Brass Bulletin 26, II / 1979 (Seite 59–68) · 10 Min. Lesezeit
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Vassily Gueorguievitch Brandt (1869–1923)

Biographie

Sélianine zeichnet Brandts Leben und Wirken nach, vom Virtuosen des Bolschoi zum prägenden Pädagogen, und zeigt die Grundlagen einer russischen Trompetenschule auf.
Vassily Gueorguievitch Brandt (1869–1923)

Wassilij Georgiewitsch Brandt

Als ich mich für die Persönlichkeit Wassilij Georgiewitsch Brandts zu interessieren begann, hatte ich das Glück, Menschen zu begegnen, die ihn gut gekannt hatten oder seine Schüler gewesen waren. Da er selber sozusagen nichts Schriftliches hinterlassen hat, bildete das Zeugnis dieser Personen den Ausgangspunkt für meine weiteren Forschungen in Archiven und Privatsammlungen.

Pjotr Jakowlewitsch Ljamin, einer von Brandts begabtesten und berühmtesten Schülern, hat uns seinen Lehrmeister in anschaulichster Weise charakterisiert. Ljamin, vor rund zehn Jahren 85-jährig verstorben, war 1906 in Brandts Klasse am Moskauer Konservatorium eingetreten und versah die Kornett-, Trompeten- und Alttrompetenstellen in Strawinskijs Balletten während der russischen Spielzeiten von Diagilews Truppe in Paris.

Um die Jahrhundertwende vollzog sich der Aufschwung der russischen Bläserschule. Die Russen hatten es sehr schwer, sich gegen die ausländischen Bläser durchzusetzen, welche zur Zarenzeit in unseren Theaterorchestern Monopolstellungen innehatten. Tschechische und deutsche Musiker gaben damals den Ton an, doch allmählich begannen auch Russen, sich einen Namen zu machen. Brandt markiert den Wendepunkt der Epochen, denn er war es, der die Fackel seiner Kunst seinem Schüler Michail I. Tabakow, dem Begründer der russischen Trompetenschule, weiterreichte.¹

Wassilij Georgiewitsch (Karl Wilhelm, «Willy») Brandt ist 1869 im bayrischen Coburg geboren und hat seine Musikstudien an der Orchesterschule begonnen, welche ein Hofkapellmeister namens Zimmermann leitet. Er verlässt die Schule 1887 und wird alsbald Solotrompeter im Symphonieorchester der Philharmonie von Helsinki, wo er auch im Rahmen der von Professor R. Kajanus geleiteten Kurse unterrichtet.

1890 schreibt das Bolschoi-Theater eine erste Trompetenstelle aus. Brandt eilt nach Moskau, kommt jedoch zu spät zum Probespiel: die Stelle ist schon vergeben, und man rät ihm, ein andermal vorzuspielen. Brandt aber fleht die Orchesterkommission an, ihn sich trotzdem anzuhören, und sei es nur für fünf Minuten.

Der Text setzt mit Brandts entscheidendem Vorspiel am Bolschoi fort, schildert seinen Aufstieg im Orchester und die Entfaltung seines Einflusses als Musiker, Pädagoge und zentrale Gestalt des russischen Trompetenspiels.

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