Machen Sie Brass Bulletin an Ihrer Hochschule, Ihrem Konservatorium oder Ihrer Bibliothek verfügbar Institutionellen Zugang entdecken

3 Min. Lesezeit

Finnland-Spezial

Ein kurzer Blick auf die Geschichte der finnischen Blechblasmusik

Zwischen russischer Militärtradition und westlichen Orchestervorbildern entwickelte Finnlands Blechblaskultur aus gegensätzlichen Einflüssen eine eigene Stimme.
Ein kurzer Blick auf die Geschichte der finnischen Blechblasmusik

Mit Hinsicht auf die geopolitischen Gründe kann den Spuren der finnischen Blechbläsertradition nach zwei Richtungen, Ost und West, gefolgt werden.

Einfluss aus dem Osten

Aus dem Osten ist uns während der Russenbesetzung die Zusammensetzung der finnischen Militärkapelle gekommen und dadurch auch das «Hornseptett»,¹ das zu einer typischen Blechblaskapelle in Finnland geworden ist.

Die damalige Schutzwehr, wie auch verschiedene Zivilorganisationen, Arbeitervereine, Sportvereine, freiwillige Feuerwehr usw. haben sich das Hornseptett angeeignet. Das Repertoire hat meistens aus damaliger Tanzmusik, Polkas, Schottischen, Walzern, Tangos und Foxtrots bestanden. Zum Anfang von verschiedenen Festabenden hatte man freilich Mut, auch «Ouvertüren» oder andere «feinere» Kunstmusik zu spielen.

Ein ganz eigener Stil

Langsam hat sich ein ganz eigener Stil entwickelt. Das heutige Septett hat mit dem Russischen oder überhaupt mit dem Slavischen nur ein Grundteil des Programms gemeinsam: wehmütige Walzer oder Romanzen, die oft als Baritonsolos gespielt werden. Sonst erkennt der Hörer kaum mehr den «Osten» wieder; das Repertoire und die Art des Spielens haben sich mit den Jahren stark verändert.

Heutzutage kann man über das Hornseptett insbesondere als eine finnische Zusammensetzung sprechen, die wahrscheinlich sonst nirgends vorkommt. «Die goldene Zeit» des Septetts war natürlich vor dem zweiten Weltkrieg, als es noch keine Lautverstärker gab. Ohne zu übertreiben kann man sagen, dass das Hornseptett ein bemerkenswerter Teil der finnischen Volkskunst war, die von den sog. Kunstmusikleuten ebenso gering geachtet wurde wie die heutigen Tanzorchester in Restaurants.

Niedergang des Septetts

Nach dem zweiten Weltkrieg begann die Beliebtheit des Septetts zu sinken. Der Geschmack des Publikums hat sich verändert, die Verstärker haben neue Formationen mit sich gebracht, Schutzwehre wurden aufgelöst, die Festabende der Arbeiter- und Sportvereine sowie der Feuerwehren waren nicht mehr so beliebt; das Septett konnte immer seltener auftreten.

Während der Zeit ist z.B. die Kunst des Spielens von dem Es-Kornett nahezu verloren gegangen und man hat es oft durch das Klarinett ersetzt und das Tenorhorn durch die Posaune um ein moderner «Sound» zu erreichen.

Neuer Aufschwung

Jedoch hat die Septettkunst sich als sehr zäh erwiesen. Seinerseits haben auch Berufsmusiker von Sinfonieorchestern die Tradition gehütet. Sie haben nämlich zu ihrem Vergnügen «bisschen leichteres» gespielt um sich zu entspannen.

Zwei Kapellen waren Spitze: «Solistiseitsikko Otava», das aus den Blechbläsern des Helsinki Stadtorchesters bestanden hat und «Solistiyhtye Imperial», eine modernere Kapelle bestehend aus Mitgliedern des Sinfonieorchesters vom Finnischen Radio. Diese ist immer noch sehr beliebt und ihr Dirigent und Arrangeur Erkki Karjalainen gehört zu den Lehrern der Lieksa Brass Week.

Jetzt ist die alte Septetttradition wieder im Aufschwung und die erste Septettmeisterschaft wird diesen Sommer stattfinden. Ausser der traditionellen Septettmusik hat man auch Arrangements von klassischer Musik als obligatorische Stücke. So macht das Septett sich mit der heutigen Blechblaskammermusik bekannt, natürlich im Rahmen der eigenen Formation.

Weiterlesen

Erhalten Sie vollständigen Zugang zur digitalen Ausgabe.

