Konzerthorn, mit Zylinderventilen, von Riedl, Graslitz, um 1875
Einen besonders breiten Raum nahmen die Jagdhörner ein. Vom urigen Parforce-Horn in D aus dem 18. Jahrhundert, einem einwindigen Dampierre-Horn bis zum zierlich in Silber gearbeiteten Ladies’ hunting horn (England) aus dem 19. Jahrhundert war eine Vielfalt an Parforce-Hörnern und Trompes de chasse aus Frankreich, Deutschland und natürlich auch aus Böhmen zu besichtigen. Auch zeitgenössische Parforce-Hörner, vornehmlich aus deutschen Werkstätten, Fürst Pless-Hörner und ein alter Sauerländer Halbmond zeugten von der intensiven Pflege des Jagdhornblasens in Deutschland.
Entwicklung des Infanteriehornes, Preussen, ca. 1840
Als Kuriositäten fand man auch Post-, Coach-, Feuerwehr- und Infanteriehörner, Kavallerie- und Fanfaretrompeten aus ganz Europa. Eines der Coach-Hörner, signiert mit dem Wappen der englischen Krone, stammt aus dem Buckingham-Palast und wurde dem Leihgeber von Prinz Philip als persönliches Geschenk gemacht. Nicht vergessen werden sollen die teilweise skurrilen Klappen- und Grifflochhörner, wie Fingerpipa (Schweden), Sopranzink, Corno muto, dann der bedrohliche Serpent, ein Klappenhorn in C und schliesslich ein monumentales Bassklappenhorn, die Ophikleide. Herrliche alte Konzerthörner um 1800 mit Holzkoffern und bis zu 7 Aufsatzbögen aus Frankreich, Österreich und Deutschland, ein Kombinationshorn (1844) mit 2 Stölzel-Ventilen und ein Wiener Horn aus dem 19. Jahrhundert, mod. Nachbau von Yamaha, führten zurück in die Anfänge des Konzerthornes. Auch moderne Instrumente von Alexander, Finke und das interessante Hamburger Lehmann-Doppelhorn, das von Lidl in Brno nachgebaut wurde, rundeten diesen Teil der Ausstellung ab.
Es war gestattet Instrumente anzublasen (hier Michael Höltzel und junge Besucher).
Eine besondere Erwähnung sei dem Kuhlo-Horn, einem kreisrunden Flügelhorn in B gewidmet, das nur einen kleinen, aber, wie mir scheint, sehr wichtigen Platz in dieser Sammlung einnahm. Dieses Posaunenchorinstrument mit seinem wunderschönen weichen, zwischen Horn und Trompete stehenden Klang war — und ist heute leider nur noch vereinzelt — das Sopran- und Altinstrument der Posaunenchöre, das inzwischen weitestgehend von billigen und entsprechend quäkenden Pumpenventiltrompeten verdrängt wurde.
Konzerthorn von Guichard, Paris, um 1844
«Stars» der Ausstellung waren wohl das holländische Porzellanhorn und das traumhaft schöne, bereits erwähnte, Kombinations-Horn aus Frankreich, das als einziges Exponat auch das Auge derjenigen erfreute, die nicht zur Ausstellung kommen aber wenigstens eines Katalogs habhaft werden konnten. Es prangt, seine reich bemalte Stürze voraus, auf dessen Einband und lockte jeden Hornliebhaber, der es irgendwie ermöglichen konnte, in diese bemerkenswerte Ausstellung. Ganz besonders muss erwähnt werden, dass es sich bei dieser Ausstellung nicht nur um die Präsentation der Exponate handelte, sondern es war gewissermassen eine Schau «zum Anfassen». Nicht nur, dass bläserische Veranstaltungen an verschiedenen Tagen, darunter 2 Matineen mit beachtlichem Niveau stattfanden, sondern die Besucher konnten auf einer Reihe der Instrumente auch selber blasen. Dazu wurde die Ausstellung ständig von Fachleuten betreut, die für Auskünfte und Fragen zur Verfügung standen sowie auch gern Führungen machten. Dadurch entstand ein enger Kontakt zwischen Ausstellung und Besuchern.
Kurzes Jagdhorn und Damenjagdhorn (England)
Es nähme zu viel Raum ein, alle Sammler, Museen, Firmen und Institutionen zu erwähnen, die ihre Instrumente als Leihgaben zur Verfügung stellten. Ohne derartige grosszügige Unterstützung wäre diese Ausstellung aber gar nicht möglich gewesen.
Büffelhorn mit Metallstürze und Beschlag, England um 1900
Ausserordentlich erstaunlich ist, dass eine auf so hohem Niveau stehende kulturhistorische Ausstellung nicht, wie man erwartet hätte, aus dem Kreise der Musikfachleute, sondern von den «Jägern» veranstaltet wurde. Man vermutet doch unter den Jagdhornbläsern (allein in der Bundesrepublik schätzt man die Zahl auf 40 000), die ja ein Eigenleben am Rande der «grossen Bläserwelt» führen, kaum Experten, wie sie für die Gestaltung und Durchführung eines solchen Unternehmens notwendig sind. Dem Landesjagdverband Hamburg als Veranstalter und dem Deutschen Jagdschutzverband als Herausgeber der Sonderschrift möchte ich meine Anerkennung aussprechen.