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Roger Delmotte

Französischer Trompeter

Roger Delmotte spricht über die französische Trompetenschule, den Wandel des Orchesterklangs und die Ausbildung junger Musiker für Orchester und Wettbewerbe.
Roger Delmotte

Roger Delmotte

Roger Delmotte nimmt einen besonderen Platz in der Welt der französischen Trompeter ein. Der legendäre Solotrompeter der Pariser Oper während 35 Jahren ist während seiner ganzen Karriere für alle Neuheiten offen geblieben, neugierig und aufmerksam auf jede neue Entwicklung. Dies hat ihm sicherlich jene erstaunliche Jugend des Geistes und des Körpers beschert.

Roger Delmotte wurde in Roubaix, in Nordfrankreich, geboren. Dort erhielt er auch ersten Musikunterricht, bevor er sein Musikstudium am Pariser Konservatorium abschloss (erster Preis für Trompete 1946). 1950 war er der erste Trompeter, dem beim internationalen Wettbewerb in Genf ein erster Preis verliehen wurde. Im selben Jahr wurde er Professor am Konservatorium in Versailles, wo er immer noch unterrichtet.

1951 errang er die begehrte Stelle des ersten Solotrompeters im Orchester der Pariser Oper. Von da an spielte er häufig als Solist mit den grossen Pariser Symphonieorchestern. Es war der Beginn einer schönen Solistenkarriere, die ihn durch ganz Frankreich wie auch ins Ausland führte und Höhepunkte an zahlreichen internationalen Festspielen fand. Ihm sind zahlreiche neue Werke für Trompete gewidmet, die er uraufgeführt hat: Schmitt, Jolivet, Delerue, Moeschinger, Barraud, Ohanna, Bondon, usw.

1943 «Symphonie du Favreuil», Roubaix (Orchestre de l’Usine Glorieux).

1943 «Symphonie du Favreuil», Roubaix (Orchestre de l’Usine Glorieux).

Nadia Boulanger engagierte ihn in ihrem Ensemble für alte und neue Musik. Mit dem verstorbenen Pierre Cochereau zusammen, dem Organisten von «Notre Dame de Paris», erfand er die heute so populäre Kombination von Trompete und Orgel. 1976 gründete er sein Blechbläserensemble und unternahm Tourneen in Europa und Südafrika.

Der begnadete Lehrer (er kann seine Schüler begeistern und ihnen den tieferen Sinn einer Ausführung erschliessen) hat sich nach seiner Pensionierung vom Opernorchester ganz dem Unterricht verschrieben (Sommerkurse und Seminarien in Basel, Biel, Nizza, Sitten, Salzburg, Tokio, usw., und seit 1986 unterrichtet er eine Berufsklasse von hohem Niveau am Konservatorium von Lausanne in der Schweiz).

Roger Delmotte ist sehr häufig Mitglied der Juries internationaler Wettbewerbe. Er ist künstlerischer Leiter des Wettbewerbs von Toulon. Die französische Regierung hat ihn zum Ritter der Ehrenlegion und zum Ritter des Ordens der Künste und Wissenschaften ernannt.

Interview

BRASS BULLETIN: Bei der Betrachtung einer solch grossartigen Karriere wie Ihrer, was möchte man am ehesten seinen Schülern weitergeben, z.B. heute jenen am Konservatorium in Lausanne?

Roger Delmotte: Auf unserem Instrument ist es viel wichtiger, eine Berufsvorbereitung zu betreiben, d.h. die Stelle eines Orchestertrompeters anzuvisieren, als sich Träumereien hinzugeben und einige Konzerte mit Trompete und Orgel oder Trompete und Orchester zu machen. Man muss Realist sein! Wieviele solistische Trompeter gibt es auf der Welt? Wieviele können wirklich davon leben? Sehr wenige, geben wir es zu! Man muss den Nachwuchs hinführen zur Integration in ein Trompetenregister eines Orchesters. Und da die Probespiele im Orchester — leider — für die erste oder vierte Trompete genau gleich sind, muss man sie dementsprechend vorbereiten.

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Brass Bulletin 59, III / 1987 Seiten 48–55

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