Brass Bulletin 53, I / 1986 Seiten 52–55

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1986–2026

Artikel teilen

Facebook LinkedIn
Wird geladen…

Fragen und Antworten

So funktioniert die digitale Ausgabe

Was enthält die digitale Ausgabe?

Die digitale Ausgabe vereint die bereits digitalisierten Artikel als lesbare und durchsuchbare Online-Texte – nicht nur als Scans oder PDF-Dateien – mit ihren ursprünglichen Abbildungen, Anmerkungen, Angaben zu Autoren und Ausgaben sowie den verfügbaren Übersetzungen. Empfehlungen verwandter Artikel umfassen derzeit nur dieses digitalisierte Material.

Sind die digitalen Artikel mit den Originalen identisch?

Wir bewahren den ursprünglichen Text, die Sprache, Abbildungen, Bildlegenden, Fußnoten und den redaktionellen Kontext so originalgetreu wie möglich. Die Darstellung wird für ein angenehmes Lesen am Bildschirm angepasst; offensichtliche Übertragungs- oder Scanfehler können korrigiert werden. Inhalt und Charakter des veröffentlichten Artikels bleiben unverändert.

Welche Sprachen sind verfügbar?

Brass Bulletin erschien während seiner gesamten Geschichte auf Englisch, Französisch und Deutsch. Italienische und spanische Übersetzungen kamen ab Ausgabe Nr. 60 hinzu.

Auf der italienischen und der spanischen Website werden die Artikel aus den Ausgaben 1 bis 59 daher standardmäßig auf Englisch angezeigt.

Wie oft werden neue Artikel hinzugefügt?

Neue Artikel werden fast täglich hinzugefügt; ungefähr eine vollständige Ausgabe wird pro Woche digitalisiert. Das Tempo kann je nach erforderlicher Vorbereitung, Bildbearbeitung und redaktioneller Prüfung variieren.

Warum sind noch nicht alle Artikel digital verfügbar?

Die vollständige Sammlung von Brass Bulletin umfasst 1’246 Artikel aus den Jahren 1971 bis 2003. Das vollständige Verzeichnis ist bereits online verfügbar und ermöglicht es, jeden Artikel der Sammlung zu entdecken – auch jene, deren vollständiger Text noch nicht digitalisiert wurde.

Die Digitalisierung begann im Februar 2026. Jeder Artikel wird sorgfältig für die Online-Lektüre aufbereitet, geprüft und mit seiner Ausgabe, den Autoren, Themen und Abbildungen verknüpft. Beim derzeitigen Digitalisierungstempo wird die vollständige Sammlung voraussichtlich bis Februar 2028 online verfügbar sein.

Warum verweisen manche Quellen auf Artikel, die noch nicht verfügbar sind?

Verweise in den Originalartikeln bleiben erhalten, auch wenn das Material, auf das sie hinweisen, noch nicht digitalisiert wurde. So bleiben die historischen und redaktionellen Zusammenhänge vollständig erhalten. Mit jeder weiteren digitalisierten Ausgabe werden mehr dieser Verweise zu online lesbaren Artikeln führen.

Kann ich einen Artikel vorschlagen oder einen Übertragungsfehler melden?

Ja. Wenn Sie einen bestimmten Artikel gerne digitalisiert sehen möchten oder einen möglichen Übertragungsfehler beziehungsweise eine fehlende Information entdecken, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Rückmeldungen unserer Leser helfen uns, die digitale Ausgabe zu verbessern und sinnvolle Prioritäten im Archiv zu setzen.

Wie kann ich Brass Bulletin unterstützen?

Ihre Unterstützung hilft, die Aufbereitung, Überprüfung und Online-Veröffentlichung der vollständigen Sammlung zu finanzieren.

Digitalausgabe abonnieren

Möchten Sie uns lieber unterstützen, ohne ein Abonnement abzuschließen?

Spenden

Wie kommt die Digitalisierung voran?

Wir machen Brass Bulletin nach und nach online zugänglich, Artikel für Artikel. Neu digitalisierte Artikel können Sie lesen, sobald sie verfügbar sind – auch wenn die gesamte Ausgabe noch nicht fertig ist.

Unser Digitalisierungsplan zeigt die neuesten Ergänzungen und die voraussichtlichen Verfügbarkeitstermine der kommenden Ausgaben. Diese Schätzungen basieren auf unserem jüngsten Arbeitstempo und können sich ändern.

Brass Bulletin durchsuchen.