Brass Bulletin 19, III / 1977 (Seite 19–26) · 7 Min. Lesezeit
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Herbert L. Clarke (1867-1945)

Entscheidende Jahre

Teil 2

Von David Hickman

Krankheit, Zweifel, früher Erfolg: Clarkes „entscheidende Jahre“ zeigen einen unsicheren Weg — auf dem Rückschläge ihn beinahe von der Musik abbrachten.

In der vorigen Nummer des Brass Bulletin haben wir erfahren, dass Herbert Clarke schon in der Kindheit Kornett spielen gelernt hatte, und dass er davon träumte, in einer Blechbläsergruppe spielen zu dürfen. Nachdem er mit 12 Jahren in die «Queen's Own Regimental Band» von Toronto (Kanada) eingetreten war, führte ihn seine Sportliebe zum Fussballspielen. Dabei holte er sich eine schwere Erkältung und musste von Dezember bis April das Haus hüten. Das Kornett, eine Leihgabe der «Queen's Own Band», wurde ihm abgenommen und sein Posten wurde neu besetzt. Herbert durfte nach seiner Krankheit jeden Tag einige Minuten auf dem Althorn, einem alten Familieninstrument, üben. Das stärkte seine Lunge, und er erwarb die meisterhafte Blasfertigkeit, die die Macht und die Ausdauer seines Spiels kennzeichnen werden. Er spielte wieder auf Eds Kornett und arbeitete im Büro einer Arzneimittelgrosshandlung, wo er vier Dollar pro Woche verdiente. Damit wollte er Geld sparen, um sich ein eigenes Kornett zu kaufen.

Ed war Dirigent eines «road-show»-Orchesters geworden. Da der Kornettist des Orchesters aus Weigerung mitzureisen es verlassen hatte, stellte er Herbert an. Mit 15 Jahren kam Herbert mit seinen Brüdern Ed und Ern für einen ganzen Sommer nach Buffalo, danach sollten sie durchs ganze Land von einem Abendengagement zum anderen reisen. Nach einem Monat aber kehrte er aus Heimweh nach Hause zurück, des Musikerberufs überdrüssig. Er wurde in der «Queen's Own Band» wieder angestellt und rückte schliesslich zum zweiten Kornettisten vor.

Im Juni 1884 erhielt Herbert Clarke sein Schuldiplom. Familie Clarke zog nach vier Jahren in Toronto nach Indianapolis zurück — ausser Will, dem Ältesten, der eine gute Stelle in einem Warenhaus hatte. In Indianapolis hörte Herbert einen jungen Kornettisten aus Delphi (Indiana), der im «Opera House» von Indianapolis spielte, mit dem er bald Freundschaft schloss: Walter B. Rogers, mit dem er in Sousas Blaskapelle gespielt hatte. Rogers und Clarke spielten Duos, spielten gemeinsam in Umzügen, bildeten das «Schubert Brass Quartett», in dem Walter und Herbert Kornett, Ed Althorn und Ernest Posaune bliesen. Das Ensemble erhielt mehrere Engagements in der Stadt. Herbert studierte nun auch Bratsche, um im Familien-Streichquartett mitspielen zu können. Rogers gab ihm Bratscheunterricht, er war nämlich ein ausgezeichneter Geiger und hatte die Musikakademie von Cincinnati absolviert.

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