Brass Bulletin ist jetzt auch auf Italienisch und Spanisch verfügbar.
Brass Bulletin 44, IV / 1983 Seite 13–15 · 3 Min. Lesezeit

11. internationaler Akustik-Kongress

11. internationaler Akustik-Kongress

Die Konferenzen über die Blechbläser

Im Juli fand in Paris der 11. internationale Akustik-Kongress (ICA) statt. In diesen Kongressen bemüht man sich, möglichst alle Bereiche der Akustik abzudecken. Diese Wissenschaft betrifft in der Tat eine Vielzahl verschiedener Disziplinen, die untereinander durch das Studium der Schallwellen und ihrer Wirkungen verbunden sind: die Physik, die Mechanik, die Physiologie, die Soziologie, der Städtebau usw. Die Kenntnisse der Akustik sind verteilt auf zahlreiche Gebiete, wobei dasjenige, das uns betrifft, die musikalische Akustik ist. In dieser Disziplin begegnet man akustischen Phänomenen, die mit der Musik verbunden sind, wie Entstehungsmechanismen in den Musikinstrumenten, Wahrnehmung musikalischer Charakteristiken die Akustik des Zuhörerraums, synthetische Musik und viele andere.

Es gab ein paar Referate, die die Blechbläser betrafen. Wir werden im folgenden diese Arbeiten kurz darstellen, um einige Themen der gegenwärtigen Forschung aufzuzeigen. Man darf nicht vergessen, dass die Parameter des Instrumentalspiels, die dem Musiker selbstverständlich sind, für den Forscher noch ein Rätsel darstellen. Wir sind noch nicht an jenem Punkt angelangt, wo zum Beispiel der gesamte Instrumentenbau oder die Mechanismen der Tonerzeugung restlos bekannt sind. Es wird eine kleine Zusammenfassung dieser Referate angeboten. Diejenigen Leser, die sich für weitere Einzelheiten interessieren, verlangen am besten die Protokolle des Kongresses, die in der Akustik-Revue Galf veröffentlicht wurden.

1) Impuls-Reflexion bei Blechblasinstrumenten. (Pulse Work on Brass Instruments)

Duffield Anne - Department of Physics, University of Surrey, Guildford, Surrey, GU2 5XH, England

Goodwin John - Royal National Ear, Nose & Throat Hospital, Gray’s Inn Road, London, WC1X, England

Im Augenblick gibt es noch keine Möglichkeit, festzustellen ob alle Blechblasinstrumente am Schluss einer Herstellungs-Produktion identisch sind. Die Referenten schlagen eine Methode vor, bei der man kurze Schall-Impulse in das Instrument einführt und ihre zeitlichen Reflexionen aufzeichnet. Dadurch wird es möglich, zwei Instrumente aufgrund ihrer inneren Form genau zu vergleichen. Diese Arbeit könnte wichtige Anwendungsbereiche finden.

2) Gedanken zu den Schwierigkeiten bei der Einschätzung eines Blechblasinstrumentes. (Thoughts on the Difficulty of Assessing Brass Instruments)

Bowsher John M. - Department of Physics, University of Surrey, Guildford, Surrey, GU2 5XH, England

Es handelt sich um einen kurzen Überblick über die Probleme, denen man begegnet, wenn man die subjektiven Parameter, die von den Instrumentalisten und Hörern angewendet werden, zu verbinden versucht mit den objektiven Parametern, die mit Hilfe von physikalischen Instrumenten bestimmt werden können. Der Autor legt das Schema zu einem Kontroll-System für die Tonerzeugung auf Blechblasinstrumenten vor. Wenn man dieses Modell studiert, wird einem erst recht bewusst, wie gross die Abweichungen der gespielten Blechblasinstrumente aufgrund der physikalischen und psychologischen Experimente sind. Darauf wird man eingeladen, zu diesem Modell Fragen zu stellen, damit man diesen komplexen Mechanismus in seinen einzelnen Teilen besser verstehen lernt.

