Herbert Clarke mit seinem ersten Instrument.
Als erstes Instrument bekam Herbert eine Trommel. Er marschierte dann auf dem Rasen, schlug seine Trommel und sang dazu. Damals entstand in ihm der Wunsch, in einem richtigen Orchester mitzuspielen.
Einige Zeit später erhielt er die Erlaubnis, einige der Blasinstrumente zu spielen, die zur Sammlung der Familie Clarke gehörten: eine F-Tuba, ein Klappenflügelhorn, ein Posthorn mit Drehventilen, ein altes Kornett und eine Baryton-Ophikleide. Nach mehreren enttäuschenden Versuchen wurde es Herbert klar, dass diese Instrumente in zu schlechtem Zustand waren, um noch gespielt zu werden, auch wenn er die undichten Stellen mit Bienenwachs zustopfte.
Seinen vier Ältesten kaufte der Vater Miniaturgeigen und gab ihnen den ersten Musikunterricht. Er liess nicht den geringsten Fehler durch. Sein Grundsatz war, dass bei Anfängern keine Nachlässigkeit geduldet werden dürfe, ebensowenig wie man es einem Schulanfänger nicht erlauben dürfe, das Ergebnis einer Multiplikation zu erraten.
Auf der Geige entwickelte Herbert wenig Begabung, er zeigte mehr Interesse für das Baseballspiel und andere Sportarten.
Im Jahre 1867 übersiedelten die Clarkes nach Indianapolis, Ind., wo der Vater Kirchenorgeln herstellen sollte und den Organistenposten an der Robert's Park Kirche erhalten hatte. Herbert wurde dort eingeschult. Der Lehrer schimpfte oft, weil er auf seinem Tisch trommelte.
Er trat in eine Baseball-Kindermannschaft ein und wurde zu den meisten Spielen gerufen, weil er für sein Alter eher gross war. Eines Tages brach er sich einen Finger der rechten Hand, was sein Leben lang die Fingerfertigkeit beim Spielen leicht beeinträchtigte.
Die vier älteren Clarke Brüder. Von links nach rechts: Herbert, Ernest, Edwin und William.
Wieder wurde umgezogen, diesmal nach Somerville, einem Vorort von Boston, Mass., wo W. H. Clarke Organist am Tremont Temple wurde. Edwin stellte ein kleines Schulorchester mit etwa acht bis zehn Jungen auf, die bei ihm zu Hause nach der Schule übten.
Ernest fing an, die F-Tuba aus der Familiensammlung zu blasen, weil er in diesem Orchester mitspielen wollte. Herbert, der auch gern Blechbläser geworden wäre, konnte auf den übrigen Familieninstrumenten nichts erreichen.
Als Herbert zwölf Jahre alt war, zog die Familie nach Toronto (Kanada), da der Vater die Organistenstelle an der Baptistenkirche in der Jarvis Street übernehmen sollte. Ernest bewarb sich mit Erfolg um einen Tubistenposten in der Band des Regiments Queen's Own Rifles. Ed trat auch in diese Band ein, als Kornettist, und Will kam später als Posaunist (Ventilposaune) hinzu.
Herbert hörte seinem Bruder Ed zu, wenn er nach Arbans Kornettschule übte. Ed spielte auf einem Silberkornett, das er besonders schätzte, weil es dem berühmten «Mat» Arbuckle gehört hatte (siehe BRASS BULLETIN Nr. 12). Herberts Wunschtraum war es, Kornett zu spielen, er durfte aber das Instrument seines Bruders nicht berühren.
Diesmal stellte Herbert ein Kinderorchester auf, in dem er die Geige spielte und das er dirigierte. Sie übten zu Hause, spielten in der Stadt, in der Kirche bei Clubversammlungen — danach bekamen sie kostenlos eine Mahlzeit.
Mit dreizehn Jahren wurde er zweiter Geiger des «Philharmonie Society Orchestra», eines Laienorchesters, das von Dr. F. H. Torrington dirigiert wurde. Dort lernte er Orchestermusik spielen und hörte grosse New Yorker und Bostoner Solisten.
Inzwischen interessierte sich sein Bruder Ed für die Geige und organisierte sein eigenes Kinderorchester. So fand Herbert Gelegenheit, auf Eds Kornett zu spielen, das jetzt vernachlässigt wurde. Ed gab seinem Bruder Herbert Kornettunterricht und bald darauf spielte dieser als Kornettist in Eds Orchester.
Pro Abend, wenn sie in einer neuen Gastwirtschaft auftraten, verdiente Herbert in Eds Orchester 50 cents. Er spielte auch als Aushilfe im «Philharmonie Society Orchestra». Er begann, für ein eigenes Kornett zu sparen.
Herbert spielte dem Dirigenten der «Queen's Own Regimental Band», Herrn John Bayley, vor, wurde aufgenommen und erhielt den zwölften Posten im zwölfköpfigen Kornettregister dieser Band. Er wurde mit einem Kornett und einer Uniform ausgestattet und leistete schon mit vierzehn Jahren den Fahneneid, da Herr Bayley ihn für achtzehnjährig hielt (Mindestalter, um in den Militärdienst einzutreten).
Herbert spielte auch Kornett in Kirchen und marschierte oft in Umzügen mit der «Queen’s Own Band» mit. Dabei verdiente er netto einen Dollar pro Umzug. Dieses Geld sollte ihm zu seinem eigenen, heissersehnten Kornett verhelfen.
Im Herbst trat Herbert in eine Fussballmannschaft ein. Er machte so leidenschaftlich mit, dass er sich zwischendurch immer wieder auf den kühlen Boden legte, um sich zu erfrischen. Er erkältete sich und wurde ernsthaft krank. Von Dezember bis April musste er zu Hause bleiben, er durfte in der Zeit nicht mehr Kornett spielen, in der «Queen’s Own Band» wurde er ersetzt, das Kornett wurde zurückgegeben. Man brachte ihm die Schulaufgaben nach Hause, damit er vom Unterricht nicht zuviel verpasse. Herbert war sehr niedergedrückt, vor allem weil er nicht mehr spielen durfte.