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Zen und die Kunst des Hornblasens

Teil 2

Von Jeffrey Agrell

Jenseits der Technik: Jeffrey Agrell beleuchtet den Gegensatz von Verstand und Intuition und zeigt, dass musikalischer Ausdruck dort beginnt, wo Analyse endet.
Zen und die Kunst des Hornblasens

Prof. Herrigel nahm 6 Jahre lang Unterricht im Bogenschießen bei seinem Meister. Er brauchte ein Jahr, um zu lernen, wie man einen Bogen richtig spannt; dann 3 Jahre, um zu lernen, wie man den Pfeil abschießt; erst zuletzt lernte er das Zielen. Sein Meister bemühte sich, etwas westliche Philosophie zu lehren, um ihm über vertraute Wege helfen zu können. Bald aber verzichtete er darauf, denn inzwischen hatte er «verstanden, dass das Erlernen der Kunst des Bogenschießens für einen, der sich für derlei Probleme interessiere, außergewöhnliche Schwierigkeiten bereite».

In letzten Zeiten haben Wissenschaftler über das Wesen des Geistes nachgeforscht. Dabei konnte festgestellt werden, dass die linke Hälfte des Großhirns Sitz der rationellen Funktionen ist: die linke Seite kann die Sprache verwenden, Mathematikaufgaben lösen und in der Vergangenheit und der Zukunft denken. Die rechte Hälfte dagegen kann weder sprechen noch rechnen, wertet aber alle unaussprechbaren körperlichen Gefühle, das Hier-und-Jetzt-Erlebnis aus. Linke Seite: Vernunft. Rechte Seite: Gefühle und Intuitionen. Demnach beherbergen wir alle jene weltanschauliche Ost-West-Dichotomie. Gewisse Studien haben ergeben, dass beide Seiten unabhängig voneinander funktionieren. Einer der Versuchspersonen, bei der die Verbindung zwischen beiden Großhirnhälften aus medizinischen Gründen zerstört war, wurden die Augen verbunden; legte man ihr einen Kamm in die linke Hand, war sie unfähig, den Gegenstand, den sie festhielt, zu nennen (die Großhirnhälften sind mit den entgegengesetzten Körperteilen übers Kreuz verbunden: linke Hand mit rechtem Großhirnteil). Die rechte Großhirnhälfte besitzt die Wörter nicht, welche das von ihr Gefühlte ausdrücken könnten; deshalb konnte jene Person, obwohl sie genau wusste, was sie in der linken Hand hielt, das mit dem Gefühl, das der Gegenstand entstehen ließ, verbundene Wort nicht aussprechen, bevor sie es mit der rechten begriffen hatte. Wenn eine Großhirnhälfte tätig ist, dann entstehen Interferenzen mit der Tätigkeit der anderen — davon aber später.

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Brass Bulletin 23, III / 1978 Seiten 69–72

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