James Stamp, eine subtile Pädagogik
Von Alfred Willener
Schon mehr als zehn Jahre sind es her, seit ich zufällig auf das Wirken Jean-Pierre Mathez' aufmerksam wurde. Er kam damals, auf Konzerttournee mit seinem Programm «Die Entmilitarisierung der Trompete», in Paris vorbei. Mathez hat diesen seinen «Feldzug» mit weiteren Taten fortgesetzt, vorerst mit der Herausgabe seiner aus einer völlig neuartigen Gesinnung heraus verfaßten, anti-autoritären Trompetenschule (Universal-Edition, Wien), sodann mit mehreren Anstrengungen, die Pädagogik James Stamps zu verbreiten: Veranstaltung von Meisterkursen, Herausgabe der Warm-ups (Einblasübungen) bei Bim und technischer Ratschläge in Brass Bulletin.
Doch wer wollte leugnen, daß nach wie vor die kriegerisch-triumphale Trompete die Szene beherrscht. Noch immer werden uns die sportlichen Drills trompeterischer Body-building-Programme, der Run auf laute und hohe Töne als Heilsweg angepriesen. Doch es gibt auch eine Gegenströmung dazu, die von Brass Bulletin nach Kräften unterstützt wird und innerhalb derer James Stamp eine zentrale Stellung einnimmt. Er zielt auf künstlerisches Trompetenspiel ab, indem die Pädagogik als Kunst praktiziert.
Als «Kliniker» (wie man in den USA sagt), der auf jeden einzelnen Schüler einzugehen versteht, ist Stamp kein Freund von Geschriebenem. Viele Benutzer der Warm-ups kennen seine Spiel-Strategien nur sehr fragmentarisch. Die nachfolgenden Aufzeichnungen — allzu knapp auch sie — möchten diese oder jene Ergänzung beisteuern. Sie entstanden auf Grund meiner Beobachtungen während Stamps Kurs in Moudon 1977 und während eines persönlichen Gesprächs.
Wann haben Sie zu unterrichten begonnen?
Ich unterrichtete schon, bevor ich in einem Symphonieorchester saß. Und anscheinend hat dabei immer etwas herausgeschaut, obschon ich damals noch nicht alle Methoden von heute hatte — es kam immer ein ähnlicher Klang heraus.
Später kriegte ich dann ein paar weniger begabte Schüler und merkte, daß die das, was bei den meisten andern bestens funktionierte, einfach nicht mitkriegten. Zu unterrichten begann ich nach dem Krieg in Los Angeles, während meines Armeestipendiums, als die Musikschulen gut bei Kasse waren. In kürzester Zeit hatte ich ein Riesenpensum beisammen. Und irgendwie hatte ich als Lehrer Erfolg und machte mir deshalb einen Namen. Außer ein paar Blechbläserkursen an Schulen, wo alle Anfänger hinkamen, gab ich nur Privatunterricht.
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