Brass Bulletin 29, I / 1980 (Seite 49–52) · 4 Min. Lesezeit
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Eine Frau spielt Posaune, Yvelise Girard

Frauen und Blechblasinstrumente

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Eine Frau spielt Posaune, Yvelise Girard

Diesmal möchten wir unsere Rubrik «Frauen und Blechblasinstrumente» einer professionell tätigen Posaunistin widmen. Sie ist die erste Frau, die in Frankreich aufgrund eines Probespiels eine reguläre Stelle erhalten hat, und es scheint mir von Interesse zu sein, sie den Lesern von Brass Bulletin vorzustellen.

Yvelise Girard, 22 Jahre, stammt aus einer Familie, in der alle musizieren. Mit 8 Jahren hört sie zufällig eine amerikanische Militärmusik in einem Konzert, und da entdeckt sie die Posaune. Sie beschliesst sofort, dieses faszinierende Instrument zu erlernen. Man gibt ihr eine Ventilposaune.

Ihre Eltern, die zwar erstaunt sind über ihre Wahl, melden sie am Konservatorium in Mans bei Professor M. Launay, einem äusserst liebenswürdigen Menschen, für den Unterricht an. Er wird sich dem kleinen Mädchen in der Folge wie seinem eigenen Kind zuwenden.

Yvelises Eintritt in eine Gruppe, die zuvor ausschliesslich männlich gewesen war, hat offensichtlich keine Probleme aufgeworfen. In der Tat hat sie jenen freundlichen und unkomplizierten Kreis in guter Erinnerung behalten.

M. Ferran, Nachfolger von M. Launay, ermutigt sie, sich in Paris am Konservatorium zu melden:

«Ich war damals 17 Jahre alt und bereits das zweite Mädchen, das in der Posaunenklasse am Unterricht teilnahm; der Überraschungseffekt war dementsprechend geringer. Meine Gegenwart mag meinen Mitschülern vorerst seltsam vorgekommen sein. Aber wir haben uns dann sehr schnell zu einem guten Team zusammengeschlossen, denn wir waren mit denselben Problemen konfrontiert.»

Zwei Jahre später bekommt Yvelise ihren ersten Preis. Jetzt beginnt sie die Musik erst richtig zu entdecken: sie geht ins Konzert, hört Platten, und von da an bemüht sie sich vermehrt um Musikalität, wenn sie spielt.

Die Kammermusikklasse (wo sie auch einen ersten Preis bekommen wird) wird sie später wirksam in diesem Bestreben unterstützen.

Nachdem sie der Reihe nach die grossen Symphonieorchester von Paris kennengelernt hat, spielt sie aushilfsweise in den Orchestern von Nantes und von Limoges, natürlich nicht ohne Aufsehen zu erregen. Daraus ergeben sich für sie Vor- und Nachteile, z. B. bei Probespielen.

Der grösste Vorteil: Man hört ihr sehr aufmerksam zu, und wenn sie gut gespielt hat, wird man sich in der grossen Masse der Bewerber ihren Namen leichter merken. Dagegen wird ihre Darbietung minutiös analysiert, untersucht, kritisiert.

Eines Tages erfährt Yvelise, dass das Musikkorps der Police Nationale zwei Posaunenstellen ausschreibt. Da Frauen nicht ausgeschlossen sind, bewirbt sie sich.

Der Dirigent des Musikkorps, M. Bigot, nimmt ihre Bewerbung wohlwollend entgegen und unternimmt alle nötigen Schritte bei den verschiedenen Ministerien.

Trotz der Vorbehalte einiger Musiker wird Yvelise engagiert. Aber die ersten Monate sind sehr schwierig. In ihrer koketten Uniform, mit dem reizenden Hut auf dem Kopf, die Füsse in eleganten Mokassins, unterzieht sie sich dem Spielen in Konzerten und bei den Défilées und widersetzt sich jeglicher Vorzugsbehandlung.

Eines Tages, da es sehr kalt ist, wird sie während einer Feierlichkeit im Freien von einem Unwohlsein befallen, nimmt aber erst Hilfe an, wie sie hört, dass zwei ihrer Kollegen schon Pflege bekommen haben — ihre Ehre ist gerettet!

Für die Musikerinnen, die später kommen werden, werden die Dinge sicher einfacher liegen. Aber Yvelise ist die erste Posaunistin, die in einer Polizeimusik spielt, und ihr Weg ist voller Dornen.

Auf Tournee reserviert ihr M. Bigot ein Hotelzimmer und enthebt sie so der Notwendigkeit, in der Kaserne wohnen zu müssen.

Kürzlich hat Yvelise ein anderes Probespiel bei der Pariser Polizeimusik bestanden, aber sie zögert sehr, diese Stelle anzunehmen, denn sie würde dann am selben Pult spielen wie ihr Bassposaunen-Gatte.

Sie ist mit Recht der Ansicht, dass es für den häuslichen Frieden besser ist, wenn Privatleben und berufliche Tätigkeit auseinandergehalten werden.

Sie hat festgestellt, dass die Männer in beruflichen Dingen empfindlicher sind. Eine Bemerkung kann «treffend» sein, wenn sie von einem Herrn der Schöpfung kommt, wäre aber «kränkend», wenn Madame sie ausspräche...

Da Yvelise noch nicht lange im Beruf tätig ist, ist sie empört über den Mangel an Aufrichtigkeit von Seiten gewisser Musiker der Posaunistin gegenüber.

Ihre Isolation inmitten eines «Männerorchesters» lastet trotz allem auf ihr, und sie hofft, dass bald eine Kollegin zu ihr stossen wird.

Unterdessen arbeitet sie verbissen, um ihr Können unter Beweis zu stellen: Sie beteiligt sich an allen internationalen Wettbewerben. In Prag wird sie es sogar bis zum Halbfinal bringen.

Sie findet es tröstlich, dass die schärfsten Kritiken immer von eher mittelmässigen Musikern herrühren. (Ich denke, dass sie sich mit zunehmender Erfahrung darüber klar werden wird, dass Eifersüchteleien und Klatsch unabhängig vom Geschlecht überall grassieren...)

Als Yvelise sich mit Knaben mass, stellte sie fest, dass sie ihnen an Gewandtheit und Musikalität überlegen war; dagegen muss sie sich Zwang auferlegen, um die erforderliche Lautstärke aufzubringen (unbewusste Angst, vulgär zu wirken?).

Yvelise träumt davon, eine Stelle in einem grossen Pariser Symphonieorchester zu bekommen; sie wünscht sich auch ein Kind. Das wird Stoff für eine hübsche Geschichte geben, die so anfangen wird: «Die Altposaune, deren Eltern Tenorposaune und Bassposaune...»

Yvelise wird ihrer Karriere wahrscheinlich eine neue Richtung geben und sich dem Unterricht zuwenden: So wird sie dem Musikkorps der Police Nationale nicht mehr auf seinen zahlreichen Reisen folgen müssen und sich ihrem häuslichen Herd vermehrt widmen können. Und natürlich wird sie weiterhin Posaune blasen.

Durch die Vermittlung von Brass Bulletin wünscht sie mit anderen Blechbläserinnen in Kontakt zu treten, um mit ihnen zu korrespondieren und eventuelle Zusammenkünfte zu organisieren.

Der Aufruf ist erfolgt... er wird nicht ungehört verhallen.

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