Brass Bulletin 5, II / 1973 (Seite 85–92) · 4 Min. Lesezeit
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Meine Sammlung historischer Blechblasinstrumente und Trommeln

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Schon in früher Jugend wurde ich von einer grossen Liebe zur Blechmusik erfasst, die sich jedoch vorerst nur in stiller Bewunderung äussern durfte, da meine Mutter als alteingesessene Baslerin der Meinung war, für einen 6jährigen käme lediglich das « trummle » in Frage und so lernte ich denn « trummle ». Erst 1921, mit 17 Jahren, konnte ich mir ein Objekt meiner grossen Liebe erstehen: in einem Antiquitätenladen in Frankfurt-am-Main kaufte ich mir ein Posthörnchen mit 4 Klappen (eine Seltenheit) aus dem 19. Jahrhundert (Bild). Wie gross war aber meine Enttäuschung, als ich im hintersten Abteil des D-Zuges darauf zu blasen versuchte und keinen einzigen Ton hervorzubringen vermochte! Blasen habe ich auf anderen Instrumenten gelernt und erst später konnte ich zu meiner ersten Liebe zurückkehren. Oft zog es mich zu jenem Antiquitätenladen in Frankfurt zurück und habe ich dort noch einige Instrumente erstanden.

Nun aber fing mein Bildungsweg an: Professor Karl Nef, Basel, führte mich durch die Instrumenten-Sammlung des Historischen Museums Basel und ich folgte seiner Vorlesung über Musikinstrumente an der Universität. Von dem Augenblick an war ich den Blechblasinstrumenten auf immer verfallen. Später, als Theologie-Student in Berlin, hörte ich eine Vorlesung von Professor Carl Sachs, der als DER grosse Fachmann auf dem Gebiete der Instrumentenkunde galt. Es gab zu der Zeit in Berlin einen Antiquitätenhändler, W. Wennerscheid, der sich auf alle Musikinstrumente spezialisiert hatte. Bei ihm konnte ich mich jahrelang nach Herzenslust mit den schönsten Instrumenten eindecken, denn damals interessierte sich praktisch niemand für sie, sodass die Preise auch dem Geldbeutel eines Studenten angemessen waren. Einen anderen Lieferanten fand ich in Basel, F. Stöcklin, der die berühmte Musikinstrumenten-Sammlung des « capitaine » Schumacher, Luzern, zum Verkauf übernommen hatte. Fast alles Blech und Schlagzeug aus der Sammlung ist in meinen Besitz übergegangen (etwa 27 gute Instrumente). Auch in Deutschland (München!) und in Luzern bei Fischer bezog ich gute Instrumente zu einem redlichen Preis. Anfangs der 50er Jahre kam noch ein Pariser Händler dazu - bis dieser meinte, mich übers Ohr hauen zu können. Diese glücklichen Zeiten dauerten bis in die Mitte der 50er Jahre - dann setzte das allgemeine Interesse für alte Musikinstrumente, bezw. für Antiquitäten überhaupt ein. Resultat: die Preise stiegen sprunghaft an. In den letzten Jahren habe ich in Böhmen und London gute Quellen gefunden. Auch ist mir Herr Karl Burri in Bern eine grosse Hilfe - ebenfalls was Tausch von Instrumenten und Austausch von Kenntnissen betrifft - und vor allem hat mir Herr W. Burger, Solo-Fagottist des Tonhalle-Orchesters Zürich, auf grossartige Weise geholfen.

Es ist interessant nachzuforschen, wie ein Instrumentensammler « entsteht »: es war nämlich gar nicht in erster Linie die Musik, die mich verführte und ist meine engere Familie auch nicht ausgesprochen musikalisch. Was mich zum Sammeln veranlasste, war das Interesse am Blasinstrument: die Liebe zur Klangfarbe. Dann die Begeisterung für die klassische Militärmusik einerseits und für den Choral, besonders die reformierten Psalmen anderseits.

Damit komme ich zu meinem eigentlichen Beruf: meine theologische Berufung. Ich studierte Theologie an den Universitäten Basel und Berlin und obwohl man mir die akademische Laufbahn empfahl, wurde ich eindeutig zur praktischen Theologie, zur Diakonie (Seelsorge und Fürsorge) geführt. Ich war 40 Jahre lang Vorsteher des Schweizerischen Reformierten Diakonenhauses und übernahm während 31 Jahren ehrenamtlich das Präsidium des Schw. Verbandes für Innere Mission und Evangelische Liebestätigkeit, sowie während 11 Jahren das Präsidium des Internationalen Verbandes für Innere Mission und Diakonie. Zu diesen Aufgaben kamen Evangelisationen, Vorträge und wissenschaftliche Studien vor allem über das Diakonenamt. Es versteht sich, dass meine Aufgaben mir wenig Zeit für meine Sammlertätigkeit liessen und daraus erklärt sich, dass ich nie dazu kam, Veröffentlichungen über meine Sammlung zu machen. Mein Wissen auf dem Gebiete der Instrumentenkunde suchte ich mir aus der - in der deutschen Sprache leider spärlichen - Fachliteratur und aus der Militärgeschichte. Gründlicheres Wissen wird aber erst im jahrzehntelangen Umgang mit den Instrumenten und im Erfahrungsaustausch mit Fachleuten erworben.

Beschädigungen an von mir erworbenen Instrumenten lasse ich wenn immer möglich reparieren. Leider haben die drei Instrumentenmacher, welche mir Reparaturen ausführen, immer weniger Zeit und so muss denn Vieles zurückgestellt werden. Das Mundstück fehlt meistens! Ist das Originalmundstück noch am Instrument, so ist das ein Glücksfall! Leider sind die alten Mundstücke nie gezeichnet.

