Brass Bulletin 39, III / 1982 (Seite 6–12) · 1 Min. Lesezeit
Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1982–2026

Historische Blechblasinstrumente und Restaurierung

Suche in diesem Artikel
Historische Blechblasinstrumente und Restaurierung

Ein kurzer Einblick in die Restaurierung historischer Blechblasinstrumente zeigt, daß diese Aufgabe eine ebenso diffizile wie reizvolle ist.

Sie setzt neben künstlerischem Einfühlungsvermögen, solides handwerkliches Können, Kenntnis unterschiedlicher Technologien und Bauweisen der einzelnen Instrumente sowie deren musikalische Stellung in ihren Epochen voraus.

Unerlässlich ist auch die Bereitschaft, jedes Instrument in seiner besonderen Eigenart zu erkennen und es bei der Restaurierung ohne originalen Substanzverlust zu erhalten. Eventuell zwischenzeitlich vorgenommene, unsachgemäße oder gar verfälschende Reparaturen richtig einzuschätzen und unter Umständen vorsichtig zu beseitigen, sowie Fehlendes nach gründlichen Recherchen wenn möglich zu rekonstruieren, gewissenhafte Dokumentationen fotographisch, zeichnerisch und schriftlich anzufertigen, begleiten dieses Bestreben.

Ebenso wichtig sind Kenntnis und Nutzung wissenschaftlicher Untersuchungsmethoden (z. B. Röntgen, Endoskopie, Materialanalysen) sowie die Anwendung moderner Techniken und Materialien zur Erhaltung und Pflege.

Ein hohes Maß an Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem ausgehändigten Kunst- und Kulturgut verbindet sich mit der Arbeit eines guten Restaurators.

Eine Werkstatt für die Restaurierung historischer Blechblasinstrumente wurde jetzt in München durch Vermittlung des Stadtmuseums und Kulturreferates von Frau Ursula Menzel eröffnet.

Sie hat sich vor zehn Jahren im Deutschen Museum in München auf diese Tätigkeit spezialisiert und geht ihr mit Erfolg seit einigen Jahren als selbständige Restauratorin nach.

Trompete in CVon Hanns Hainlein, Nürnberg von 1632. Aus der Sammlung des Münchner Stadtmuseums, Musikinstrumentenmuseums...

Trompete in C

Von Hanns Hainlein, Nürnberg von 1632. Aus der Sammlung des Münchner Stadtmuseums, Musikinstrumentenmuseums.

  1. Oxidiertes Material gefährdet. Unsachgem. Reparaturen. Gebrochene Innenstürze mit Zinn verschmiert. Rohrteile falsch zus.-gesetzt.
  2. Komplette Demontage und chem. Reinigung.
  3. Reparaturschäden weitgehend beseitigt. Originale Bauweise rekonstruiert. Ergänzung des Holzkeiles und der Bewicklungen.
  4. Innenstürze nach Entfernung des diffundierten Rep.-Zinnes.
  5. Optische Korrektur und Stabilisierung mit reversiblem, eingefärbtem Kleber.

Museen aus der ganzen Bundesrepublik haben ihr bisher viele unersetzliche Instrumente zur Restaurierung anvertraut. Beigefügte Bildbeispiele stellen einen kleinen Streifzug durch ihre Arbeit dar.

Parforcehorn in Cvon Cretien in Paris 2. Hälfte 17. Jahrhundert aus der Sammlung des Bayerischen Nationalmuseums, Münche...

Parforcehorn in C

von Cretien in Paris 2. Hälfte 17. Jahrhundert aus der Sammlung des Bayerischen Nationalmuseums, München.

  1. Zustand bei Übernahme: Messing mit polymerisierter Fettschicht z. T. bedeckt, darunter dunkel messingfarben, Rest der Oberfläche dunkelbraun oxidiert. Knicke und klaffende Risse. Kreisförmiger Korpus im Profil achtförmig verbogen. Rohre streckenweise a. d. Hälfte des Durchmessers zusammengedrückt. Keine Orig.-Verlötung, unsachgem. Ausbesserungsarbeiten. Nicht spielbar.
  2. Nach der Restaurierung: Schicht entfernt, Instr. äußerlich chem. gereinigt und konserviert. Zerlegung d. Korpusses, behutsame, dem Material angemessene Rückformung nach versch. Methoden. Zusammenbau des Instr. mittels Zinnlot. Ergänzung erforderlicher Verbindungsrohre an den Bruchstellen. Risse weitgehend abgedichtet und retuschiert.

Die Meisterprüfung war nach deutscher Handwerksordnung auch für die Restauratorin, Frau Menzel, bei dem Schritt in die Selbständigkeit eine Forderung.

