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Träume und Wünsche

Was ich mir für die Welt der Hornisten wünsche

1.

Eine wissenschaftliche Ausgabe der Mozartschen Hornkonzerte (einer Doktorarbeit vorzuziehen), mit folgendem Inhalt:

a) Faksimile Wiedergabe (vorzugsweise 1:1) der Manuskripte und/oder der ersten Ausgaben.

b) Vollständige synoptische Geschichte.

c) Klarer neuer Druck der vollständigen Partitur und der Hornsolostimme mit Kommentar und kritischem Apparat.

d) Ausgiebige Besprechung der Aufführungspraxis der Phrase als Bestandteil der Hornkonzerte, darunter: Triller, Artikulation, Kadenzen, Tempo und Stopfhorntechnik. Etwa im Stil von Badura-Skodas «Interpreting Mozart on the Keyboard».

e) Besprechung und Vergleich der leicht erhältlichen Ausgaben und Schallplattenaufnahmen unter Berücksichtigung der Aufführungspraxis, und mit eventueller Niederschrift der Kadenzen. Auch mit vollständiger Diskographie und sogar Interviews der bekanntesten gegenwärtigen Interpreten zum Sammeln ihrer Ansichten über die Ausführung der Mozartschen Hornkonzerte.

f) Sollte das noch kein Buch ausmachen, dann könnte ein ehrgeiziger Forscher das Thema auf Haydn, Rosetti, u. a. etwa wie folgt erweitern: Das Horn und seine Musik in der Klassik.

2.

Alle Bücher und Methoden sollten in 2 oder 3 Sprachen herausgegeben werden, wie es schon oft der Fall bei europäischen Verlegern ist, praktisch aber nie bei den Amerikanern.

3.

Faksimile Neudrucke der alten Lehrwerke (Duvernoy², Domnich², Dauprat, Gallay, Meifred, usw.).

4.

Mehr Originalwerke und mehr Bearbeitungen für Solohorn und Bläserensemble.

5.

Die aussereuropäischen Instrumentenmacher sollten mindestens halb soviele Hornmodelle und Zusatzmaterial anbieten wie die meisten Europäer. Sowohl die einen wie die anderen sollten mindestens folgende Möglichkeiten anbieten (wenn sie es nicht schon tun): Etuischutzhüllen, abschraubbares Schallstück (zu vernünftigen Preisen), aufsetzbares Daumenventil, damit man bei gehobenem Daumen ein F- oder ein b-Horn hat; Wasserklappen. Instrumentenmacher sollten auch die Nachbildung barocker und klassischer Hörner in Betracht ziehen.

6.

Das International Horn Workshop sollte Ende Juli oder im August stattfinden, wenn die meisten europäischen Orchester Urlaub haben, sodass die europäischen Mitglieder daran teilnehmen können. Sollten Workshops in Europa veranstaltet werden, dann würden sie selbstverständlich in diesen Monaten abgehalten.

7.

Die Hornschulen sollten Hinweise auf Bücher, Artikel, Musik und andere Lehrwerke für die Fortsetzung des Studiums enthalten. Sogar auf Lehrbücher für andere Instrumente und nicht-musikalische Texte.

8.

Insbesondere die besten und die bekanntesten Komponisten sollten mehr zeitgenössische Musik für junge Musiker schreiben, was in der spezifischen Musiksprache des 20. Jahrhunderts nur bedingt leicht (sagen wir: erreichbar) ist: für Solohorn, für Hornduo, für Horn und Klavier, für Horn und kleines Ensemble. Soll sich nämlich die zeitgenössische Musik durchsetzen, dann muss sie es mit dem Nachwuchs aufnehmen (wie der amerikanische Fussball). Hoffentlich wird das International Horn Society Composition Project hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten.

9.

Ein gigantisches Vorhaben: es sollte eine neue Sammlung von Orchesterauszügen herausgegeben werden, die wie folgt eingeteilt werden könnte: I. Geläufiges symphonisches Repertoire, mit den Unterabteilungen: Barock — Klassik — Romantik — 20. Jahrhundert. II. Oper. III. Kammermusik. Dazu eine einbändige Sammlung der wichtigsten Auszüge aus dem Gesamtwerk. Zur Verwirklichung dieses Vorhabens würde es eines Teams von Fachleuten aus verschiedenen Richtungen bedürfen, die sich jeweils ein begrenztes Gebiet vornehmen würden und sich gegenseitig beraten würden. Sie brauchten nicht alle erste Hornisten zu sein, nicht einmal alle Hornisten. Die Auswahl sollte aufgrund des heutigen Orchesterrepertoires getroffen werden. Besondere Sorgfältigkeit sollte der Genauigkeit gewidmet werden; als Fussnoten sollten Kommentare des Herausgebers über seine Erfahrung in der Ausführungspraxis des Werkes stehen. Innerhalb der Abteilung sollten die Auszüge in alphabetischer Reihenfolge geordnet werden. Die Sammlung dürfte keine «Ladenhüter» und keine «Lückenbüsser» enthalten. Möglicherweise bestünde eine solche Sammlung aus 20 oder mehr Bänden. Der Bedarf an einer vollständigen, präzisen, systematischen Sammlung von Orchesterauszügen wird einem aber klar, betrachtet man die zur Zeit verfügbaren Werke: sie haben wohl positive Seiten, sind aber alle weit entfernt von den wirklichen Forderungen. Zum Beispiel: Die Sammlung Gumbert bietet eine reiche Auswahl, ist aber längst überholt und steckt voller Fehler; Gebharts Auszüge sind wohl hauptsächlich Fotokopien vom Gumbert; Moores Opernauszüge ist eine ausgezeichnete Sammlung, enthält aber viel zu wenig Werke; Chambers Sammlung ist genau und reichhaltig, aber systemlos zusammengestellt und — wie fast alle Sammlungen (äusser Moore) — ohne Kommentar des Herausgebers, dessen Erfahrung wertvoll sein dürfte; Pottags erster Band geniesst den Ruf die beste einbändige Sammlung zu sein, steckt aber voller Fehler und bringt zuviele Ladenhüter; Thevets zweibändige Sammlung ist völlig unsystematisch zusammengestellt und hat kein Inhaltsverzeichnis, weshalb man sie von A bis Z durchblättern muss, will man wissen, was sie enthält. Und so weiter. Die Verwirklichung dieses ehrgeizigen Vorhabens würde viel Arbeitszeit in Anspruch nehmen, das Ergebnis aber wäre ein wertvolles Referenzwerk für alle Hornisten und für längere Zeiten.

² Anmerkung des Herausgebers: diese 2 Methoden gibt es im Faksimile-Nachdruck bei Minkoff in Genf (CH).

Brass Bulletin 25, I / 1979 Seiten 59–62

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