Brass Bulletin 29, I / 1980 (Seite 19–22) · 2 Min. Lesezeit
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ASA-Methode

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ASA-Methode

Meine Arbeit über druckschwaches Blasen soll nicht nur dem Studierenden sondern auch dem Anfänger sowie dem Amateur den richtigen und kürzesten Weg zu lockerem Blasen weisen. Auch mancher Orchestertrompeter, welcher von der sogenannten Druck-Methode zu einem lockeren Ansatz wechseln möchte, wird wertvolle Hinweise finden.

Sicher bin ich nicht der erste, auch nicht der einzige, der zu diesem Problem — druckschwaches Blasen — Stellung nimmt. Schon zu Bachs Zeiten, als das Clarinblasen in hoher Blüte stand, war dieses Thema aktuell. Es wurde damals schon darüber nachgedacht, geschrieben und gerätselt.

Eine Patentlösung gab es nicht, aber Trompeter — wie uns alte Überlieferungen wissen lassen — die sicherlich eine spezielle Blastechnik kannten. Johann Walther schreibt in seinem «Tonkünstler Lexikon 1732» über einen Trompeter, ich zitiere: «... der mit der grössten Leichtigkeit bis in die viergestrichene Oktave hinein wie ein Rotkehlchen habe zwitschern können.»

Es gibt aber auch Negatives nachzulesen. Gottfried Reiche, einer von Bachs Lieblingstrompetern, sagte einmal: «... mancher benutzte auch den Dämpfer, um sein kreischendes Geräusch zu verbergen.»

Wir können also mit Sicherheit davon ausgehen, dass es auch in der Barockzeit — genau wie heute — nur wenige Trompeter gab, die Spitzentöne blasen konnten wie sie in Werken von J.S. Bach (2. Brandenburgisches Konzert), F.X. Richter oder Michael Haydn, um nur einige Komponisten zu nennen, vorkommen.

Jedoch unser heutiges Wissen über die einzelnen Entwicklungsphasen, Methoden und Erkenntnisse physikalischer Art lässt den Schluss zu, einem grossen Interessentenkreis eine Blastechnik zu vermitteln, die es ermöglicht in der dreigestrichenen Oktave, ja bis zum double-high C (viergestrichenes C) — wie die Amerikaner sagen — blasen zu können.

Natürlich ist hierfür eine spezielle Blastechnik erforderlich. Die moderne Literatur, der Jazz, nicht zuletzt das Blasen auf der Piccolo-Trompete (Barockmusik) macht solch eine Technik unerlässlich.

Es gibt zwar einschlägige Literatur — Methoden, Ansatzbeschreibungen etc. —, die allerdings in wichtigen Punkten erheblich voneinander abweicht und ohne geeigneten Lehrer mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt.

Einige dieser Publikationen treffen den Kern des Problems, lassen aber den systematischen Aufbau einer Methode, der für den Studierenden eines Instruments so ausserordentlich wichtig ist, fast immer vermissen.

Andere wiederum erwecken bei vielen Bläsern den Eindruck, man könne völlig ohne Druck blasen. «Non-press», fälschlicherweise oft als drucklos bezeichnet, gibt es nicht. Es kann nur druckschwach heissen. Allerdings soll der Druck des Mundstücks auf die Lippen so minimal wie möglich sein. Durch gezieltes Üben werden dann gewissermassen mit progressivem Druck immer höhere Register erreicht.

Der Unterschied zwischen meiner vorliegenden Arbeit und vorangegangenen dieser Art liegt darin, dass ich die physisch-physiologische Beherrschung des Instruments in den Vordergrund stelle, nicht nur vom Ansatz im herkömmlichen Sinne (Verbindung zwischen Lippen und Mundstück) spreche, sondern den systematischen Aufbau des gesamten Komplexes beschreibe.

Dazu gehört vor allem Energieerzeugung durch permanentes Stützen und Nachschieben des Zwerchfells; ein äusserst wichtiger Bestandteil meiner Methode. Denn erst das perfekte Zusammenspiel: Stütze — Bauchmuskulatur — Zwerchfellatmung — Zwerchfelldruck — einerseits, Backen-Lippen-Zungen-Gesichtsmuskulatur andererseits, garantieren leichte Höhe, Ausdauer und Sicherheit.

Das Bewusstmachen dieser Vorgänge ist von grundlegender Bedeutung. Der technische, aber auch der musikalische Fortschritt eines Studenten hängt primär von der Leistungsfähigkeit seines Ansatzes ab.

Nur eine phänomenale Beherrschung und Kontrolle der physisch-physiologischen Struktur macht ein konstantes und diszipliniertes Üben möglich, das früher oder später zum Erfolg führt.

Lassen Sie mich deshalb mit Nachdruck darauf hinweisen, dass nur derjenige diese Blastechnik zur vollen Reife und Perfektion bringt, welcher das hierfür erforderliche Training mit viel Geduld und Disziplin als gewissenhaft durchzuführende Aufgabe betrachtet.

Rolf Quinque darf man mit Fug und Recht als einen der ganz grossen Trompeter des 20. Jahrhunderts bezeichnen. In die Musikgeschichte dürfte er dafür eingehen, dass er die extremsten Glanzstücke in der hohen Lage der Trompete (der normalen wie der kleinen) nicht nur im Aufnahmestudio bewältigt hat, wie so zahlreiche Spezialisten, sondern auch auf dem Konzertpodium.

Nicht genug, dass er Bachs halsbrecherisches 2. Brandenburgisches Konzert immer wieder mit stupender Sicherheit spielt (zum wievielten Male weiss er nicht zu sagen). Er ist auch der einzige Trompeter unserer Zeit, der die ebenso grossartigen wie haarsträubend schwierigen Konzerte von Franz Xaver Richter und Michael Haydn öffentlich aufgeführt hat — und das über vierzigmal!

Den Trompetenpart in Hans Zenders «Vexilla Regis», den alle Spezialisten der Trompeten-Stratosphäre auf Anfrage als unspielbar von sich wiesen, hat Rolf Quinque uraufgeführt und live aufgenommen.

Keine Frage: Rolf Quinque ist heute der «Virtuose des Unmöglichen», und das mit dem Talent und der Sensibilität eines Vollblutmusikers.

Doch nie hätte Quinque die verwegensten Herausforderungen der Trompetenliteratur annehmen können, wäre er den Problemen seines Instrumentes nicht auf den Grund gegangen, und die Früchte seiner Erfahrung legt er anfangs 1980 in Form seiner «ASA»-Methode im Verlag BIM vor.

Sein instruktiver Text ist luzid und bar jedes überflüssigen Gedankenganges.

Als Vorschau drucken wir hier Rolf Quinques Vorwort zu seiner ASA-(Atmung-Stütze-Ansatz)-Methode ab.

Die Redaktion

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