Brass Bulletin 22, II / 1978 (Seite 61–70) · 7 Min. Lesezeit
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Mikhail Innokentiévitch Tabakov (1877-1958)

Gründer der sowjetischen Trompetenschule

Eine prägende Persönlichkeit: Tabakow formte Generationen – darunter der legendäre Timofei Dokchitzer – und begründete die sowjetische Trompetenschule.
Mikhail Innokentiévitch Tabakov (1877-1958)

Prof. Mikhail I. Tabakov und der junge Timofei Dokchitzer (1950).

nach Romain Brots Übersetzung von Artikeln von G. Orvid und S. Riauzow.

Michael Innokentiewitsch Tabakow, emeritierter Künstler der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR), Dr. der Kunstkritik und Professor, ist in die sowjetische Musikgeschichte eingegangen als einer der berühmtesten Bläsersolisten, Gründer der Trompetenschule, Lehrer von unzähligen ausgezeichneten Musikern.

Schon im Jahre 1924, anlässlich seines Jubiläums, schrieb ihm der grosse russische Sänger Leonid Sobinow folgende prophetische Zeilen: «Sie sind nicht nur ein Virtuose, der mit einem mächtigen Instrument, aus dem Sie sowohl die drohenden Töne eines nahenden Sturmes wie die beruhigenden Klänge eines Schlafliedes locken, wahrlich Wunderbares schaffen, Sie sind auch ein echter inspirierter Musiker. Das Zusammentreffen beider Eigenschaften berechtigt einen zur Hoffnung, dass der Name des Professors Tabakow auch an der Musikhochschule unsterblich bleiben wird, als der des Gründers einer Schule und des Lehrers einer Vielzahl brillanter Musiker.»

Sobinow hatte richtig gesehen. Während eines halben Jahrhunderts hat Tabakow mehrere Musikergenerationen ausgebildet, darunter hervorragende Meister und Instrumentalisten, die in den besten Opernorchestern und in den besten Sinfoniekollektiven arbeiten. Einige seiner Schüler sind auch als Preisträger verschiedener Wettbewerbe sowohl in der Sowjetunion wie auf internationaler Ebene hervorgetreten, wie etwa G. Orvid, T. Dokschitzer, S. Jerjomin, L. Yuriew, N. Polonski, V. Chtscholokow, K. Serostanow, I. Viltschinski, N. Jaworski, I. Stepanow, A. Gandel...

M. I. Tabakow war nicht nur ein ausgezeichneter, aussergewöhnlich begabter Lehrer, er war auch ein inspirierter Künstler, der sich sein Leben lang der Arbeit gewidmet hat. Er wurde 1877 in Odessa geboren, erhielt schon mit 14 Jahren den Posten des Solotrompeters am Sinfonieorchester von Jalta, arbeitete danach in den Sinfonieorchestern von Sebastopol, Tiflis, Rostow-am-Don. Von 1896 an war er in Moskau, am Orchester des «privaten» Operntheaters. Im nächsten Jahr, mit 20 Jahren, erlangte er den ersten Platz bei der Ausschreibung für das berühmte Bolschoj-Orchester. Dort lernte er den grossen Virtuosen auf der Trompete V. Brandt kennen und nahm bei ihm Unterricht. 1903 überliess ihm V. Brandt seinen Solistenposten, den er über 40 Jahre lang besetzt hat.

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