Wir bewahren den ursprünglichen Text, die Sprache, Abbildungen, Bildlegenden, Fußnoten und den redaktionellen Kontext so originalgetreu wie möglich. Die Darstellung wird für ein angenehmes Lesen am Bildschirm angepasst; offensichtliche Übertragungs- oder Scanfehler können korrigiert werden. Inhalt und Charakter des veröffentlichten Artikels bleiben unverändert.

Welche Sprachen sind verfügbar?

Brass Bulletin erschien während seiner gesamten Geschichte auf Englisch, Französisch und Deutsch. Italienische und spanische Übersetzungen kamen ab Ausgabe Nr. 60 hinzu.

Auf der italienischen und der spanischen Website werden die Artikel aus den Ausgaben 1 bis 59 daher standardmäßig auf Englisch angezeigt.

Wie oft werden neue Artikel hinzugefügt?

Neue Artikel werden fast täglich hinzugefügt; ungefähr eine vollständige Ausgabe wird pro Woche digitalisiert. Das Tempo kann je nach erforderlicher Vorbereitung, Bildbearbeitung und redaktioneller Prüfung variieren.

Warum sind noch nicht alle Artikel digital verfügbar?

Die vollständige Sammlung von Brass Bulletin umfasst 1’246 Artikel aus den Jahren 1971 bis 2003. Das vollständige Verzeichnis ist bereits online verfügbar und ermöglicht es, jeden Artikel der Sammlung zu entdecken – auch jene, deren vollständiger Text noch nicht digitalisiert wurde.

Die Digitalisierung begann im Februar 2026. Jeder Artikel wird sorgfältig für die Online-Lektüre aufbereitet, geprüft und mit seiner Ausgabe, den Autoren, Themen und Abbildungen verknüpft. Beim derzeitigen Digitalisierungstempo wird die vollständige Sammlung voraussichtlich bis Februar 2028 online verfügbar sein.

Warum verweisen manche Quellen auf Artikel, die noch nicht verfügbar sind?

Verweise in den Originalartikeln bleiben erhalten, auch wenn das Material, auf das sie hinweisen, noch nicht digitalisiert wurde. So bleiben die historischen und redaktionellen Zusammenhänge vollständig erhalten. Mit jeder weiteren digitalisierten Ausgabe werden mehr dieser Verweise zu online lesbaren Artikeln führen.

Kann ich einen Artikel vorschlagen oder einen Übertragungsfehler melden?

Ja. Wenn Sie einen bestimmten Artikel gerne digitalisiert sehen möchten oder einen möglichen Übertragungsfehler beziehungsweise eine fehlende Information entdecken, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Rückmeldungen unserer Leser helfen uns, die digitale Ausgabe zu verbessern und sinnvolle Prioritäten im Archiv zu setzen.

Wie kann ich Brass Bulletin unterstützen?

Ihre Unterstützung hilft, die Aufbereitung, Überprüfung und Online-Veröffentlichung der vollständigen Sammlung zu finanzieren.

Digitalausgabe abonnieren

Möchten Sie uns lieber unterstützen, ohne ein Abonnement abzuschließen?

Spenden

Brass Bulletin durchsuchen.