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Ein Gespräch mit Rolf Quinque

Ein Gespräch mit Rolf Quinque

Rolf Quinque

Rolf Quinque, der bekannte Trompeter, ist heutzutage einer der besten Spezialisten für hohe Trompete. Als Student war er allerdings ein Kraftbläser, der auf diese Art vieles blasen konnte, sogar Bachs 2. Brandenburgisches Konzert — und zwar mit einem gewöhnlichen B-Trompetenmundstück!

Dieses Gespräch geht über seine Umstellung auf ein bewusst gezieltes, beherrscht-lockeres Blasen.

Rolf Quinque ist 1927 in der Nähe von Leipzig (DDR) geboren, wo er bei Prof. Heinrich Täubig (einem Spezialisten für hohe Trompete) an der Hochschule sein Diplom machte. Während des Studiums war er bereits im Philharmonischen Orchester Leipzig tätig, anschließend in Erfurt, im Gewandhausorchester Leipzig und (1956) bei den Münchner Philharmonikern. Seine pädagogische Tätigkeit begann sehr früh: am staatlichen Loh-Konservatorium in Sondershausen, gleichzeitig am Konservatorium in Erfurt, wo er sich seine ersten Sporen als Lehrer verdiente. Seit Jahren ist er Lehrer am R.-Strauss-Konservatorium München (Ltg. Peter J. Korn) und hat daneben noch viele Privatschüler. Rolf Quinque hat als Solist unzählige Konzerte gegeben sowie Schallplatten im In- und Ausland aufgenommen. Für ihn wurden sehr viele moderne Trompetenkonzerte geschrieben, die er auch uraufgeführt hat. 1971 gab er seine Orchestertätigkeit auf, um sich seiner Karriere als Solist intensiver widmen zu können.

BRASS BULLETIN: Rolf Quinque, Sie zählen heute zu den wenigen Blechbläsern, von denen man sagt, «sie wissen genau wie». Wie sind Sie dazu gekommen?

Rolf Quinque: Das ist ein langer Weg. Ich habe mich schon als Kind für die Trompete interessiert und begann mit 11 Jahren Trompete zu spielen. Regelmäßigen Unterricht erhielt ich mit 14 Jahren. Aber erst als Student stellte ich fest, dass das Blasen relativ anstrengend ist. Ich sagte mir: Wenn du das dein Leben lang machen musst, dann ist es nicht gerade angenehm. Dazu kommt, dass ich schon als Student dank meines Lehrers mit den schweren Bachtrompetenpartien konfrontiert wurde. Da habe ich angefangen, mir über Ansatz und Ausdauer Gedanken zu machen, weil die Ausdauer auf der hohen Trompete begrenzt war. Ich brauchte trotz fleißigen Übens die nötigen Pausen (z. B. in der h-Moll-Messe von J. S. Bach). Ich habe alle Literatur, die ich finden konnte, durchgelesen, viel Zeit in Bibliotheken verbracht und über Reiche (J. S. Bachs Trompeter), Altenburg und andere berühmte Trompeter der Vergangenheit nachgelesen. Man wusste ja, dass jene schon sehr hoch blasen konnten, und dass sie leicht blasen mussten, um überhaupt die schwierigen Partien spielen zu können, die für sie geschrieben wurden. Bei dieser Lektüre bin ich auf einige Dinge gestoßen, die mich zu meinen heutigen Erkenntnissen geführt haben.

BB: Wie haben Sie das Können der Alten wiedergefunden?

RQ: Durch Probieren, Ausprobieren, Lesen, Nachlesen. Natürlich machten es die Alten anders als wir heute. Sie haben die Stütze nicht im selben Sinne verwendet wie wir, brauchten ja auch nicht so viel Kraft, da sie keinen Bruckner oder Strauss spielen mussten. Sie konnten sich mit einem dünneren Ton begnügen und mussten nicht so laut spielen. Das habe ich also versucht auszubauen …

BB: Wie konnten Sie überprüfen, ob Sie mit dem «neuen» Ansatz auf dem richtigen Weg waren?

