Brass Bulletin 24, IV / 1978 (Seite 3–4) · 2 Min. Lesezeit
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In der Geschichte von aussergewöhnlichen Menschen, vor allem von denen, die die Gesellschaft erobert haben, liegt etwas Faszinierendes: Sie verwirklichen die versteckten Hoffnungen derjenigen, die bescheiden zurückbleiben, oder sie werden von anderen einfach bewundert. (Es gibt auch aussergewöhnliche Menschen, die sich selbst verwirklichen, ohne nach Ruhm zu trachten.)

In der Ereignisfolge, die den Aufstieg eines Stars kennzeichnet, können die Elemente, die der Entfaltung seiner Fähigkeiten gedient haben, herausgeschält werden: ein günstiges, ausgeglichenes Familienmilieu (mehr als der schöpferische Künstler braucht der Virtuose viel Ausgeglichenheit, um die Belastung des öffentlichen Auftretens zu bestehen), Begegnungen mit Meistern, die die Fähigkeit besitzen, ihr Können in der Instrumentalkunst zu vermitteln, ein organisierter, besonnener Lebensstil.

In unserer Reihe «Berühmte Blechbläser aus Vergangenheit und Gegenwart» beginnt heute die Lebensgeschichte eines der grossartigsten Trompeter unserer Zeit: Maurice André (siehe Seite 35). In den drei oder vier nächsten BRASS BULLETIN-Nummern werden Sie in der reichen Sprache des heiteren Südländers einen Mann kennenlernen, dessen grosse Empfindlichkeit Ihnen auffallen wird, wenn Sie zwischen den Linien lesen können, eine Empfindlichkeit, die nicht nur in seinem Spiel, sondern auch in seiner Arbeitsweise und der Art, wie er seine Trompete meistert, vernehmbar ist.

Maurice André hat unser Jahrhundert geprägt und sein Einfluss kann heute noch nicht gemessen werden. Maurice Andrés Laufbahn hat sich sehr früh abgezeichnet; es wird Sie bestimmt interessieren, über die von ihm eingeschlagenen Bahnen nachzulesen. Bemerkenswert ist wohl, dass seine grossartigen technischen Fähigkeiten sich auf einem Gebiet bewährt haben — hauptsächlich der Barockmusik — das gerade heutzutage besonders beliebt ist.

Es gibt nun einmal Konstellationen, die den Namen eines Künstlers aufleuchten lassen wie ein Feuerwerk am Himmel: Maurice André erschien in so einem günstigen Zusammentreffen. Zum ersten Mal wurden so ausführliche Aufzeichnungen zusammengestellt, die exklusiv bei BRASS BULLETIN erscheinen.

Ausser dieser ungewöhnlichen Biographie bieten wir Ihnen in dieser und den zwei nächsten Nummern — auch als Exklusivität — die erstaunliche Geschichte von der Erfindung der Ventile für Blechblasinstrumente (siehe Seite 9). Dr. Herbert Heyde aus Leipzig hat eine einmalige Dokumentation zusammengetragen, die Klarheit über dieses bisher umstrittene Kapitel der Geschichte der Blechblasinstrumente werfen dürfte.

Für das Jahr 1979 sieht BRASS BULLETIN weitere Aufzeichnungen vor: Nach Maurice André werden Miles Anderson, Philip Jones, Barry Tuckwell, John Fletcher ganz zwanglos ihre Ideen, ihre Laufbahn erzählen. Ein Programm, dessen Verwirklichung uns viel Freude bereitet hat, die wir mit Ihnen durch Ihre Lektüre zu teilen hoffen.

Ihnen allen wünschen wir ein gutes, schönes neues Jahr mit vielen musikalischen Freuden.

JPM

P.S.: Wir haben auf den «Generalkatalog für Blechbläser» verzichtet. Von 1979 an erhalten Sie vier vollständige BRASS BULLETIN-Nummern pro Jahr. Die heutige Ausgabe ist zum ersten Mal mit Artikeln versehen, enthält allerdings noch nicht die Sparten «Partituren» und «Rezensionen». Mit dieser Neuerung hoffen wir, unsere Kontakte enger knüpfen und näher an die Ereignisse rücken zu können.

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