Wenn ein Blechblasinstrument ein Publikum in seinen Bann zu ziehen vermag, dann zumeist durch seinen Klang mit all seinen Schattierungen und durch seine reichen Möglichkeiten an dynamischen Nuancen und Gegensätzen. Dies sind — nebst der Kunst der Artikulation — unsere stärksten «Waffen», denen wir sorgfältigsten Schliff schulden. Demgegenüber sollte die Wahl des musikalischen Substrates aus dem immensen Vorrat, den uns die Komponisten vermacht haben, leichter fallen. Die technische Geläufigkeit dagegen ist ein quasi mechanischer Ablauf, der sich den besagten Grundqualitäten lediglich überlagert: Als ob sie uns daran erinnern wollten, beschließen große Virtuosen ihre Konzerte gerne mit einer sehr schlichten Zugabe — so Maurice André mit Schuberts Ave Maria. Doch wann lehrt man unsere jungen Künstler nach und nach an die Öffentlichkeit zu treten, mit Werken, die ihrem Können und den Umständen entsprechen?
Sodann: Jeder von uns ist es sich schuldig, das Interesse der Komponisten — aller Gattungen und Stilrichtungen — zu fördern, auf daß die Präsenz unserer Instrumente im zeitgenössischen Répertoire gewährleistet sei. Ein von den Komponisten verschmähtes Instrument ist dem Vergessen und allmählichen Verschwinden geweiht.
Seltsamerweise scheinen Laienensembles (Blech- und Blasmusikvereine) bei dieser «Operation Überleben» ungleich energischer zuzupacken — vielleicht deshalb, weil diesen Gruppen der eisige Wind des öffentlichen Desinteresses schon länger um die Ohren pfeift.
Bei den «Profis» dagegen läßt sich bis jetzt wenig mehr als eine narzißtische Neigung beobachten, sich zu versammeln und sich bei nationalen und internationalen Seminarien und Symposien gegenseitig zu applaudieren. Hoffen wir deshalb, daß solche Zusammenkünfte schließlich doch noch zur Bewußtwerdung der realen Stellung des heutigen Musikers in der Gesellschaft führen mögen!