RQ: Zunächst fing ich an, wie ein Sportler zu trainieren, um den sogenannten Trompetermuskel (Backenmuskulatur) und die Bauchmuskulatur (Zwerchfell) zu stärken. Zu diesem Zweck habe ich mir zwingende Übungen ausgedacht. Manche existieren bereits in ähnlicher Form. Diese Übungen wiederholte ich täglich und entwickelte sie weiter. Durch die Stärkung der Bauchmuskulatur wurden die Lippen weitgehend entlastet. Aber das vielzitierte Wort «druckloser Ansatz» ist meiner Ansicht nach Unsinn. Es müsste vielmehr heißen: druckschwacher Ansatz.

BB: Wann konnten Sie feststellen, dass Sie auf dem richtigen Weg waren?

RQ: Ja, nun … zunächst habe ich tatsächlich geglaubt, es sei ein falscher Weg, weil der Ansatz, den ich mir auf die herkömmliche Art erarbeitet hatte, sich zuerst verschlechterte. Ich konnte nicht mehr so hoch blasen. Der Übergang war sehr schwierig und mit einem gewissen Risiko verbunden. Das ist der Hauptgrund, weshalb viele Kollegen mit fester Anstellung sich eine solche Umstellung nicht leisten können. Manche haben jedoch bewiesen, dass es auch unter solchen Umständen möglich ist. Bei mir war es so weit, dass es kein Zurück mehr gab. Ich habe einfach weitertrainiert. Allmählich kam die Überzeugung, dass das Blasen auf sportlichem Training beruht.

Rolf Quinque
Rolf Quinque

BB: Wie war Ihr Üben vor und nach der Umstellung?

RQ: Früher war es trotz fleißiger Arbeit einfach eine körperliche Anstrengung. Heute bin ich wie ein gut trainierter Sportler und verfüge über eine entsprechend entwickelte Muskulatur. Meine Arbeit ist jetzt rationeller. Man wird ja mit der Zeit auch reifer und schlauer …

BB: Auf welchem Grundkonzept beruht Ihr heutiges Trompetenspiel?

RQ: Das Atmen und Stützen bewusst zu meistern! Vor allem ein sehr dosiertes Atmen ist wichtig. Dazu muss die Stütze, das heißt die Bauchmuskulatur, gestärkt werden. Dafür gibt es viele Übungen.

BB: Haben Sie eine eigene Gymnastik entwickelt?

RQ: Ja — und zwar nicht nur für die Bauchmuskulatur, sondern auch für die Backenmuskulatur. Diese Erkenntnisse werde ich demnächst als «tägliche Übungen» in einem Buch zusammenfassen und veröffentlichen.

BB: Das wird bestimmt viele Blechbläser interessieren. Kann man sagen, dass Sie dank Ihrer gelungenen Umstellung auch eine neue Instrumentalpädagogik entwickelt haben?

RQ: Ja, vor allem für junge Leute. Der Beweis, dass Kraft nicht die entscheidende Voraussetzung für das Blasen ist, wird von Jugendlichen erbracht, die sich unter meiner Aufsicht durch lockeres Blasen erstaunlich entwickeln.

BB: Rolf Quinque, Ihre langjährige Suche nach Verbesserungen hat schon sehr vielen Musikern geholfen. Ihre Tätigkeit, Ihr Musizieren, aber vor allem Ihre einleuchtenden Erkenntnisse geben vielen Trompetern neue Hoffnung, vom verkrampften, schmerzhaften Blasen wegzukommen und endlich die richtige Freude am Musizieren zu finden. Wir freuen uns, Ihre Bücher bald unseren Lesern ankündigen zu dürfen.

Vielen Dank, Herr Quinque, und weiterhin viel Erfolg!

Brass Bulletin 14, II / 1976 Seiten 19–21

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