Meine Erlebnisse und Erfahrungen mit Kollegen und Schülern
in 50 Jahren als Trompeter und Trompetenlehrer
Von Heinz Burum
Als ich im Herbst 1929 mein Studium an der staatlichen Hochschule für Musik in Köln beendete (mein Trompetenlehrer war Herr Kammermusiker Ludwig Werle), waren fast alle Studenten, die von der Musikhochschule kamen, gezwungen, ihren Lebensunterhalt in Tanzbars oder Kaffeehäusern zu verdienen.
Mit verschiedenen Tanz- und Unterhaltungskapellen kam ich dann von Köln über Hamburg, Bremen, Hannover, Breslau, Düsseldorf, Zürich, St. Moritz usw. nach Berlin. Dort wollte ich bleiben und ließ mich als freischaffender Musiker nieder.
In diesen Unterhaltungskapellen trat ich immer als Solist auf. Dafür hatte ich vier Soli einstudiert: Karneval von Venedig und Napoli von Staigers/Bellstedt, Zigeunerweisen von Sarasate und Csardas von Monti. Da ich mit dem Karneval den größten Erfolg hatte, blies ich später nur noch diesen, oft dreimal an einem Abend.
In Fach- und Kollegenkreisen spricht sich so etwas schnell herum, und so kamen denn immer wieder junge Trompeter zu mir und fragten mich, wie man einen so guten Ansatz bekomme. Bei vielen dieser Kollegen stellte ich dann fest, daß sie das Mundstück falsch an die Lippen setzten sowie die Lippen ein- oder ausrollten.
An einen Fall in Hamburg erinnere ich mich noch sehr gut. Zu mir kam ein etwa 20-jähriger Trompeter aus Belgien, der einen zum Trompetenblasen sehr unglücklichen Kieferbau hatte (Abb. A). Der Unterkiefer lag sehr weit zurück. Man nennt einen solchen Kieferbau ein Vogelkinn. Der Kollege blies in einer Tanzkapelle zweite Trompete und war sehr musikalisch, konnte aber nur mit Mühe bis zum g" blasen. Sein Instrument hielt er ganz nach unten wie eine Klarinette. Ich riet ihm, sich doch einmal ein Mundstück anfertigen zu lassen, bei dem die untere Randhälfte 4-5 Millimeter vorsteht (Abb. B), damit die Unterlippe besseren Halt am Mundstück bekommt. Nach etwa zwei Jahren traf ich den Kollegen in Bremen, und er berichtete mir, daß er mit dem von mir empfohlenen Instrument viel besser blasen konnte. Er spielte jetzt in einer siebenköpfigen Kapelle 1. Trompete.
Ein anderer Kollege hatte sich in der Jugend durch einen Unfall an der rechten Seite der Unterlippe den Ringmuskel verletzt. Beim Blasen quoll immer an der rechten Seite die Unterlippe hervor, wie ein dicker, roter Knoten. Meine Empfehlung (Abb. C): den Mundstückrand seitlich zu verbreitern, damit die Unterlippe zurückgehalten wird.
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