3) Schwingungs-Eigenarten der Stürzen von Blechblasinstrumenten (Vibration Characteristics of Brass Instrument Bells)

Bowsher John M. - Department of Physics, University of Surrey, Guildford, Surrey, GU2 5XH, England

Watkinson Peter S. - Institute of Sound and Vibration Research, The University, Southampton, Hants SO9 5NH, England

Dieses Referat befasst sich mit einer Präliminar-Studie der Schwingungseigenheiten der mathematischen Strukturen der Posaunenstürze. Mit der Technik des Fertigelementes berechnet man die Reaktion der Modi, wenn diese akustisch erzeugt werden. Ein wichtiger Schluss, der aus dieser Schwingungsanalyse gezogen werden kann, besteht darin, dass ein Modus proportional zu seinem Asymmetriegrad erzeugt wird. Das heisst, dass die Eigenheiten der Stürze, die zu asymmetrischen Modi führen, anfänglich wichtig sind. Bei der Posaune sind in erster Linie die Querstege von Bedeutung, aber andere Faktoren wie ein Schnitt, der nicht rund ist, können dazwischentreten.

4) Durch Dämpfer verursachte Transformationen des Klangspektrums bei der Familie der Blechblasinstrumente (Transformations introduites par les sourdines sur le spectre sonore des instruments de la famille des cuivres)

Causse René, Sluchin Benny - Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique (IRCAM), 31, rue Saint-Merri, 75004 Paris, France

Die Dämpfer der Blechbläser schwächen den Ton nicht nur ab, sie verwandeln ihn auch, indem sie seinen Spektralinhalt und seine Richtwirkung verändern. Dieser Bericht befasst sich nur mit den Transformationen, die in den verschiedenen Instrumentenfamilien auf das externe Spektrum ausgeübt werden. Zuerst werden die Resultate über die Richtwirkung der verschiedenen Dämpfer dargestellt. Das externe Spektrum hängt direkt mit dem Ort zusammen, wo der Ton eingefangen wird. Eine einfache Methode (des mittleren Spektrums) zum Studium dieser Transformationen wird beschrieben, und anschliessend werden die erhaltenen Ergebnisse dargestellt.

5) Akustische Studie zur multiphonischen Emission bei Blechblasinstrumenten (Etude acoustique de l’émission multiphonique des cuivres)

Castellengo Michèle - CNRS, Laboratoire Acoustique, Université, Paris VI, 4, Place Jussieu, 75005 Paris, France

Causse René, Sluchin Benny - IRCAM, 31, rue Saint-Merri, 75004 Paris, France

Der sogenannte «normale» Anstoss bei einem Blasinstrument besteht im Aushalten eines gegebenen Obertones. Der Klang, der dabei entsteht, ist periodisch. Die «Multiphonie» entsteht, wenn es möglich wird, mehrere Tonhöhen in der Ansprache eines ausgehaltenen Tones zu unterscheiden. Im allgemeinen entspricht sie der Erzeugung mehrerer nicht harmonischer Teiltöne. Die beschriebenen Phänomene sind bei allen Blechblasinstrumenten zu beobachten und bestehen in einer rein labialen Ansprache (die Stimme nimmt nicht daran teil). Auf einem gegebenen Oberton «dezentriert» der Instrumentalist den Ton, wobei er den Luftdruck im Mund aufrechterhält. Die multiphonische Emission vermittelt die Empfindung eines «gerollten» Tones und ist eng mit dem anfänglichen Oberton verbunden. Das multiphonische Phänomen wird dann auf konsequente Art und Weise erklärt; es hängt lediglich von der Frequenzbeziehung zwischen den beiden benachbarten Obertönen ab: demjenigen, der der Art der Ansprache entspricht, und demjenigen, der unmittelbar darunterliegt. Eine Analyse wird gegeben und zudem das Problem der Perzeption diskutiert.

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1983–2026

Artikel teilen

Facebook LinkedIn
Wird geladen…

Im Brass-Bulletin-Archiv suchen.