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Ein kurzer Blick auf die Geschichte der finnischen Blechblasmusik
Von Simo Kanerva
Mit Hinsicht auf die geopolitischen Gründe kann den Spuren der finnischen Blechbläsertradition nach zwei Richtungen, Ost und West, gefolgt werden.
Einfluss aus dem Osten
Aus dem Osten ist uns während der Russenbesetzung die Zusammensetzung der finnischen Militärkapelle gekommen und dadurch auch das «Hornseptett»,¹ das zu einer typischen Blechblaskapelle in Finnland geworden ist.
Die damalige Schutzwehr, wie auch verschiedene Zivilorganisationen, Arbeitervereine, Sportvereine, freiwillige Feuerwehr usw. haben sich das Hornseptett angeeignet. Das Repertoire hat meistens aus damaliger Tanzmusik, Polkas, Schottischen, Walzern, Tangos und Foxtrots bestanden. Zum Anfang von verschiedenen Festabenden hatte man freilich Mut, auch «Ouvertüren» oder andere «feinere» Kunstmusik zu spielen.
Ein ganz eigener Stil
Langsam hat sich ein ganz eigener Stil entwickelt. Das heutige Septett hat mit dem Russischen oder überhaupt mit dem Slavischen nur ein Grundteil des Programms gemeinsam: wehmütige Walzer oder Romanzen, die oft als Baritonsolos gespielt werden. Sonst erkennt der Hörer kaum mehr den «Osten» wieder; das Repertoire und die Art des Spielens haben sich mit den Jahren stark verändert.
Heutzutage kann man über das Hornseptett insbesondere als eine finnische Zusammensetzung sprechen, die wahrscheinlich sonst nirgends vorkommt. «Die goldene Zeit» des Septetts war natürlich vor dem zweiten Weltkrieg, als es noch keine Lautverstärker gab. Ohne zu übertreiben kann man sagen, dass das Hornseptett ein bemerkenswerter Teil der finnischen Volkskunst war, die von den sog. Kunstmusikleuten ebenso gering geachtet wurde wie die heutigen Tanzorchester in Restaurants.
Niedergang des Septetts
Nach dem zweiten Weltkrieg begann die Beliebtheit des Septetts zu sinken. Der Geschmack des Publikums hat sich verändert, die Verstärker haben neue Formationen mit sich gebracht, Schutzwehre wurden aufgelöst, die Festabende der Arbeiter- und Sportvereine sowie der Feuerwehren waren nicht mehr so beliebt; das Septett konnte immer seltener auftreten.
Während der Zeit ist z.B. die Kunst des Spielens von dem Es-Kornett nahezu verloren gegangen und man hat es oft durch das Klarinett ersetzt und das Tenorhorn durch die Posaune um ein moderner «Sound» zu erreichen.
Neuer Aufschwung
Jedoch hat die Septettkunst sich als sehr zäh erwiesen. Seinerseits haben auch Berufsmusiker von Sinfonieorchestern die Tradition gehütet. Sie haben nämlich zu ihrem Vergnügen «bisschen leichteres» gespielt um sich zu entspannen.
Zwei Kapellen waren Spitze: «Solistiseitsikko Otava», das aus den Blechbläsern des Helsinki Stadtorchesters bestanden hat und «Solistiyhtye Imperial», eine modernere Kapelle bestehend aus Mitgliedern des Sinfonieorchesters vom Finnischen Radio. Diese ist immer noch sehr beliebt und ihr Dirigent und Arrangeur Erkki Karjalainen gehört zu den Lehrern der Lieksa Brass Week.
Jetzt ist die alte Septetttradition wieder im Aufschwung und die erste Septettmeisterschaft wird diesen Sommer stattfinden. Ausser der traditionellen Septettmusik hat man auch Arrangements von klassischer Musik als obligatorische Stücke. So macht das Septett sich mit der heutigen Blechblaskammermusik bekannt, natürlich im Rahmen der eigenen Formation.
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Brass Bulletin 53, I / 1986 Seiten 52–55
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