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Die jährlichen Abschlusswettbewerbe des Pariser Konservatoriums

Die jährlichen Abschlusswettbewerbe des Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique sind aus Frankreichs Musiktradition nicht wegzudenken. Seit ihrer Einführung im Jahr 1793 (für Blechbläser schon Anfang des 19. Jahrhunderts) laufen sie alljährlich nach demselben Schema ab.

Traditionsgemäß werden einen Monat vor dem Wettspieltag die Pflichtstücke angeschlagen. Es sind dies jeweils zwei Werke: ein in der Regel eigens in Auftrag gegebenes zeitgenössisches Stück, das also beim concours seine Uraufführung erlebt, sowie ein «Klassiker» aus einer Jahre zuvor erstellten Liste von morceaux de concours.

Die Wettbewerbe des Jahres 1980/81 fanden im Mai und Juni 1981 statt, mit folgenden Pflichtstücken:

Trompete: G. Enesco, Légende; G. Calvi, Concerto (Verlag Leduc)

Cornet à pistons: Ph. Gaubert, Cantabile et scherzetto; P. Durand, Variations (Verlag Combre)

Horn: W. A. Mozart, Rondo KV 371; Othmar Schoeck, Konzert (2. und 3. Satz)

Posaune: E. Bigot, Variation; O. Gartenlaub, Trois caractères (Verlag Hortensia)

Baßposaune: R. Fayeulle, Bravaccia; P. Lantier, Introduction, Romance et Allegro

Tuba: J. Semler-Collery, Barcarolle et chanson bachique; R. Planel, Air et Final

Saxhorn: M. Bitsch, Impromptu; J. Castérède, Sonatine

Zu bemerken ist, daß dieses Jahr — aus finanziellen Gründen oder auf Grund der Bewerberzahlen — nur für Trompete, Cornet und Posaune neue Pflichtstücke bestellt worden waren.

Die meisten Werke folgen dem herkömmlichen Pflichtstück-Schema: Einleitung — Andante — Kadenz — Allegro.

Das Publikum bei den öffentlichen Wettspielen besteht vor allem aus Klassenkameraden der Kandidaten, ehemaligen und jüngeren Schülern und Berufsmusikern.

Zuerst spielt ein Kandidat nach dem andern das «alte» Stück; im zweiten Durchgang folgt dann das Auftragswerk.

Die Jury besteht im allgemeinen aus einem Vertreter der Schulleitung, einem Komponisten und fünf Instrumentalisten (davon höchstens drei aus dem eigenen Haus). Vorerst entscheidet das Gremium jeweils für jeden Preis, ob er überhaupt vergeben werden soll. Der Präsident der Jury gibt das Resultat bekannt. Darauf werden durch Mehrheitsbeschluß die Preise zuerkannt, vermittels Listen, auf die jeder einen Namen schreibt.¹

Wer einen ersten Preis erhalten hat, verläßt das Konservatorium, um seine Berufslaufbahn anzutreten, und in der Klasse (die aus höchstens 12 Schülern besteht) wird ein Platz frei. Dieser wird dann in einem Eintrittswettbewerb vergeben, bei dem beträchtlicher Andrang herrscht.

Alles in allem: ein altehrwürdiger Brauch und ein schöner Anlaß zur Begegnung. Wie zweckmäßig dieser Concours für den Werdegang des Musikers ist, der ja meist in ein Orchester eintreten wird, ist eine andere Frage und verdiente eine Erörterung.

¹ C. Pierre, Le Conservatoire National de Musique et de Déclamation. Documents historiques et administratifs. Imprimerie Nationale, Paris, 1900.

Brass Bulletin 37, I / 1982 Seiten 47–48

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