Sie baute eine Wagnertube, die in der Schausammlung des Deutschen Museums fehlte, legte die Prüfung als erste Frau in diesem Beruf ab und erhielt für die Jahresbestleistung Auszeichnungen von der Handwerkskammer für Oberbayern in München und der Stiftung für Begabtenförderung in Bonn.

Ophikleïde in CViertel 19. Jahrhundert aus der Sammlung des Bayer. Armeemuseums, IngolstadtZustand bei Übernahme: Messin...

Ophikleïde in C

Viertel 19. Jahrhundert aus der Sammlung des Bayer. Armeemuseums, Ingolstadt

  1. Zustand bei Übernahme: Messing dunkelbraun/grün, tiefgehend oxidiert. Starke Deformierung. Korpus dreimal fast durchgebrochen (s. Detail III), Material mehrfach gerissen. Div. Bestandteile des Klappenmechanismusses fehlen. Kein Mundstück vorhanden. Nicht spielbar.
  2. Nach der Restaurierung: Messing innen und außen im Spezialverfahren chem. gereinigt und zweifach konserviert. Rückformung aller Teile durchgeführt. Korpuskonstruktion stabilisiert, Risse abgedichtet. Fehlende Teile nach vorhandenen Originalen oder Vergleichsinstrumenten — als Rekonstruktion gekennzeichnet — ergänzt. Das Instrument kann geblasen werden und spricht gut an.
  3. Detail zu Bild 1

Danach widmete sie sich, durch private Umstände nach Norddeutschland verzogen, in ihrer ersten eigenen Werkstatt wieder mit großer Neigung, Initiative und ernsthafter Überzeugung der vielseitigen Aufgabe des Restaurierens.

Posthorn in Esvon J. F. Glass in Berlin 1873–1886. Aus der Sammlung Nienburg.Übernommener Zustand: Äußerst starke Deform...

Posthorn in Es

von J. F. Glass in Berlin 1873–1886. Aus der Sammlung Nienburg.

  1. Übernommener Zustand: Äußerst starke Deformierung, größtenteils bis auf 1–2 mm Rohrdurchmesser zusammengedrückt. Oxidiert, undicht, gerissen, unsachgemäß repariert.
  2. Demontage
  3. Schallstück nach zeitaufwendiger Rückformung unter Kontrolle und Einhaltung des vorgegebenen Mensurverlaufes. Mit Rücksicht auf das gealterte Material wurde das Ausbeulen 1/10 mm-weise vorgenommen.
  4. Horn nach der Restaurierung. Chem. gereinigt, konserviert, optisch korrigiert, abgedichtet. Es spricht äußerst gut an und soll im Museum mit zeitgenöss. Kompositionen klanglich zu Gehör gebracht werden.

Da die in diesem Metier nötige Kommunikation mit Musikinstrumentensammlungen, deren wissenschaftlichen Mitarbeitern, Forschungsinstituten, Musikern, Instrumentenbauern, Fachinteressierten u. v. a. mehr in einer Kulturmetropole wie München zu finden ist, freut sich Frau Menzel nun besonders darauf, hier in ihrer erweiterten, neuen Werkstatt die Restaurierung historischer Blechblasinstrumente wieder aufnehmen und intensiv weiterführen zu können.

Restaurierte Musikinstrumentezur Eröffnung des Stadtmuseums Ingolstadt im Kavalier Hepp – 1981. Klanglich präsentiert anläßlich eines kleinen Festkonzertes.Hier der entwicklungs- und stadtgeschichtlich interessante Bestand von Blechblasinstrumenten und Leinentrommeln.Alle Instrumente sind nach der Restaurierung wieder spielbar.Gleichzeitig wurde die frühest datierte Büchsentrompete von Adam Buchswinder 1730 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Restaurierte Musikinstrumentezur Eröffnung des Stadtmuseums Ingolstadt im Kavalier Hepp – 1981. Klanglich präsentiert anläßlich eines kleinen Festkonzertes.Hier der entwicklungs- und stadtgeschichtlich interessante Bestand von Blechblasinstrumenten und Leinentrommeln.Alle Instrumente sind nach der Restaurierung wieder spielbar.Gleichzeitig wurde die frühest datierte Büchsentrompete von Adam Buchswinder 1730 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Restaurierte Musikinstrumente

zur Eröffnung des Stadtmuseums Ingolstadt im Kavalier Hepp – 1981. Klanglich präsentiert anläßlich eines kleinen Festkonzertes.

Hier der entwicklungs- und stadtgeschichtlich interessante Bestand von Blechblasinstrumenten und Leinentrommeln.

Alle Instrumente sind nach der Restaurierung wieder spielbar.

Gleichzeitig wurde die frühest datierte Büchsentrompete von Adam Buchswinder 1730 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Artikel teilen

Loading…

Im Brass-Bulletin-Archiv suchen.