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Ratschläge eines Meisters: Robert Pichaureau, Paris

Was, wenn alles, was Sie kontrollieren, falsch ist? Dieser radikale Ansatz verlagert den Fokus weg vom Ansatz — zurück zum Ursprung von Atem und Klang.
Ratschläge eines Meisters: Robert Pichaureau, Paris

Robert Pichaureau

Dass ein Schüler diesen Artikel schreibt, kann umstritten werden: Ich kann nur über meine Erfahrung und meine Beobachtungen während der Unterrichtsstunden, denen ich beiwohnte, berichten. Ausserdem ist es widersprüchlich, die Erfahrung einer Neuerlernung mitteilen zu wollen, weiss man doch, wie sehr individualisiert ein solcher Unterricht sein muss. Ein Kliniker hat aber eine Methodik, eine Technik, vielleicht eine philosophische Denklinie, und wenn er nicht gern selbst darüber spricht, dann kann ein Schüler es tun¹. Ich kann auch Stellen aus Lehrbüchern zitieren und damit Referenzen geben, die die Kommunikation erleichtern.

Ein Kliniker hat einem grossen Solisten, der sich dem Unterrichten nicht so ausschliesslich widmet, voraus: erstens, dass er den Lernprozess zu zerlegen vermag, ohne jedoch seinen globalen Charakter ausser Betracht zu lassen; zweitens, dass er die Möglichkeiten kennt, die es dem Schüler erleichtern, das intellektuelle Verständnis jenes Prozesses seinem Wesen zu integrieren; und drittens, dass er jederzeit weiss, wo die Schwächen seiner Schüler liegen und wie der Fortschritt eingeleitet werden kann.

I. Die Maske

Man spricht zuviel vom Instrument, vom Mundstück, von den Lippen, von der Zunge, von der Kehle, und nicht genug von dem wahren Ursprung: vom «Entstehungspunkt der Luftsäule». Freilich ist alles wichtig, die besten Fachleute wiederholen es oft genug. Der physikalische und musikalische Erfolg der Klangerzeugung hängt von der Synthese aller Elemente ab. Von einer Synthese, die aber nicht das Ergebnis einer einfachen Addition der Elemente ist. Die schreckliche Not vieler Blechbläser, ob fortgeschritten oder nicht, beweist klar genug, dass das Problem nicht gelöst ist.

Pichaureau meint, dass man die Aufmerksamkeit zu sehr auf die obere Hälfte konzentriert hat, auf das, was vorne, zum Instrument hin, geschieht. Man soll zurückkehren, Aufmerksamkeit und bewusste Anstrengungen von der Kopfzone abwenden — jedenfalls eine Zeit lang. Man kann ja hin und wieder kontrollieren, was dort vor sich geht. Pichaureau sagt, dass diese obere Hälfte wie eine «Maske» sein soll, und er betont diesen Begriff. Man setzt die Maske auf (Instrument, Mundstück — die Zunge bogenförmig, hinter den unteren Zähnen verankert, siehe Colin —, Kopfhaltung). Dann denkt man nicht mehr daran, rührt nicht mehr daran, hat in dieser Zone keinen Willen mehr.

Erster Ratschlag von Pichaureau ist also: die Aufmerksamkeit von der oberen Zone abwenden.

Zweiter Ratschlag: die Aufmerksamkeit auf die Entstehung der Luftsäule und deren Entstehungspunkt richten.

Dritter Ratschlag: das Bewusstsein der Entwicklung der Luftsäule und deren Lokalisierung nie verlieren.

Natürlich kann ich nur in grossen Zügen aufzeichnen, wie Pichaureau einem das verständlich macht.

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Brass Bulletin 18, II / 1977 Seiten 19–25

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