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Genfer Wettbewerb CIEM 1981

Leserbriefe

Genfer Wettbewerb CIEM 1981

Mit Interesse habe ich Ihren Kommentar, in Brass Bulletin Nr. 36, zum internationalen Genfer Wettbewerb 1981 (Fach Trompete) gelesen und möchte mit ein paar eigenen Bemerkungen darauf antworten.

In Ihrem Editorial werfen Sie ein paar konkrete Fragen auf:

  1. Sind die Juroren solcher Wettbewerbe befähigt, neue Talente zu entdecken?

Nach meinen Erfahrungen als Jurymitglied haben die in diese Gremien berufenen Trompeter sicherlich die Fähigkeit, neue Talente zu erkennen. Ab und zu mag, beim Urteil des einen oder anderen Preisrichters, die Vorliebe für eine bestimmte nationale «Schule» den Ausschlag gegeben haben. Doch gewöhnlich hat solch einseitige Begeisterung dann in einer andern Phase des Wettbewerbes ihr Gegengewicht erhalten. Was die Nichttrompeter unter den Juroren anbetrifft, so habe ich sie im allgemeinen als wohlwollende Musiker kennengelernt, die ihre Verantwortung sehr ernst nehmen.

  1. Sind die Veranstalter solcher Wettbewerbe zu konservativ?

Nun, zumindest in Genf und München sind die ängstlich bemüht, das Niveau der Preisträger konstant zu halten — vielleicht in unrealistischem Maße (schließlich weiß jeder gute Weinbauer, daß er nicht jeden Herbst einen Spitzenjahrgang erwarten kann — und ein Trompeter mit einer Spur mehr Säure oder Gerbstoff kann sich auf dem freien Markt dennoch gut verkaufen...).

Eine mögliche Lösung dieses Problems wäre, daß der Jurypräsident durchsetzen würde, daß großzügiger gewürdigt werde, was die Finalisten im Laufe des ganzen Wettbewerbes insgesamt geleistet haben (dies wäre besonders dann nützlich, wenn ein Kandidat in der Endrunde nicht den höchsten Erwartungen entspricht). Meiner Ansicht nach ist es für alle Beteiligten (Veranstalter, Jury und Kandidaten) höchst unbefriedigend, wenn den Finalisten keine Preise zuerkannt werden, und man sollte alles daran setzen, eine solche Situation zu vermeiden.

Damit komme ich zu der leidigen Frage des für Genf 1981 gewählten Répertoires. Ich finde den Einbezug einiger wirklich moderner Stücke eine kühne Neuerung, die aber leider bei allen Beteiligten fehlzündete. Dieses neue Element stand in einem Mißverhältnis zum übrigen Programm und machte schließlich die Chancen und Hoffnungen verschiedener offensichtlich hervorragender Bewerber zunichte, da es das Schwergewicht einseitig auf die Ausdauer legte. Und unvermeidlicherweise verdarb es auch die Darbietungen der drei Endrundenteilnehmer.

Deshalb: Laßt uns unbedingt neue Musik berücksichtigen, aber wohldosiert und immer mit Hilfe eines Experten ausgewählt (d.h. eines bekannten Praktikers auf dem Gebiet moderner Trompetenmusik).

Was Wettbewerbsprogramme im allgemeinen anbetrifft, so möchte ich alle an deren Auswahl Beteiligten daran erinnern, daß ein Trompetensolist hauptsächlich Werke J.S. Bachs (und einiger weniger bedeutender Barockkomponisten) spielen wird, sodann die Konzerte von Haydn und Hummel und einige gemäßigt zeitgenössische Konzerte oder Soli, meist aus der nationalen Komponistenschule seines Landes. Wenn man dies berücksichtigt, sollte es nicht allzu schwer sein, Wettbewerbskandidaten ein ausgewogenes Programm zu bieten.

Auf die Frage schließlich, ob Trompetenwettbewerbe in den 80er Jahren noch sinnvoll seien, möchte ich mit einem klaren «ja» antworten. Sie bilden eine der wenigen Gelegenheiten für junge Leute, sich kennenzulernen, Ideen auszutauschen und sich mit verschiedenen Stilrichtungen und Auffassungen der Solotrompetenliteratur vertraut zu machen. Solange diese Anlässe wirklich international sind, können sie sich nur förderlich auswirken. Doch müssen die Veranstalter einige ihrer Vorstellungen und Verfahrensweisen revidieren.

Zum Schluß dieser etwas lang geratenen Betrachtung darf ich noch sagen, daß ich — wie immer die «offiziellen» Resultate von Genf 1981 lauten — sicher bin, zumindest ein halbes Dutzend Spieler aus verschiedenen «Schulen» gehört zu haben, die bestimmt auf die eine oder andere Weise ihre Spuren in der Trompetenwelt hinterlassen werden.

Philip Jones (London, Januar 1982)

Brass Bulletin 37, I / 1982 Seiten 79–81

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