Die internationale Stimmung A = 440 ist relativ jung (1939), aber es gibt verschiedene Standardstimmungen. Die Länge der Orgelpfeifen informiert uns heute über die alten Stimmungen und zeigt, dass der selbe Ton für verschiedene Instrumente häufig verschiedene Frequenzen hatte.
In Elsass war die Orgel der Kathedrale von Strassburg (1713) auf A = 393 gestimmt; Die Orgel von Hamburg (1688) war auf A = 489 gestimmt, fast vier Halbtöne höher. Und das ist noch nicht alles, denn der Kirchenton in Norddeutschland wurde 1619 von Praetorius mit A = 567 (sechs Halbtöne höher als das von Strassburg) angegeben.
Die weltliche Musik wurde häufig höher gestimmt als die Kirchenmusik. So gab es «Kammerstimmungen», die von denen der Kirche stark differierten. In anderen Ländern stellte man ähnliche Unterschiede fest. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts versuchte man, die Stimmung zu vereinheitlichen, aber das A variierte noch von 415 bis 430, und dies etwa während eines Jahrhunderts, bis die Musiker, auf der Suche nach mehr Brillanz, begannen, den Kammerton zu erhöhen.
1879 stimmte das Orchester von Covent Garden auf A = 450, während in Amerika der «Concert Pitch» A = 461,6 betrug. 1859 empfahl eine Kommission der französischen Regierung das A = 435 als Standardstimmung. Diese Stimmung wurde daraufhin in Europa mehrheitlich verwendet. Anderswo hatte man aber noch keine Einheitsstimmung: In Amerika wurde häufig das A = 440 als Referenz genommen, in England pflegte man das auf das C als auf das A zu stimmen, wobei das C = 522 war (was einem A = 438,9 entsprach).
1939 bestimmte eine internationale Konferenz in London das A = 440 als neuen internationalen Standard. Heute findet man trotzdem je nach Land Verschiedenheiten. Diese Verschiedenheiten beeinflussen den Instrumentenbau: Ein Instrument aus einem Land, wo die Stimmung eine gewisse Tendenz hat (z.B. höher) wird in einem anderen Land schwieriger einzustimmen sein. Dies betrifft vor allem die Blasinstrumente sowie die Schlaginstrumente, welche unbrauchbar werden.
Die nationalen Unterschiede findet man ausserdem in der musikalischen Notation. Es gibt keinen weltweiten Standard. Die Abbildung 2 zeigt die Oktavnotationen und die Namen der Töne auf einer Klaviertastatur auf französisch, englisch und deutsch.