Brass Bulletin 37, I / 1982 Seite 50–54 · 5 Min. Lesezeit

Die Messung des Mundstückauflagedrucks

Objektive Messungen bei Trompetern stellen verbreitete Annahmen infrage und zeigen konstante individuelle Druckmuster in Abhängigkeit von Tonhöhe, Dynamik und Spielniveau.
Die Messung des Mundstückauflagedrucks

Es besteht wachsendes Interesse an einer systematischeren Einstellung zur Blechbläserausbildung, basierend auf einer gründlichen und genauen Untersuchung der beteiligten physischen und psychischen Faktoren, statt auf subjektiven Eindrücken oder von Fall zu Fall aufgestellten Theorien. Ohne eine objektivere Grundlage kann die Vielzahl individueller Überzeugungen und Behauptungen nicht beurteilt werden.

Ziel der vorliegenden Studie ist, die Rolle des Mundstückauflagedrucks beim Trompetenspiel zu erforschen, einige verbreitete diesbezügliche Irrtümer aufzuzeigen und dadurch vielleicht dazu beizutragen, daß auf diesem Gebiet etwas weniger pädagogische Willkür herrscht.

Den ersten Versuch einer genauen Messung des Mundstückauflagedrucks unternahm Henderson im Jahre 1942. Mit einer speziell entwickelten Versuchsanordnung machte er kymographische Aufzeichnungen des Mundstückdrucks. Doch war die Apparatur unausgereift, und nur drei Bläser wurden untersucht, was allgemeine Schlüsse aus diesen Versuchen erschwert.¹

1965 maßen Weast und Hake² Mundstückdrucke mit einer simplen Waage, welche mittels filzgepolsterter Stäbe ins Schallstück eingepaßt und vom Spieler mit der flachen Hand gehalten wurde. Darauf wurden Einzeltöne geblasen und die entsprechenden Drucke abgelesen. Dreißig Trompeter wurden getestet, und trotz der etwas primitiven Gerätschaft konnten die Resultate 1972 von White mit derselben Methode weitgehend bestätigt werden.³

Unsere vorliegenden Versuche unterscheiden sich von den früheren Studien in einer Reihe wichtiger Punkte. Ein beträchtlicher Zeitaufwand galt der Entwicklung einer diskreteren Meßtechnik, wobei wir uns Neuentwicklungen der Elektronik und der biologisch-medizinischen Labortechnik zunutze machten, welche feinere und genauere Messungen erlauben. Frühere Forscher hatten schwerfällige mechanische Vorrichtungen benutzt, welche nicht nur außerstande waren, geringe Druckschwankungen zu erfassen, sondern zudem den zu untersuchenden Vorgang in grundlegender und unnatürlicher Weise veränderten.

In der erwähnten Arbeit von Weast und Hake beispielsweise mußte das Instrument während des Experimentes auf höchst ungewöhnliche Weise gehalten werden; außerdem variiert der Druck beim Mundstück außerordentlich, je nach Achse und Richtung der Zugkraft. In anderen Versuchen mit Verwendung gefederter Mundstückverlängerungen weicht mit zunehmendem Druck das Mundstück zurück, was wiederum das Spiel ziemlich beeinträchtigen dürfte.

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