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Die älteste Blasmusik in Japan

Die älteste Blasmusik in Japan

1901 — Einweihungszeremonie anlässlich der Einrichtung der Wasserversorgung in Ichinomiya.

In der Mitte der japanischen Inseln befindet sich eine grosse Stadt namens Nagoya. Eine ihrer Satellitenstädte, Owari Ichinomiya, war lange bekannt für ihre Textilindustrie, besitzt aber auch eine städtische Blasmusik, die im Jahre 1895 gegründet worden ist.

Vor etwa hundert Jahren kamen europäische Musik und Instrumente erstmals nach Japan, und zu dieser Zeit wurde die Blasmusik von Ichinomiya gegründet. In jenen fernen Tagen gab es in Japan nicht einmal Militärmusik.

Die Blasmusik von Ichinomiya wurde von Shinichi Saburi, dem Direktor der örtlichen Bank, gegründet. Er wollte Musikkultur in seine Stadt bringen, und so rüstete er seine Angestellten mit Blasinstrumenten aus (die in jenen Tagen kaum jemand je gesehen hatte) und gründete eine Blasmusik.

Die Fotografie wurde 1901 anlässlich der Einrichtung der Wasserversorgung in Ichinomiya aufgenommen. Die Bläser auf dem Foto spielten für die Einweihungszeremonie. Ihre Instrumente kommen aus Deutschland und wurden von einem deutschen Importeur in Yokohama gekauft.

Sind die Kinder hinter der Blasmusik nicht lustig, die so neugierig gucken? Wahrscheinlich war dies das erste Mal, dass sie Blasinstrumente hörten. Damals waren auch Kameras selten. Zu bemerken auch der Kimono, den das Mädchen rechts trägt (heute ziehen die Frauen nur noch für ganz spezielle Gelegenheiten Kimonos an).

Zwar wurde die Blaskapelle während des Zweiten Weltkrieges stillgelegt, lebte aber nach dem Kriege dank lokaler Bemühungen und dem Enthusiasmus für Musik wieder auf und es gibt sie heute noch. In Japan ist es äusserst selten, eine 90 jährige Blasmusik zu finden.

Heute hat die Musik ihr Lokal im Hauptquartier der örtlichen Feuerwehr. Sie bekommt Subventionen von Meitaroh Mori, vom Bürgermeister von Owari Ichinomiya und von der Industrie- und Handelskammer von Ichinomiya. In der Musik spielen Professionelle und Amateurmusiker zwischen 20 und 74 Jahren. Sie ist wie eine lebende Ahnengalerie japanischer Musiker, von der Meiji-Epoche — als die westliche Kultur nach Japan kam — bis zum heutigen Tag.

Der Dirigent der Musik, Kiyozaburo Omiri, ist vielleicht ihre symbolischste Figur. Es ist 74 Jahre alt und Vizepräsident der Handels- und Industriekammer von Ichinomiya und Vorsitzender der Ohmori Ölgesellschaft in Nagoya. Er übernahm die Leitung und die Organisation der Musik 1927 und ist nun seit einem halben Jahrhundert der geistige und materielle Träger der Musik. Er ist ein wirklich ergebener Patron, der auch aus seiner eigenen Tasche Zuschüsse für die Musik gibt. Er dirigiert noch immer bei lokalen Anlässen, aber ein junger Flötist, Tsutomu Nomura, besorgt die alltäglichen Proben und Aufführungen. In den letzten fünf Jahren hat Herr Omori die Musik auf neue Ebenen geführt. Er brachte einige hervorragende Berufsmusiker herein und vertraute den Unterricht Genkichi Harada an, Tubist im NHK Sinfonie-Orchester und Ehrendirigent der Yamaha Band. Herr Omori versuchte, die Musik dem örtlichen Publikum näher zu bringen; heute verfügt sie über ein Repertoire von 400 Stücken, mit Märschen, Volksmusik und Folksongs bis zu Opernouvertüren und anderer klassischer Musik.

Omori sagt:

Ich weiss nicht, wie oft ich schon aufhören wollte, aber ich bin nicht der Mensch, der ein Hobby fallenlassen kann und seine Hauptarbeit weiterführt. Ich bin froh, mit meiner Musik weitergemacht zu haben, da ich der Meinung bin, Angefangenes soll sauber zu Ende geführt werden.

Brass Bulletin 54, / 1986 Seiten 62–64

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