Die Posaunenzüge im Wandel der Zeiten
Von Howard Weiner
Howard Weiner ist 1952 in Chicago (USA) geboren. Studierte Posaune zunächst bei Richard Schmitt, dann an der Northwestern University bei Frank Crisafulli und an der Schola Cantorum Basiliensis bei Heinrich Huber. Mitglied des «Ensemble Edward Tarr» (USA-Reise 1979).
Im Jahre 1975 erschien in dieser Zeitschrift ein Artikel von Heinrich Huber mit dem Titel: «Die Posaunenzüge im Wandel der Zeiten», als dessen Fortsetzung unser Beitrag gedacht ist.² Huber besprach drei frühe Quellen von Daniel Speer, Marin Mersenne und Michael Praetorius und stellte eine bisher unbekannte Quelle von Aurelio Virgiliano vor. Der Artikel stellte jede Quelle vor und verglich sie systematisch mit der heutigen Praxis.
Seit dem Erscheinen von Hubers Artikel habe ich zusätzliche Informationen von Praetorius bezogen und mehrere neue Quellen gefunden, die sich mit der Posaune und insbesondere mit den Zugpositionen befassen: J.F.B. Caspar Majer, Johann Gottfried Walther, Johann Philipp Eisel, Johann Mattheson, Joh. Christoph und Joh. David Stössel, Heinrich Christoph Koch und F.J. Fröhlich.
Obwohl einige dieser neuen Quellen unseren Kenntnissen der frühen Posaune wenig hinzufügen, erfordern doch die Informationen, die in allen zusammen enthalten sind, eine Überprüfung und Neueinschätzung des Bekannten.
Es war vorher angenommen worden (und Huber setzt diese Annahme fort), dass diese frühen Autoren bloß die diatonischen Züge beschrieben und dass die Grundstimmungen³ der Instrumente selbst denen unserer modernen Posaunen entsprachen.⁴ Alle Quellen, die hier unter die Lupe genommen wurden (mit Ausnahme von Mersenne, der keine genauen Stimmungen angibt), scheinen jedoch darauf hinzuweisen, dass Tenor- und Bassposaunen in A und Alt- und Quintposaunen in D, eher als in B und Es (oder F), bis um 1800 die Norm darstellten.
Daniel Speer (Grund-richtiger Unterricht der musikalischen Kunst, Ulm 1687⁵ und 1697⁶) gibt für die Tenorposaune vier Züge an (Abb. 1). Laut Huber steht das Instrument in B mit den modernen 1., 2., 4., 6. und 7. Zügen, die jeweils den Partialtonreihen auf B, A, G, F und E entsprechen. Der 1. Zug mit der Partialtonreihe auf B wird weggelassen, sagt Huber, weil bei Speer «der erste Zug einen halben Ton tiefer als die Grundstimmung des Instruments einsetzte».⁷
Abbildung 1
Speer jedoch sagt selber, dass der 1. Zug sich «beym Mundstück» befindet und gibt hierfür die Partialtonreihe A1 A e a c' e' gis' a'. Speer erwähnt auch, dass c' zirka zwei Querfinger⁸ weiter aussen gespielt werden muss und dass fis'⁹ sich auch dort befindet.
Der zweite Zug, laut Speer, ist «beym Hauptstück» (Stürze) und hat die Partialtonreihe G d g h d'. Hier erwähnt Speer, dass b zirka zwei Querfinger weiter «hinausswärts» als dieser 2. Zug gezogen werden muss und nicht, wie Hubers Tabelle andeutet, im ersten.
Die Partialtonreihe von F c f gibt Speer für den dritten Zug an, der sich «vier Quehr Finger ausswärts dess Hauptstücks» (hinter der Stürze) befindet. Der vierte Zug ist «so weit draussen, als mans mit dem Arm fast erstrecken kan», mit den Tönen E H B. Hier vermerkt Speer, dass «S mol muss noch um etwas weiters als die fördern zwey Buchstaben E und H gezogen werden».
Ausserdem erklärt Speer in einem folgenden Absatz, dass die mit Kreuzen versehenen Halbtöne weiter innen als ihre Stammtöne, die Halbtöne mit b aber etwa zwei Querfinger weiter aussen gezogen werden müssen.
Speer gibt drei Positionen für die Alt- und die Quintposaune an. Die Züge sind für beide gleich, indem die Quintposaune eine Oktave tiefer als die Altposaune erklingt. Der erste Zug ist wiederum «beym Mundstück» mit der Partialtonreihe d a d' f a' c". Der zweite Zug, «beym Hauptstück», hat c g c' e' g' h'. Der dritte Zug mit den Tönen f und h, ist «etliche Finger breit vor dem Hauptstück hinausswärts».
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