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Emile Joseph Trognée (1868-1942)

Entdeckung unbekannter Etüden für Trompete

Emile Joseph Trognée (1868-1942)

Dank der Hilfe von Anatoli Selianin kann der BIM-Verlag eine Erstausgabe dreier Etüdenhefte für Trompete oder Cornett des belgischen Virtuosen Emile Joseph Trognée vorlegen.

In Anbetracht ihrer Wichtigkeit wurde besondere Sorgfalt auf die Darstellung und den Druck dieser für den Stil der ersten Hälfte dieses 20. Jahrhunderts so charakteristischen Etüden verwandt. Von Meisterhand geschrieben, eignen sich diese Etüden vor allem für Arbeit an Phrasierung und Artikulation. Sie sind nicht übermässig schwierig und wirklich angenehm zu üben.

Emile Joseph Trognée gebührt ein Ehrenplatz in der Reihe der grossen Namen der berühmten belgischen Trompetenschule und der Cornettvirtuosen vom Schlage der Duhem, Charlier und anderen. Seine Übersiedlung nach Leningrad und seine prestigeträchtige Stellung an der dortigen Oper verhinderten eine weitere Verbreitung seines Ruhms in Europa. Es war Zeit, seinen Namen der Vergessenheit zu entreissen, und die Veröffentlichung seiner drei Hefte wird ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen.

Hier einige biographische Erläuterungen zu Emile Joseph Trognée aus dem Vorwort von Anatoli Selianin:

Emile Joseph Trognée wurde am 4. Juli 1868 in Tirimon in Belgien geboren. Er studierte Trompete am Brüsseler Konservatorium. Nach einem gesamteuropäischen Wettbewerb wurde er als Gewinner an das Mariinskiy-Theater nach St. Petersburg als Solotrompeter und Cornettist engagiert. (Das Theater heisst heute Kirov, und die Stadt Leningrad.) Er verbrachte dann den Rest seines Lebens in Russland und spielte 25 Jahre lang im Mariinskiy-Theater.

Trognée war ein Musiker höchsten Ranges. Der bekannte sowjetische Dirigent Karl Eliasberg schrieb über ihn:

Trognée hatte eine einmalige Gabe, sich ins Ensemble einzufügen, sein Spiel war bemerkenswert wegen der genauen Dynamik und einem unfehlbaren Sinn für den Charakter einer musikalischen Phrase. Sein Ton war nie forciert, aber immer klar, kraftvoll und ebenmässig in allen Lagen. Er war auch ein grosser Meister sehr leiser Emissionen ohne Zungeneinsatz. Denkwürdig waren seine Leistungen in Wagners Nibelungenring, Rienzi und Lohengrin sowie in Opern von Tschaikowsky und Verdi.

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Trognée wurde von Komponisten und Dirigenten geschätzt. Er riet Rimsky-Korsakov zu diversen Änderungen in den Trompetenstimmen seiner Oper «Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitezh» (unter anderem die bekannte Stelle im symphonischen Bild «Die Schlacht bei Kerzhenets»). Trognée unterrichtete von 1911-1917 an der baltischen Musikschule und von 1928-1941 an der Leningrader Spezialmusikschule «Rimsky-Korsakov». Aus seiner Feder stammen verschiedene Werke für Trompete und Cornett. Seine «Fantasia-Caprice», die in Tabakovs Progressiver Elementarschule für Trompete (erschienen in Moskau 1946) abgedruckt ist, war lange Zeit sehr populär. Seine «Trompetenstudien», die Tabakov gewidmet sind (erschienen 1932 im Staatsverlag Triton), sind ebenfalls wohlbekannt.

Die hier vorliegenden Etüden wurden zu verschiedenen Zeiten komponiert, aber zu Trognée’s Lebzeiten nie herausgegeben.

Nach seinem Tod in Leningrad im Jahre 1942 wurden sie vom sowjetischen Trompeter, Komponisten und Lehrer Sergey Bolotin aufgehoben.

Die folgende Ausgabe von Trognée’s Etüden gibt uns Gelegenheit, das Werk eines der grossen Väter der russischen Schule — wie Wassili Wurm, Wassili Brandt und Oskar Böhme — zu studieren.

Brass Bulletin 51, III / 1985 Seiten 68–69

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