Der Unterschied zwischen meiner vorliegenden Arbeit und vorangegangenen dieser Art liegt darin, dass ich die physisch-physiologische Beherrschung des Instruments in den Vordergrund stelle, nicht nur vom Ansatz im herkömmlichen Sinne (Verbindung zwischen Lippen und Mundstück) spreche, sondern den systematischen Aufbau des gesamten Komplexes beschreibe.
Dazu gehört vor allem Energieerzeugung durch permanentes Stützen und Nachschieben des Zwerchfells; ein äusserst wichtiger Bestandteil meiner Methode. Denn erst das perfekte Zusammenspiel: Stütze — Bauchmuskulatur — Zwerchfellatmung — Zwerchfelldruck — einerseits, Backen-Lippen-Zungen-Gesichtsmuskulatur andererseits, garantieren leichte Höhe, Ausdauer und Sicherheit.
Das Bewusstmachen dieser Vorgänge ist von grundlegender Bedeutung. Der technische, aber auch der musikalische Fortschritt eines Studenten hängt primär von der Leistungsfähigkeit seines Ansatzes ab.
Nur eine phänomenale Beherrschung und Kontrolle der physisch-physiologischen Struktur macht ein konstantes und diszipliniertes Üben möglich, das früher oder später zum Erfolg führt.
Lassen Sie mich deshalb mit Nachdruck darauf hinweisen, dass nur derjenige diese Blastechnik zur vollen Reife und Perfektion bringt, welcher das hierfür erforderliche Training mit viel Geduld und Disziplin als gewissenhaft durchzuführende Aufgabe betrachtet.
Rolf Quinque darf man mit Fug und Recht als einen der ganz grossen Trompeter des 20. Jahrhunderts bezeichnen. In die Musikgeschichte dürfte er dafür eingehen, dass er die extremsten Glanzstücke in der hohen Lage der Trompete (der normalen wie der kleinen) nicht nur im Aufnahmestudio bewältigt hat, wie so zahlreiche Spezialisten, sondern auch auf dem Konzertpodium.
Nicht genug, dass er Bachs halsbrecherisches 2. Brandenburgisches Konzert immer wieder mit stupender Sicherheit spielt (zum wievielten Male weiss er nicht zu sagen). Er ist auch der einzige Trompeter unserer Zeit, der die ebenso grossartigen wie haarsträubend schwierigen Konzerte von Franz Xaver Richter und Michael Haydn öffentlich aufgeführt hat — und das über vierzigmal!
Den Trompetenpart in Hans Zenders «Vexilla Regis», den alle Spezialisten der Trompeten-Stratosphäre auf Anfrage als unspielbar von sich wiesen, hat Rolf Quinque uraufgeführt und live aufgenommen.
Keine Frage: Rolf Quinque ist heute der «Virtuose des Unmöglichen», und das mit dem Talent und der Sensibilität eines Vollblutmusikers.
Doch nie hätte Quinque die verwegensten Herausforderungen der Trompetenliteratur annehmen können, wäre er den Problemen seines Instrumentes nicht auf den Grund gegangen, und die Früchte seiner Erfahrung legt er anfangs 1980 in Form seiner «ASA»-Methode im Verlag BIM vor.
Sein instruktiver Text ist luzid und bar jedes überflüssigen Gedankenganges.
Als Vorschau drucken wir hier Rolf Quinques Vorwort zu seiner ASA-(Atmung-Stütze-Ansatz)-Methode ab.
Die Redaktion