Das Sammeln erfordert neben den nötigen finanziellen Mitteln, Ausdauer und Spürsinn. Meine Sammlung umfasst zur Zeit 684 Instrumente (von diesen 32 Takt- und Tambourmajorstöcke und 84 Schlagzeug). Die 578 Blechblasinstrumente stammen von 369 Herstellern aus 139 Orten. 539 Stücke sind signiert und 81 datiert. Rein Volkskundliches (z.B. Alphörner), Exotisches und Extravagantes sammle ich nicht. Dagegen lege ich Wert darauf, ein möglichst umfassendes Bild über den Werdegang und die verschiedenen Familien und Arten der europäischen Blechblasinstrumente zu bieten. Es ist mir darum willkommen z.B. 43 Fanfarentrompeten, 26 Ventilposaunen, 24 Klappenhörner und 27 Inventionshörner (Bild) zu besitzen. Genauere Kenntnisse über zeitliche und örtliche Verschiedenheiten lassen sich nur durch Vergleiche zwischen zahlreichen Exemplaren derselben Gattung gewinnen. Etwa 50 Truppenteile europäischer Heere sind in meiner Sammlung vertreten, z.B. das 21. Infanterie-Regiment Napoleons I. und das preussische Gardegrenadierregiment Kaiser Alexanders durch je einen Tambourmajorstock (Bild), die Northumberlands Fusiliers durch eine Trommel, das russische Husarenregiment Achtirsk durch eine diesem 1812 verliehene Ehrentrompete. Besondere Freude habe ich am Luzerner Harsthorn (Bild) von 1455 und an einer silbernen Fanfarentrompete (Bild), verfertigt 1721 von Blanvalet Berlin, aus der Schwadron Garde du Corps des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. Leider fehlen mir noch immer eine Doppelzugposaune, ein omnitonisches Waldhorn und ein russisches Horn, bezw. russische Signalhörner. (Wie Sie vielleicht wissen hat ein jedes solches Horn nur einen Ton. Die Leibeigenen wurden aufgereiht, jeder bekam sein - je nach Tonhöhe - grösseres oder kleineres Horn zugeteilt und die Melodie spielte sich so ab, dass ein jeder Leibeigene genau wissen musste, wann sein Ton an die Reihe kam... Hoffentlich haben sie sich nicht allzuoft geirrt!)

Ich arbeite an einem Katalog und - vorerst für einzelne Abteilungen - an einwandfreien Beschreibungen und so bin ich denn stets mit nützlicher und interessanter Tätigkeit beschäftigt. Eines Tages soll die ganze Sammlung in den Besitz der Musikinstrumenten-Sammlung des Historischen Museums Basel übergehen.

Oft besuchen mich bekannte Blechbläser, die ein Interesse für Geschichte und Entstehung ihrer Instrumente haben, oft auch kommen Musikhistoriker und gelegentlich Händler.

Da meine Kraft und Zeit beschränkt sind, muss ich auch meine Kontakte mit der Aussenwelt auf Allerwichtigstes beschränken. Aber es freut mich immer von Instrumenten, von Bläsern und Interessenten zu hören - vor allem wenn jemand die glückliche Idee hat, mir eins von den fehlenden Instrumenten anzubieten!

Zusammenfassung eines Gesprächs mit Pfr. Wilhelm Bernoulli in seinem Heim (Bild) in Greifensee (CH - 8606), Schweiz, von E. Mende.

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Klappenhörner oben. Ventilposaunen unten.
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Serpente. Oben: Billon, London; unten: Clementi & Co., London.
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Helikone. Darunter Leinentrommeln.
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Tornistertuben. 1908 bei den Kapellen der österreichischen Landwehr eingeführt. Links: Kontrabass von Kl. Lehrer, Graslitz. Rechts: Bass von J. Zelenka, Prag.
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Pfr. Dr. h.c. Wilhelm Bernoulli mit dem Tambourmajor-Stab des 1. Bat. des 1. preuss. Garde-Grenadier-Reg. Kaiser Alexanders, von 1814.
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Schloss Greifensee, das Heim des Sammlers.
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3 verschiedene Modelle von Fanfaren-Trompeten der Kaiser-Garde Napoleons III. und eine Zugtrompete. Alle von Adolphe Sax, Paris, 19. Jh.
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Fanfarentrompeten von Johann Wilhelm Haas, Nürnberg
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Posthörner, 19. Jh. 2. von links: das erste Objekt der Sammlung: Posthorn mit 4 Klappen.
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Inventionshorn (Doppelhorn) von F. Korn, Mainz, und der dazugehörende Koffer.
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Dreiwindige Jagdhörner.
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Kornette. Obere Reihe alle mit Schubventilen, auf der unteren Reihe auch mit Dreh-, Pump-, Scheiben- und Perinet-Ventilen.
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Harsthorn der Stadt Luzern von 1455
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Mitte: Silberne Fanfarentrompete (Blanvalet, Berlin, 1721) v. d. Schwadron Garde du Corps des Preussen-Königs Friedrich Wilhelm I.
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Zweiwindige Jagdhörner: Obere Reihe, 18. Jh.; Untere Reihe, 19. Jh.
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Es ist mir willkommen, 24 Klappenhörner und 27 Inventionshörner zu besitzen.
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Fanfarentrompeten, 17., 18. und 19. Jh.
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Bassethörner: 1. von Sautermeister, Lyon; 2. und 3. von Hirsbrunner, Sumiswald.
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Kesselpauke, Anfang 18. Jh.

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