Auf der andern Seite gibt es diejenigen, die in ein paar wenigen Minuten die innere Leistungsfront einholen und die auf diese Weise jede Schwierigkeit und jeden Widerstand überwinden. Diese haben sich die passenden Werkzeuge erarbeitet — oder haben sie erhalten — um sich damit ein reiches und fruchtbares Leben zu schaffen. Ein spannendes Leben auf der Suche nach sich selber.
Das Gleichgewicht zwischen Wissen und Können, zwischen der Unwissenheit und dem Unvermögen, das auf diese Weise erworben wird, erlaubt die Bewegung, die Entwicklung auf die andern zu und auf die eigene Wahrheit. Wenn dieser subtile Schritt einmal unternommen worden ist, so hat er nichts mehr gemeinsam mit dem Ehrgeiz, der nach Rängen schielt. Es ist nicht mehr wichtig, dass man der Beste wird, sondern einfach dass man besser wird im Vergleich mit dem, was wir schon wissen und können.
Dieser Schritt — man verstehe mich recht — ist nicht leicht. Oft werden wir dabei hin- und hergeworfen, sind unbeständig und können sogar in die Verzweiflung geführt werden (was sich derjenige erspart, der sich nicht mehr «bewegt»...).
In diesen Augenblicken kann dann die Freundschaft unter Musikern, unter den Menschen guten Willens, entscheidend sein und nützlich.
Derjenige, der unterrichtet, zum Beispiel, muss wissen, dass jedes Stadium der Entwicklung einem Abenteuer gleichkommt. Der Meister kämpft an der Front der Unwissenheit genau wie sein Schüler, der noch Anfänger ist. Das einzige Band, das uns in der Einsamkeit unserer individuellen Wege vereinigen kann, ist dasjenige, das durch die Freundschaft geknüpft wird (was den Respekt vor der «Arbeitsfront» des andern einschliesst, sowie die Hingabe seiner selbst, das heisst dessen, was wir selber schon erreicht haben).
Alle andern Formen der Übertragung, ob sie nun Furcht, Unterwerfung oder Abhängigkeit auslösen, erzeugen den fatalen Wettlauf der Eitelkeit nach vergänglicher und anmassender Ruhmsucht. Ein Wettlauf, bei dem man die andern zu erdrücken versucht.
Der Bereich der Musik ist leider oft immer noch verbarrikadiert durch Leute, die unfähig sind und dabei begeistert vom Prestigedenken.
Aber ich bin überzeugt, dass sich unmerklich neue Formen der musikalischen Praxis entwickeln, die weniger extravertiert sein und es den Musikern erlauben werden, mehr Gemeinschaft zu pflegen und untereinander im Gespräch zu bleiben.
Bei den Blechmusikern und für sie entwickelt sich mehr und mehr die Kammermusik. Sie eröffnet ihnen unerwartete Quellen. Das Publikum wird (wieder) zweitrangig. Man spielt ihm nicht ein Programm vor, sondern es kommt, um an einem Ereignis teilzunehmen, das sich durch die vergeistigte Gemeinschaftsarbeit einiger Freunde auszeichnet, die sich vereinigt haben in der Kunst, das Unsagbare zu singen.
Was dem Gedanken (und der gesprochenen Sprache) unfassbar ist, offenbart sich durch die Töne und die Pausen.
Welches Vorrecht, ein Musiker zu sein!